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Diabetologie 6. Oktober 2009

Neuer Marker für Typ-1-Diabetes

Bedeutung der Varianten des Zinktransportergens SLC30A8

Akute Komplikationen wie ein diabetisches Koma könnten bei vielen Kindern vermieden werden. Darauf lässt einer Weiterentwicklung der bisherigen Screening-Methode hoffen.

Wissenschaftler der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München untersuchten die Bildung von Antikörpern gegen einen Zinktransporter bei Kindern mit erhöhtem Risiko für Typ-1-Diabetes. Die Studie erbrachte Hinweise auf einen frühen Ausbruch der Erkrankung, wenn bestimmte Antikörper im Blut und bestimmte Varianten des zugehörigen Zinktransporters im Genom vorliegen. Diese Risikopersonen benötigen eine besonders sorgfältige Überwachung. Bei der Diagnose sind die Kinder durchschnittlich achteinhalb Jahre alt. Viele Kinder haben aber bereits in diesem Alter schwere Stoffwechselentgleisungen. Erfolgreiche Präventionsstrategien und detailliertes Screening können dies verhindern.

Daten von 1.633 Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil unter Typ-1-Diabetes litt, wurden ausgewertet. Die Forscher konnten zeigen, dass Varianten des Zinktransportergens SLC30A8 das Diabetesrisiko beeinflussen. Der Körper benötigt dieses Gen, um das Eiweiß ZnT-8 produzieren zu können. Das Protein beeinflusst den Zinktransport in die Betazellen und spielt eine besondere Rolle bei ihrer Heranreifung und bei der Insulinsekretion. Die Langerhans’schen Betazellen der Bauchspeicheldrüse schütten das Insulin aus. Bereits vor dem Ausbruch des Typ-1-Diabetes zerstört das körpereigene Immunsystem die Betazellen. Hat diese Zerstörung ein bestimmtes Maß überschritten, bricht die Erkrankung aus.

„Autoantikörper gegen ZnT-8 in Kombination mit einer bestimmten genetischen Variante des Zinktansportergens waren mit einem erhöhten Diabetes-Risiko verbunden“, erklärt Erstautor Dr. Peter Achenbach vom Institut für Diabetesforschung der Münchner Technischen Universität. 81 Prozent dieser Kinder mit ZnT-8-Antikörpern entwickelten einen Diabetes mellitus. Ein erhöhtes Diabetesrisiko ist bereits seit Längerem für die Inselautoantikörper bekannt. Hierzu gehören die Autoantikörper gegen Insulin (IAA), Inselzellantikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GADA) und Tyrosinphosphatasen (IA-2A und IA-2ß).

Damit sind Autoantikörper gegen ZnT-8 ein wichtiger Marker für die Progression des Diabetes, besonders bei Kindern, die bereits Inselautoantikörper bilden. Eine differenzierte Analyse aller Autoantikörper lässt einschätzen, wie schnell die Erkrankung ausbrechen wird. Je größer die Anzahl der verschiedenen Autoantikörperarten, desto höher das Risiko, und je jünger das Kind mit Autoantikörpern, desto früher bricht die Krankheit aus.

 

 

Quelle: Achenbach, P. et al.: Diabetologia 2009; 52: 1881–8

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