zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 7. September 2009

Geriatrischer Patient mit Diabetes

Zwei Welser Studien zu Therapie, Stoffwechselkontrolle, Schulungssituation, kognitive Störung und Fremdhilfe.

Zwei aktuelle Arbeiten oberösterreichischer Forscher befassen sich mit dem geriatrischen Patient mit Typ-2-Diabetes.

Eingeschlossen waren von März bis August 2008 alle Diabetiker > 75 Jahre, die an der Abteilung für Innere Medizin V, Klinikum Wels Grießkirchen, hospitalisiert wurden: 47 Männer und 70 Frauen in einem mittleren Alter von 81 Jahren.

Fragestellung 1

Die prospektive Beobachtungsstudie untersuchte Therapiesituation und Stoffwechselkontrolle.

Methodik: Anhand eines Fragebogens wurden Alter, Geschlecht, BMI, Diabetesdauer, Begleiterkrankungen, medikamentöse Therapie erhoben. Eine gute Stoffwechselkontrolle wurde als ein HbA1c < 7 festgelegt.

Ergebnisse: Die mittlere Diabetesdauer betrug 10,3 Jahre. 2,6% der Patienten hatten einen BMI < 20, 36,8% einen BMI zwischen 20 und 25 und 49,6% einen BMI > 25. Bei 33% war eine koronare Herzerkrankung, bei 16% eine periphere arterielle Verschlusserkrankung und bei 18% ein zerebraler Insult zu eruieren. Bei 7% wurde eine diabetische Retinopathie oder Neuropathie, bei 9% ein diabetisches Ulkus, bei 44,4% eine chronische Niereninsuffizienz diagnostiziert. Das mittlere HbA1c betrug 7,3%. 53/117 Patienten erhielten Metformin, 41/117 einen Sulfonylharnstoff, 44/117 verwendeten Insulin, wobei 35/44 zweimal täglich ein Mischinsulin, 3/44 3x/d ein Mischinsulin, 3/44 einmal täglich ein Basalinsulin applizierten. 1/44 verwendete 1x/d ein Mischinsulin, 1/44 eine prandiale Insulintherapie und 1/44 eine Basis- Bolus-Therapie.

Schlussfolgerung: Viele Patienten hatten eine kurze Erkrankungsdauer, fast die Hälfte wies eine gute Stoffwechselkontrolle auf. Die häufigsten Therapien waren Metformin, Sulfonylharnstoffe und die zweimal tägliche Gabe eines Mischinsulins. Das Konzept des bedtime-Insulins besaß in diesem Kollektiv keine Relevanz.

Fragestellung 2

Ziel war es, Schulungssituation, Existenz einer kognitiven Störung und deren Auswirkung auf die Stoffwechselsituation zu erheben.

Methodik: Mittels Fragebogen wurden Alter, Geschlecht, BMI, MMSE, Schulungssituation, Selbstständigkeit oder Fremdhilfe erhoben. Schwere Demenz wurde als MMSE < 10 Punkte, leichte bis mittelschwere Demenz als MMSE zwischen 10 und 20 und ein kognitives Defizit zwischen 20 und 25 Punkten definiert. Ein HbA1c < 7% entsprach einer guten Stoffwechselkontrolle.

Resultate: Bei 5,1% der Pat. wurde eine schwere Demenz, bei 18,8% eine leichte bis mittelschwere, bei 16,2% ein kognitives Defizit diagnostiziert. Bei 40,2% war der MMSE > 25. Die Stoffwechselkontrolle war zwischen den Demenzgraden nicht unterschiedlich Übergewichtige Patienten wiesen eine bessere kognitive Funktion als normalgewichtige auf. 44% der Patienten waren in der Therapieführung selbstständig. 56% waren auf Fremdhilfe angewiesen. 65% gaben an, nie an einer Diabetesschulung teilgenommen zu haben.

Schlussfolgerung: Diabetes war häufig mit einer Demenz assoziiert. Überraschenderweise war die Stoffwechselkontrolle mit zunehmender Schwere der Demenz nicht schlechter. Patienten mit höherem BMI hatten tendenziell einen besseren kognitiven Zustand als die mit normalem BMI. Die Mehrheit der geriatrischen Patienten war bei der Therapie auf Fremdhilfe angewiesen. An Diabetesschulungen hatten geriatrische Patienten selten teilgenommen, Angehörige sind vermehrt zu schulen.

C. Bunte, M. Sanin, W. Stainer, G.Endholzer, G. Stiendl, G. Schmid,

A. Kirchgatterer; Klinikum Wels Grieskirchen, Innere Medizin V, Wels

 

Quelle: Wien Klin Wochenschr (2009) 121/15-16, © Springer-Verlag 2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben