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Arbeitsmedizin 20. Mai 2014

Das erste Jahr: fit2work zieht Bilanz

Die Berufsbilder sind im Wandel. Die körperliche Arbeit nimmt tendenziell eher ab, dafür steigt die psychische Belastung.

Seit dem Vorjahr ist fit2work, das Beratungs- und Informationsangebot zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz, flächendeckend in ganz Österreich verfügbar. Um auf die Bedürfnisse der Klienten besser eingehen zu können, wurde im letzten Jahr ein Pilotprojekt für Patienten mit psychischen Beschwerden gestartet. Die Beratungsstellen und -zeiten wurden ausgedehnt. Auch die heimischen Unternehmer zeigen zunehmend Interesse an der Gesundheit ihrer Mitarbeiter.

Mehr als 17.000 Personen und über 250 Betriebe wandten sich seit Start der Initiative an die fit2work-Beratungsstellen. 2.324 Arbeitnehmer konnten seither ein Case-Management abschließen und damit Maßnahmen zum Erhalt bzw. zur Verbesserung ihrer Gesundheit am Arbeitsplatz in die Tat umsetzen. fit2work informiert dabei über medizinische, therapeutische und soziale Angebote, stellt die notwendigen Kontakte her und weist den Weg durch den österreichischen Gesundheitsbereich.

„Mit fit2work haben wir einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gesetzt. Denn viele Österreicher leiden unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die sich auf ihr Arbeitsleben auswirken. Besonders ältere Arbeitnehmer sind von gesundheitlichen Problemen betroffen“, berichtet Bundesminister Rudolf Hundstorfer vor Journalisten. Dass fit2work genau diese Personen erreicht, zeigen die aktuellen Zahlen: Die meisten Personen, die sich von fit2work beraten ließen, waren zwischen 50 bis 59 Jahre alt, gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen.

Psychische Erkrankungen sind das häufigste Problem

Dass psychische Erkrankungen in Österreich – nicht zuletzt auf Grund der sich verändernden Arbeitsbedingungen – zunehmen, zeigt sich auch im Jahresbericht von fit2work: 41,1 Prozent der Menschen, die sich 2013 an fit2work wandten, gaben an, unter einer psychischen oder psychiatrischen Erkrankung zu leiden. Im Gegensatz dazu waren nur 34,4 Prozent von Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates, des Skeletts oder der Muskeln betroffen. Anhaltender Stress am Arbeitsplatz ist ein besonders häufiger Grund für lange Krankenstände, die mit durchschnittlich 31,9 Tage rund drei Mal so lange dauern wie Krankenstände aufgrund körperlicher Beschwerden. Während Krankenstände insgesamt weniger werden, nehmen Krankenstände aufgrund psychischer Belastungen zu. Die Folgen reichen von Depressionen und Schlafstörungen über Burnout und Magen-Darmbeschwerden bis hin zu körperlichen Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen.

Stress-Prävention spart Geld

„Stress und psychische Belastungen am Arbeitsplatz als unwichtig abzutun, kann teuer kommen“, warnt Dr. Anna Ritzberger-Moser, Sektionsleiterin der Arbeitsinspektion im Sozialministerium. Die Reduktion der Produktivität, die Steigerung der Fluktuation, vermehrte Fehlzeiten und erhöhte Unfallgefahr führen zu massiven finanziellen Einbußen. Ein günstigeres und zeitgemäßes Instrument ist die Prävention. So zeigt eine aktuelle Studie der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland mit 19 Ländern, darunter Österreich, dass jeder Euro, der für Prävention ausgegeben wird mehr als das Doppelte an Einsparungen mit sich bringt. „Viele klassische Berufsbilder sind im Wandel. Die körperliche Arbeit nimmt tendenziell eher ab, dafür steigt die psychische Belastung“, so Hundsdorfer.

In Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Österreichischen Psychologen vermittelt fit2work seit dem Sommer 2013 kostenfreie psychologische und psychotherapeutische Behandlungen und reduziert dadurch die Wartezeit für einen kostenfreien, von der Gebietskrankenkasse finanzierten, Psychotherapieplatz.

Beratungsstellen und -zeiten wurden ausgeweitet

Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist die Flexibilität des Beratungs- und Informationsangebots: Erweiterte Öffnungszeiten und Beratungen außerhalb der fit2work-Standorte erleichtern Menschen, die von gesundheitlichen Problemen betroffen sind, das fit2work-Angebot in Anspruch zu nehmen. Nach telefonischer Absprache können Beratungstermine an den fit2work-Beratungsstellen zwischen 7 und 19 Uhr flexibel vereinbart werden. Bei regelmäßigen Sprechstunden an unterschiedlichen Standorten – beispielsweise in regionalen AMS-Stellen oder Geschäftsstellen der Gebietskrankenkassen – bieten sie Informationen zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz aus einer Hand.

Betriebe und Unternehmen zeigen immer mehr Interesse

Auch die fit2work-Betriebsberatung, die österreichischen Unternehmen beim Aufbau von Maßnahmen zur (Re-)Integration von Mitarbeitern mit gesundheitlichen Problemen unterstützt, kann auf ein positives Jahr zurückblicken. Insgesamt begleiten die fit2work-Mitarbeiter derzeit 87 Betriebe bei der Entwicklung und Implementierung solcher Maßnahmen.

Gesundheit am Arbeitsplatz beginnt im Betrieb. Deshalb wurde zur Personenberatung die fit2work-Betriebsberatung gestartet. Dass sich so viele Unternehmen über das Angebot von fit2work informiert haben und aktuell fast 90 Betriebe Maßnahmen für die Wiedereingliederung von Arbeitnehmern mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen entwickeln, zeige, dass auch bei den heimischen Unternehmern das Bewusstsein für Gesundheit am Arbeitsplatz zunimmt.

Mit den beiden Schienen der Personen- und Betriebsberatung hat fit2work probate Mittel, um die Anzahl der Frühpensionen und Invaliditätspensionen in Österreich langfristig zu senken.

fit2work: Motor der Prävention

• bietet Erwerbstätigen, Arbeitssuchenden, Arbeitslosen, insbesondere Personen mit längeren Krankenstandstagen sowie Wiedereinsteigern nach längerem Krankenstand, und Betrieben Information, Beratung und Unterstützung bei Fragen zur seelischen und körperlichen Gesundheit am Arbeitsplatz. Ziel von fit2work ist, durch ein niederschwelliges Informations- und Beratungsangebot bereits ein frühzeitiges krankheitsbedingtes Ausscheiden von Menschen aus dem Erwerbsleben zu vermeiden bzw. nach langen Krankenständen rechtzeitig für geeignete Wiedereingliederungsmöglichkeiten zu sorgen. Das Angebot von fit2work ist kostenlos, freiwillig und vertraulich und flächendeckend in ganz Österreich verfügbar. Kontakt zu den regionalen Beratungsstellen erhalten Sie unter: • www.fit2work.at

• ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und rechtlich im Arbeit-und-Gesundheit-Gesetz (AGG) verankert. Das Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebot wird von externen Umsetzungspartnern und Dienstleistern regional umgesetzt, vom Bundessozialamt koordiniert und in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für Finanzen sowie den Partnerorganisationen Arbeitsmarktservice, Pensionsversicherungsanstalt, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger samt Krankenversicherungsträger (Gebietskrankenkassen etc.) unter Einbindung der sozialpartnerschaftlichen Gremien durchgeführt.

Michael Strausz, Ärzte Woche 21/2014

  • Frau Eva Pichler Selbsthilfegruppe Mobbing Graz, 20.05.2015 um 16:16:

    „Danke für diese Übersicht.
    Seit Juli 2014 gab es eine Änderung im Dienstrecht für Sozialversicherungsangestellte (DO.A.).
    GKK, AUVA & PVA - als fit2work-Partner (!) zwingen mit der DO.A ihre eigenen Mitarbeiter zum Pensionsantrag (nach 4 Mon. durchgehendem Krankenstand)
    http://mobbing-konkret.jimdo.com/do-a-pensionsantragszwang/
    Diese Regelung scheint einer gewissen Ironie nicht zu entbehren.
    Eva Pichler, SHG Mobbing Graz“

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