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Ungünstige Arbeitsbedingungen erhöhen das Depressionsrisiko.
 
Arbeitsmedizin 18. Dezember 2012

Soziale Stressoren

Depression und Arbeitsstress: Was ist Henne, was Ei?

Verschieden Studien weisen darauf hin, dass ungünstige Arbeitsbedingungen das Risiko für die Entwicklung einer Depression erhöhen. Eine Studie in Sachsen ging der Frage nach, ob die Assoziation auch umgekehrt zustande kommen könnte: Depressive nehmen ihre Arbeit anders wahr.

So könnte die Neigung zur Unterschätzung der eigenen sozialen Netzwerke zu einer erlebten geringen sozialen Unterstützung am Arbeitsplatz führen, eine gelernte Hilflosigkeit dazu führen, dass vorhandene Handlungsspielräume nicht wahrgenommen werden oder der Energieverlust und die verminderte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit im Rahmen einer Depression zu dem Erleben einer steigenden Arbeitsintensität führen. Tatsächlich scheint es Beziehungen in beiden Richtungen zu geben, wie die Untersuchungen von Prof. Dr. Renate Rau von der Universität Halle zeigen. In der Studie wurden nicht nur subjektive Selbstbeurteilungsinstrumente, sondern auch objektive Verfahren eingesetzt – zur Analyse der Merkmale der Arbeit wie zur Diagnose psychischer Störungen. Die Stichprobe umfasste 255 Angestellte des Gesundheitswesens, 40 Angestellte aus dem öffentlichen Dienst und 222 Angestellte von Banken und Versicherungen, jeweils aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und Hierarchieebenen. Bei 91 der 517 (17,6%) untersuchten Beschäftigten fand sich eine Major Depression.

Risiko objektivierbar

Das Risiko für eine Depression war bei objektiv sehr hoher Arbeitsintensität 4,5-fach erhöht gegenüber der geringsten objektiv gefundenen Arbeitsintensität – es gib also einen objektivierbaren Zusammenhang von Arbeitsintensität und Depressionsrisiko. Bei der subjektiven Bewertung ergab sich eine ähnlich hohe Assoziation von erhöhtem Depressionsrisiko und Arbeitsintensität, aber auch eine Assoziation zu mangelnden Tätigkeitsspielräumen, die sich objektiv nicht bestätigen ließen. Weitere subjektiv erlebte Risiken waren mangelnde soziale Unterstützung und sozialen Stressoren. So scheint es beides zu geben: den objektivierbaren Zusammenhang von hoher Arbeitsintensität und Depression, der nicht mit einer störungsimmanenten Wahrnehmungsverzerrung erklärt werden kann, wie auch subjektiv eher durch eine Wahrnehmungsverzerrung psychisch Kranker entstehende Belastung von mangelnden Tätigkeitsspielräumen, fehlender sozialer Unterstützung und sozialen Stressoren. Zudem zeigte sich, dass ein subjektiv erlebter großer Tätigkeitsspielraum unabhängig vom objektiven Vorhandensein einen puffernden Effekt auf das Depressionsrisiko hat.

 

Quelle: Kongress der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, 23. November 2012, Berlin

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/52/2012

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