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Arbeitsmedizin 7. Oktober 2016

Der Totmacher

Trotz der seit vielen Jahren bestehenden Forschung über Asbest besteht nach wie vor eine Kontroverse über dessen Definition.

Laut der Definition der Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts ist Asbest „ein Sammelbegriff für eine Gruppe natürlich vorkommender, faserförmiger Mineralarten, die sich durch eine besondere Beständigkeit gegenüber Hitze, Säuren und mechanischer Belastung auszeichnen“.

Weltweit stellt Asbest das wichtigste berufsbedingte Karzinogen dar. So wurden alle Formen von Asbest von der „International Agency for Research on Cancer“ (IARC) als „karzinogen für Menschen“ eingestuft. Es sollte allerdings beachtet werden, dass auch von den nicht unter die regulatorische Definition fallenden Asbestfasern gesundheitliche Gefahren ausgehen könne.

Die Toxizität von Asbestfasern ergibt sich in erster Linie aus zwei Faktoren:

- Faserdimension und

- Biopersistenz

Die Faserdimension wird durch den Durchmesser, die Länge, das Länge zu-Durchmesser-Verhältnis und die für den Zellkontakt zur Verfügung stehende Oberfläche charakterisiert. Die Biopersistenz beschreibt die Verweildauer der Fasern in der Lunge, welche von der chemikalischen Oberflächenzusammensetzung und deren Faserreaktivität abhängen.

Aufgrund der karzinogenen Eigenschaften wurde die Verwendung von Asbest bereits in 57 Ländern (Stand: September 2015) verboten. Während in Island Asbest bereits 1983 verboten wurde, geschah dies in Rumänien erst 2007 (in Österreich seit 1990). Für die EU gilt ein verbindliches Verwendungsverbot für Asbest seit 2005 (EU-Richtlinie 2009/148/EG). In Ländern wie Russ- land, Brasilien oder China wird allerdings nach wie vor Asbest produziert. Die weltweite Produktion ist mit ca. 2 Mio. Tonnen pro Jahr von 2010 bis 2014 relativ konstant geblieben.

Die globalen Folgen asbestassoziierter Erkrankungen lassen sich prinzipiell nur schwer abschätzen. Allerdings liegen valide Daten für das Jahr 2004 vor: So schätzten Prüss-Ustünet et al. 2011, dass Asbest im Jahr 2004 ca. 41.000 Lungenkrebstode verursachte. Des Weiteren wurde die Zahl der Toten durch das Pleuramesotheliomin 2004 auf 59.000 und die Zahl der Toten durch Asbestose auf 7.000 geschätzt.

Zusammengenommen lässt sich also die Zahl der Asbest-verursachten Todesfälle im Jahr 2004 auf 107.000 schätzen. Zu den globalen Kosten asbestassoziierter Erkrankungen in Europa liegen Daten für das Jahr 2012 vor.

Die geschätzten Gesamtkosten durch Mesotheliome in Europa beliefen sich demnach auf ca. 1,7 Milliarden Euro (Österreich: ca. 21 Millionen Euro).

Der Originalartikel „Asbest aus globaler Perspektive“ ist erschienen in „Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie“ 2016, DOI: 10.1007/s40664-016-0141-5, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg.

Die gesammelten Literaturhinweise finden sie auf www.springermedizin.at

Dr. Jan Bauer, der korrespondierende Autor, ist am Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin der Goethe-Universität in Frankfurt tätig.

Asbest

J. Bauer & M. Bundschuh

, Ärzte Woche 41/2016

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