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Angiologie 12. Juni 2008

Feinstaub macht die Venen dicht

Menschen, die in stark mit Feinstaub belasteten Gebieten wohnen, tragen ein erhöhtes Risiko für das Entstehen von tiefen Beinvenenthrombosen und Blutgerinnseln. Dies fanden Forscher der Harvard Medical School heraus, wie in der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine (2008; 168(9):920-927) berichtet wird. Andrea Baccarelli und seine Kollegen analysierten dazu die Auswirkungen von Feinstaub auf den Gesundheitszustand von rund 2.000 in der Lombardei lebenden Patienten, von denen 870 eine tiefe Venenthrombose ausgebildet hatten. Blutgerinnsel, die in den Beinen entstehen, können über die Blutbahnen auch in die Lungen gelangen und dort zu einer gefährlichen Embolie führen.
Für seine Studie hatte das Forscherteam die Patienten in neun geographische Regionen – basierend auf deren Wohnort – eingeteilt und mit Hilfe der aufgezeichneten Feinstaubwerte die Belastungen im Jahr vor der Diagnose oder den Untersuchungen eingeschätzt. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die an einer tiefen Venenthrombose litten, zuvor einer höheren Feinstaubbelastung ausgesetzt waren als die Kontrollgruppe. Insgesamt wurden in der Studie 2.080 Personen berücksichtigt, 870 davon in der Testgruppe und 1.210 in der Kontrollgruppe. Aus den Beobachtungen folgerten die Wissenschaftler, dass jeder Anstieg der Feinstaubkonzentration um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter im vorhergehenden Jahr eine Erhöhung des Thromboserisikos um 70 Prozent zur Folge hatte. Zudem sei das Blut der Patienten mit höherer Feinstaubbelastung in klinischen Tests generell schneller verklumpt.
Als Hauptquellen von anthropogenem – also durch menschliche Hand verursachten – Feinstaub gelten die Industrie, der Straßenverkehr, aber auch die privaten Haushalte. Die EU-Feinstaub-Richtlinie liegt derzeit bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, die an höchstens 35 Tagen im Jahr überschritten werden dürfen. Eine dauerhafte Gesundheitsgefährdung sieht die WHO aber schon bei 10 Mikrogramm gegeben.

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