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                  © Getty Images/Comstock Images
Chef und Mitarbeiter sollten sich zusammensetzen, um praktikable Ideen für das betriebliche Gesundheitsmanagement zu entwickeln.
 
Arbeitsmedizin 14. August 2012

Mit Sicherheit gesund

Betriebliches Gesundheitsmanagement funktioniert auch in Apotheken.

Wer auf betriebliches Gesundheitsmanagement setzt, tut damit nicht nur seinen Mitarbeitern etwas Gutes. Denn die Art der Tätigkeit und das Klima am Arbeitsplatz entscheiden über den Krankenstand in einem Betrieb - egal ob es sich um Großkonzerne, Apotheken oder Arztpraxen handelt.

Ein Fitnessraum, eine Kantine mit Diätküche, Betriebssportgruppen und betriebsinterne Schulungen zur Stressprävention und Rückengesundheit - große Unternehmen versuchen heute, sich mit derartigen Angeboten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) im Wettbewerb um gute Mitarbeiter hervorzuheben. Kleinstbetriebe, zu denen auch die meisten Apotheken und Arztpraxen gehören, können da nicht mithalten.

„Das heißt aber noch lange nicht, dass dort kein betriebliches Gesundheitsmanagement möglich ist“, so Dr. Constanze Schäfer von der Apothekerkammer Nordrhein, die regelmäßig Seminare zum BGM in Apotheken anbietet. „Es müssen sich nur statt einer organisierten Personalabteilung Chef und Mitarbeiter zusammensetzen, um praktikable Ideen zu entwickeln. Denn BGM ist Teamarbeit.“

Tagtäglich mit Gesundheit befassen?

Der Grundgedanke des BGM beruht auf der Harmonisierung der Arbeitsschutzvorschriften durch die Europäische Union. Denn damit wurde vor nun mehr als 15 Jahren auch der Arbeitsschutz in den einzelnen Ländern auf eine neue rechtliche Basis gestellt.

Der Arbeitsschutzbegriff wurde deutlich weiter gefasst. Ziel ist seither ein umfassender Schutz der Gesundheit über die Vermeidung von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren hinaus.

Die Belastungen - körperlich wie psychisch - haben in den vergangenen Jahren in diesen Berufen deutlich zugenommen. Die Gründe sind vielfältig.

Häufig ist die Personaldecke dünn, die Arbeitsabläufe werden immer komplexer und erfordern viel Konzentration.

Gesundheitsförderung macht sich bezahlt

Zwar ist die Arbeit in der Apotheke mit viel Bewegung verbunden (Bücken, Strecken, Stehen, Messungen vornehmen, Sitzen), doch diese werden oft nicht ergonomisch ausgeführt. Hinzu kommt, dass von professionellen Mitarbeitern erwartet wird, auch in schwierigen Situationen im Umgang mit Patienten stets ruhig und empathisch zu bleiben - auch das ist oft belastend. Dass sich solche Belastungen auf die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern ungünstig auswirken, beziehungsweise umgekehrt Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sich langfristig bezahlt machen, wurde zumindest für große Firmen in Studien inzwischen belegt. Doch auch für Kleinbetriebe gilt: „Wer gute Mitarbeiter behalten und leistungsfähig halten möchte, muss auf ein entsprechend förderliches Arbeitsklima achten“, so die Apothekerin.

Daten von Fehlzeitenreports zeigen, dass nicht nur ausgeübter Beruf und Qualifikation Einfluss auf Krankenstand und Arbeitsunfähigkeit haben - wobei eine formal höhere Bildung (etwa bei PTA) wie ein Gesundheitsschutz wirkt. Auch die Verhältnisse am Arbeitsplatz und das Führungsverhalten der Vorgesetzten bestimmen, wie häufig Arbeitnehmer fehlen: Mangel an Anerkennung und Partizipation, gar Rücksichtslosigkeit, Ungerechtigkeit und Unkollegialität - schlechte Chefs müssen damit rechnen, dass der Krankenstand ihrer Mitarbeiter um etwa 20 Prozent höher ist als bei beliebten Vorgesetzten.

Häufig gewünscht: bessere Zusammenarbeit

Eine Umfrage aus Deutschland mit 1.000 Angestellten und Arbeitern zeigte die konkreten Wünsche auf: Im Vordergrund stehen Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung, Verbesserung der Führung und Zusammenarbeit, familienfreundliche Arbeitszeitregelung, arbeitsorganisatorische Verbesserungen.

Die meisten Befragten hielten dabei Angebote zum BGM für sinnvoll, um die Arbeitszufriedenheit zu steigern. Um auch in Apotheken das Interesse für betriebliches Gesundheitsmanagement zu wecken und um sie dann bei der Umsetzung zu unterstützen, hat Schäfer gemeinsam mit Mitarbeitern der Sozialforschungsstelle der Universität Duisburg das apothekenspezifische Modell des „Kümmerers“ beziehungsweise „kollegialen Beraters“ entwickelt. Daraus wurde ein bundesweites Fortbildungsangebot zum BGM in Apotheken.

„Apothekenleiter müssen sich im Klaren sein, dass betriebliches Gesundheitsmanagement mehr ist, als die Einhaltung von Vorschriften zum Arbeitsschutz und zur Unfallverhütung. Die Fortbildung will daher konkrete Möglichkeiten aufzeigen, wie darüber hinaus eine Atmosphäre geschaffen werden kann, in der Angestellte gerne und sicher arbeiten“, betont Constanze Schäfer. Dazu werden zu verschiedenen Aspekten wie Herstellung & Prüfung, Dienstleistungen, Zeitmanagement, Kommunikation, räumliche Voraussetzungen, Gesunderhaltung der Mitarbeiter und Fort- und Weiterbildung Anhaltspunkte gegeben, wo über typische Abläufe nachgedacht werden sollte.

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