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Betroffene und Mediziner sollten über die Sachlage zu Berufskrankheiten Bescheid wissen.
 
Arbeitsmedizin 21. März 2012

Berufskrankheiten zu wenig beachtet

Das erste österreichische Handbuch für die rechtliche und medizinische Praxis bei Berufskrankheiten ist jetzt erschienen.

In Österreich sind derzeit 53 Erkrankungen durch die Sozialpartner als Berufskrankheit anerkannt. Tausend Fälle werden jährlich angezeigt, doch Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

 

„Berufskrankheiten finden in Österreich noch immer zu wenig Beachtung. Vielen Betroffenen und ÄrztInnen ist nicht die Gefahr bewusst, eine Berufskrankheit zu übersehen“, sagt der Internist und Arbeitsmediziner Christian Wolf von der Universitätsklinik für Innere Medizin II an der MedUni Wien. Wolf hat, gemeinsam mit den juristischen Herausgebern und unterstützt von Kollegen an der MedUni, das erste österreichische Handbuch für die rechtliche und medizinische Praxis bei Berufskrankheiten herausgegeben.

Er geht von einer hohen Dunkelziffer aus, denn sowohl Ärzte als auch Betroffene assoziieren Erkrankungen, die durchaus im Beruf entstanden sein können, nicht immer mit dem Job. Oft hemmt auch die Angst um den Arbeitsplatz. „Wenn ein Geschäftsmann aus beruflichen Gründen nach Asien fliegt und sich dort eine dauerhafte, fiebrige Erkrankung holt, dann ist auch das eine Berufskrankheit“, stellt Wolf klar. „Aber daran wird oft nicht gedacht. Mit dem Buch wollen wir dafür sensibilisieren.“ Am häufigsten sind jedoch Erkrankungen durch Lärmbelastung, Hautkrankheiten, Erkrankungen der Atemwege, der Leber oder im Blut.

Arzt kann angezeigt werden

Eine Berufskrankheit zu übersehen, birgt mehrere Gefahren: Zum einen kann der Betroffene nicht durch die Unfallversicherung entschädigt bzw. nicht in einen Umschulungsprozess eingegliedert werden, zum anderen riskiert ein Arzt, der eine Berufskrankheit nicht anzeigt, dass bei ihm die Entschädigung eingeklagt wird. Wolf: „Das kann fünfstellige Summen kosten.“

Die Liste der anerkannten Berufskrankheiten reicht von Erkrankungen durch Schwermetalle wie Blei, Quecksilber, Chrom oder Mangan über Staublungenerkrankungen, Erkrankungen der Zähne durch Säuren, Schwerhörigkeit durch Lärm bis hin zu Infektionskrankheiten. Wirbelsäulenerkrankungen durch das Heben und Tragen von Lasten sind jedoch nicht als Berufskrankheit anerkannt. Wolf: „Die Differenzierung zur altersbedingten Überlastung ist zu schwierig.“ Liegt eine Berufskrankheit vor, die vom Gutachter bestätigt wurde, wird der Betroffene entschädigt und auf Kosten der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) umgeschult oder ein neuer Arbeitsbereich in der Firma gesucht.

Christian Wolf, Gustav Schneider, Gabriele Gerstl-Fladerer (Hrsg.): Berufskrankheiten – Handbuch für die rechtliche und medizinische Praxis. (Jan Sramek Verlag 2012, ISBN 978-3-902638-68-7).

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