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Angiologie 20. September 2007

Hypertonie und die Gefäße

Die Häufigkeit der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) nimmt mit dem Alter deutlich zu. Nicht selten ist die Erkrankung mit Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße oder der zerebralen Arterien kombiniert. Dadurch haben die Patienten ein stark erhöhtes Herzinfarkt- oder Schlaganfall­risiko und eine reduzierte Lebens­erwartung.

Wie der Angiologe Doz. Dr. Reinhold Katzenschlager vom Wiener Hanusch-Krankenhaus auf dem 3. Kardiovaskulären Symposium Anfang dieses Jahres erläuterte, wird zwischen akuter und chronischer PAVK, obstruktiver und dilatativer Form sowie zwischen Verschlusskrankheiten der oberen und der unteren Extremität unterschieden.
Im klinischen Alltag hat sich eine leichte Modifikation der klassischen Stadieneinteilung der PAVK nach Fontaine bewährt. „Im Allgemeinen kann man dabei sagen, dass Patienten mit Stadium IIa im Alltag nicht beeinträchtigt sind, was im Stadium IIb sehr wohl der Fall ist“, so Katzenschlager.
Häufigste Ursache für eine PAVK ist die Atherosklerose, bei jüngeren Patienten stehen auch andere Ursachen im Vordergrund wie Vaskulitiden, Embolien, Traumata, selten auch die zystische Adventitia-Degeneration und das Popliteal-Entrapment-Syndrom. Die Hypertonie ist zwar nicht der Hauptrisikofaktor, spielt aber vor allem bei der dilatativen Form der PAVK eine sehr wichtige Rolle. Katzenschlager: „Praktisch alle unsere Aneurysma-Patienten leiden unter Hypertonie. Und dass ein niedriger Blutdruck für die Gefäße von Vorteil ist, kann man sehr schön bei Rauchern mit einer Stenosierung oder Verschlüssen der Beckenarterien beobachten: Unterhalb der Stenose befinden sich die Gefäße in einem beinahe jungfräulichen Zustand.“

Signifikante Zunahme

Dilatative Angiopathien haben in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Katzenschlager: „Von einem Aneurysma der Aorta thorakalis bzw. abdominalis spricht man dann, wenn der Durchmesser der Ausweitung mehr als drei Zentimeter beträgt. Ab einem Durchmesser von sechs Zentimeter muss bei einem Aneurysma der Aorta thorakalis interveniert werden, im Abdominalbereich ab einem Durchmesser von 5,5 Zentimeter oder wenn der Durchmesser seit der letzten Kontrolle (erfolgt halbjährlich) um mehr als 0,5 Zentimeter zugenommen hat.“
Im Fall eines Beckenarterien-Aneurysmas ist die Rupturgefahr hoch, wie der Gefäßspezialist erläuterte: bis zu 33 Prozent. Kommt es zu einer Ruptur, herrscht „Feuer am Dach“, die Patienten können äußerst rasch verbluten. „Klinisch ist ein Beckenarterien-Aneurysma schwer zu erkennen, eventuell ist ein lokaler Unterbauchschmerz vorhanden oder es findet sich (bei schlanken Patienten) eine pulsierende Schwellung im Unterbauch bzw. in der Leistengegend“, sagt Katzenschlager.
Bei einem Aneurysma der A. poplitea könnten die Patienten – aufgrund des Widerlagers – nicht verbluten, hier bestehe allerdings die Gefahr einer peripheren Embolie bzw. lokalen Thrombose. Bei älteren Patienten könne es vorkommen, dass das Legen eines Bypasses nicht mehr möglich ist. Alternativen sind Antikoagulation oder flexible Stents. „Allerdings liegen zum Einsatz flexibler Stents bisher nur Fallberichte vor“, sagt Katzenschlager. Was die Pharmakotherapie bei Patienten mit PAVK betrifft, haben sich Statine, Betablocker, ASS und ACE-Hemmer als mortalitätsreduzierend erwiesen. „Wichtig ist, einen Zielblutdruck von 120/80 mm Hg – außer bei kritischer Ischämie – anzustreben“, so der Experte.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 38/2007

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