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Arbeitsmediziner warnen: Schlechte Luftqualität führt zu Ermüdung, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Leistungsabfall.

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Am "Tag der guten Raumluft" unterzeichneten Wirtschaftstreibende den Appell „Gesunde Raumluft. Mehr Lebensqualität“.

 
Arbeitsmedizin 5. Dezember 2013

Dicke Luft in Österreichs Büros

Bedenkliche Ergebnisse landesweiter Raumluftmessungen.

Im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt, trotz Klimaanlage zu geringe Luftfeuchtigkeit – das schlägt nicht nur auf die Leistungsfähigkeit, sondern auch auf die Gesundheit. Arbeitgeber, die in gesundes Raumklima investieren, tun sich damit selbst auch etwas Gutes: leistungsfähige Mitarbeiter und weniger Krankenstände sind der Dank.

Mehr als 360 Büros wurden bei einer österreichweiten Erhebung auf wesentliche Indikatoren für gesunde Raumluftqualität untersucht. Die Ergebnisse: In fast allen Büros wurden während des Messzeitraumes Richtwerte für gesunde Raumluft zumindest punktuell über- bzw. unterschritten. Arbeitsmediziner geben die Folgen für den Einzelnen und die Wirtschaft zu bedenken: Ermüdung, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Leistungsabfall und Krankenstände.

Als konsequenten nächsten Schritt zur Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit, der Politik und vor allem der Betroffenen selbst unterschrieben namhafte Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft den Appell „Gesunde Raumluft. Mehr Lebensqualität“.

Breit angelegte Messaktion in Büros

Seit Winter letzten Jahres (und noch bis einschließlich 30. März 2014) führt die unabhängige Plattform MeineRaumluft.at österreichweit Erhebungen zur Raumluftqualität in Büros durch. Dabei fanden zwei Untersuchungsreihen statt. Einerseits gab es im Auftrag der Plattform mehr als 230 Spontan-Untersuchungen in Büros, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Hoffmann & Forcher. Andererseits wurden in Folge Raumluftdaten in weiteren 130 Büros jeweils eine Woche lang durch Mitarbeiter der Betriebe oder Betriebsärzte selbst erhoben. Gemessen wurden zentrale Indikatoren für gesunde Raumluft: Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur, Luftaustauschrate, CO2-Gehalt sowie die Anzahl der Luftionen, die in Sondermessungen mit einem speziellen Ionen-Messgerät ermittelt wurden.

Am 7. November, dem „Tag der guten Raumluft 2013“ zog die Plattform nun Zwischenbilanz.

Klimaanlagen schlecht eingestellt

Bei den 230 Spontan-Messungen, die im Winter durchgeführt wurden, zeigt sich bei mehr als jedem fünften Büro, dass die Luftfeuchtigkeit zu gering und der CO2-Wert zu hoch ist. Die Anzahl der Luftionen unterschritt bei den Sondermessungen den Richtwert von 1.000 Luftionen pro cm³ sogar bei 80 Prozent der Büros.

Darüber hinaus lag die Temperatur im Winter in rund jedem achten Büro unter erfrischenden 18 Grad. Das Resümee: Die Luft ist zu trocken und weist mit erhöhten CO2-Werten generell eine schlechte Qualität auf. In kaum einem der Büros lagen alle gemessenen Richtwerte im empfohlenen Bereich.

Bei den Wochen-Messungen, die zwischen Frühsommer und Herbst 2013 stattfanden und in denen 130 Büros über einen Zeitraum von je einer Woche beobachtet wurden, zeigte sich hingegen folgendes Bild: Bei mehr als der Hälfte aller Büros (57,8 Prozent) lag die Luftfeuchtigkeit unterhalb des Richtwertes von 40 Prozent, bei jedem fünften Büro sogar unter 30 Prozent. „Dies ist deshalb bedenklich, da bei Verwendung von Klimaanlagen eine relative Luftfeuchtigkeit von zumindest 40 Prozent zu erreichen ist. Und dies war bei 80 Prozent der klimatisierten Büros nicht der Fall“, erklärt Mag. Thomas Schlatte, Sprecher der Plattform MeineRaumluft.at.

Die CO2-Werte waren bei den Wochen-Messungen in jedem zehnten Büro zu hoch, das Gesamtergebnis war allerdings besser als bei den vorangegangenen Spontanmessungen. Grund dafür ist laut Schlatte einerseits der große Anteil an mechanischen Lüftungsanlagen, die bei regelmäßiger Wartung gut funktionieren, andererseits ist die Besserung hier auch jahreszeitenbedingt zu interpretieren, da im Sommer die Fenster länger offenstehen. Auch zeigte sich eine weitere positive Dynamik: „Die Tagesergebnisse im Vergleich zeigen, dass allein die Aufmerksamkeit, die durch das Leih-Messgerät erzeugt wurde, die Faktoren positiv beeinflusst“, so Schlatte.

Während es im Winter zu kalt in den Büros ist, zeigen die Messungen im Sommer, dass die Luft nicht nur dick, sondern auch heiß sein kann: In jedem sechsten Büro lag die Temperatur über der 25-Grad-Marke.

Entscheidender Faktor für die Arbeitsleistung

Auf die gesundheitlichen Folgen und die wirtschaftlichen Aspekte verweist Arbeitsmedizinerin Dr. Eva Höltl: „Schlechte Raumluft kann umfangreiche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Allergien und Atemwegserkrankungen können die Folge sein.“

Hinzu kommt: Ist die Raumluft schlecht, sinkt die Leistungsfähigkeit. In einer Dienstleistungsgesellschaft, in der die geistige Leistung das eigentliche Produkt ist, müssen Unternehmen einfach darauf achten, welche Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeiter herrschen“, so Höltl. „Gezielte Vorsorge und professionelle Überlegungen sind für ein positives Raumklima unerlässlich. Gesunde Raumluft beginnt schon bei der Gebäudeplanung“, sagt die Expertin.

Hinweis zur laufenden Aktion: Unternehmen können bis einschließlich Ende März 2014 die Messgeräte zur Raumluft-Erhebung gratis bei der Plattform MeineRaumluft.at ausleihen.

Die BOKU macht´s vor

Optimale Raumluftqualität hängt aber nicht nur von den baulichen Maßnahmen ab, auch das Engagement und die Bewusstheit jedes Einzelnen kann viel dazu beitragen. Dies weiß auch Doz. DI Dr. Georg Haberhauer, Vizerektor der Universität für Bodenkultur BOKU: „Es gehört zum Selbstverständnis der BOKU, achtsam mit der Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umzugehen und diese zu fördern. Als Arbeitgeberin von knapp 2.500 Mitarbeitern und Ausbildungsstätte für rund 12.000 Studierende haben wir eine große Verantwortung, derer wir uns bewusst sind. Daher haben wir neben umfassenden Sanierungsarbeiten auch Projekte initiiert wie zum Beispiel die Initiative ‚Gesunde BOKU‘. Denn gesunde Mitarbeiter sind ein wesentlicher Faktor für den Erfolg unserer Universität.“

Österreichs Wirtschaftstreibende rufen zum Appell

Laut der Europäischen Umweltagentur (EUA) sind rund 90 Prozent der städtischen Bewohner der EU schädlichen Luftverhältnissen ausgesetzt. Laut Schätzungen sterben in Europa jährlich eine halbe Million Menschen frühzeitig an den Folgen von verschmutzter Luft. Diese alarmierenden Zahlen zeigen: Gesunde Luft ist eine essenzielle Ressource – sowohl für den Einzelnen als auch für Unternehmen.

Da die Raumluftqualität nicht nur jeden Einzelnen, sondern die Gesellschaft insgesamt betrifft, haben sich am „Tag der guten Raumluft“ namhafte Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft eingefunden, um gemeinsam mit der Plattform MeineRaumluft.at ihren Appell „Gesunde Raumluft. Mehr Lebensqualität“ an die breite Öffentlichkeit, die Politik, aber auch an Gesundheitsverantwortliche und schließlich jeden Einzelnen zu richten. Hierzu einer der Unterzeichnenden, Mag. Robert Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Schmid Industrieholding: „Mit diesem Appell wollen wir ein klares Statement setzen und jeden Angestellten, aber auch die Wirtschaftstreibenden zur Eigeninitiative auffordern. Als Lebensgrundlage eines jeden Einzelnen braucht gesunde Raumluft mehr Aufmerksamkeit.“

Gerade an Arbeitsstätten sollte ein Atmosphäre herrschen, die Wohlbefinden und optimale Leistungsfähigkeit erlaubt, sind sich die Unterzeichnenden einig. Die Qualität der Raumluft spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Des Weiteren unterzeichneten den Appell:

  • Mag. Robert Schmid, Geschäftsführender Gesellschafter Schmid Industrie SIH
  • Mag. Brigitte John-Reiter, Geschäftsführerin Österr. Akademie für Arbeitsmedizin
  • Dr. Georg Haberhauer, Vizerektor BOKU
  • DI Peter Tappler, Umweltanalytiker IBO Innenraumanalytik
  • DI Christof Braunegg, Geschäftsführer Troges
  • Dr. Manfred Gaulhofer, Geschäftsführer Gaulhofer Fenster
  • Mag. Alois Wichtl, Geschäftsführer bellaflora Gartencenter 
  • Mag. Isabella Hollerer, Nachhaltigkeitsbeauftragte bellaflora Gartencenter
  • Mag. Georg Bursik, Geschäftsführer Wopfinger Baustoffindustrie
  • Ing. Sascha Deifel, Geschäftsführer Camfil Austria
  • DI Stephan Bruck, Geschäftsführer AQA
  • Ing. Thomas Mader, Geschäftsführer Stiebel Eltron
  • Erich Nepita, Geschäftsführer IONIT healthcare
  • Univ. Prof. Mag. Dr. Joseph Strauss, BOKU
  • DI (FH) Reinhard Böcskör, Marketing Wienerberger Ö.

 

Lüften, aber wie?

Stoßlüften statt Kippen. Frische Luft ohne Wärmeverlust. Um dies zu gewährleisten, sollten die Fenster regelmäßig weit geöffnet werden. Somit geht die Feuchtigkeit rasch nach draußen, die gespeicherte Wärme bleibt jedoch in den Wänden. Bei gekippten Fenstern dauert der Luftaustausch viel länger und der Raum kühlt ab. Das führt speziell im Winter zu extremen Energieverlusten und kann sogar Schimmelbildung an der Fensterlaibung verursachen.

Je öfter, desto besser. Einmal am Tag zu lüften reicht nicht aus. Um ein optimales Raumklima sicher zu stellen, sollten die Fenster zwei bis viermal täglich geöffnet werden. Die Dauer hängt von der Außentemperatur ab. Je kälter es draußen ist, desto kürzer kann die Lüftungsphase ausfallen. So reichen bei Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt maximal 5 Minuten. Bei ruhigem, wärmerem Wetter sind 10 bis 15 Minuten empfehlenswert. Umso größer das Fenster, umso mehr Luft kommt mit einem Mal in den Raum.

Die Menge macht’s. Die richtige Dosis in puncto Frischluft hängt auch von der Anzahl der Personen, die sich in einem Raum aufhalten ab. Hier gilt die Faustregel: Je mehr Menschen, desto öfter muss gelüftet werden. Schon eine vierköpfige Familie gibt täglich rund 12 Liter Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf an die Luft ab. Und auch Tiere und Pflanzen beeinflussen die Luftfeuchtigkeit.

Feuchtigkeit adé. Damit man auch im stressigen Alltag nicht vergisst, die Fenster regelmäßig zu öffnen sollte eine gewisse Routine in Sachen Wohnraum- und Bürolüftung einkehren. So bietet es sich an besonders im Schlafbereich gleich nach dem Aufstehen zu lüften, da die Feuchtigkeit in der Früh noch nicht so stark in Wände und Möbel eingedrungen ist und somit leichter abgeführt werden kann. Im Badezimmer sowie in der Küche ist situationsbedingtes Lüften erforderlich. Beim Duschen und Kochen steigt die Raumluftfeuchte stark an und sollte möglichst rasch nach außen abgeleitet werden. (Quelle: Presseinformation Gaulhofer)

MeineRaumluft.at/CL, Ärzte Woche 49/2013

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