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Angiologie 10. Mai 2007

Vaskulär bedingte Schmerzen

Der Ischämieschmerz kann – mit Ausnahme des Gehirns – jedes Organ betreffen und dadurch gewebspezifische Symptome auslösen. Abhilfe schaffen Operation oder Stent.

Spricht man über den Ischämieschmerz bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, so muss zunächst zwischen oberen und unteren Extremitäten unterschieden werden. Der typische Ischämieschmerz der unteren Extremität beginnt als krampfartiges Gefühl in der Wade, im Oberschenkel oder im Becken bei längerem Gehen, das den betroffenen Menschen zum Stehenbleiben zwingt; wir sprechen dann von der Claudicatio intermittens, der so genannten Schaufensterkrankheit. Ursache hierfür ist eine in Ruhe zwar noch ausreichende, bei stärkerer Belastung jedoch bereits ungenügende Blutversorgung der jeweiligen Extremität. Durch den Sauerstoffmangel entstehen Stoffwechselabbauprodukte, die den typischen Ischämieschmerz hervorrufen. Bei fortgeschrittenen Stadien besteht dieser bereits in Ruhe, in weiterer Folge kann es zu einem teilweisen Absterben der Extremität kommen. Im Normalfall wird der Mechanismus durch Bagatelltraumen ausgelöst, die dann nicht mehr abheilen. Der Grund ist eine durch Arteriosklerose verur­sachte Stenose oder eben ein Verschluss der arteriellen Becken- oder Beinstrombahn.

Arterielle Flussumkehr

Auch in den oberen Extremitäten kann dieses Krankheitsbildes nach demselben Mechanismus auftreten, die Inzidenz ist jedoch weitaus geringer. Hier sei auch das Subclavian-steal Syndrom genannt, das durch eine Flussumkehr in der A. vertebralis bei proximalen Verschluss der ipsilateralen A. subclavia auftritt. Bei jungen Menschen können Ischämieschmerzen der oberen Extremitäten durch ein neurovaskuläres Kompressionssyndrom, das durch die erste Rippe oder eine zusätzliche Halsrippe bedingt ist, auftreten, wir sprechen hier von einem sogenannten Thoracic-outlet Syndrom, dessen Therapie, je nach nachdem, in der Entfernung der ersten Rippe oder eben der zusätzlichen Halsrippe besteht. Eine weitere Schmerzursache, die sowohl untere als auch obere Extremitäten treffen kann, ist das Auftreten funktioneller Verengungen des Gefäßsystems – das bekannteste Syndrom dieser Gruppe ist das Raynaud-Syndrom. Die Therapie der Wahl stellen hier interventionelle schmerztherapeutische Ansätze im Sinne von Nervenblockaden dar.

pAVK gut therapierbar

In jedem Fall stellt die periphere arterielle Verschlusskrankheit die häufigste Ursache (weit mehr als 90 Prozent!) für den Ischämieschmerz dar. Sie ist in jedem Stadium gut behandelbar, naturgemäß sind die Aussichten auf einen dauerhaften Erfolg höher, je früher die Therapie beginnt. In einer einfachen klinischen Untersuchung kann der Gefäßspezialist durch Palpation der Arm- und Fußpulse eine erste Auskunft darüber geben, ob es sich um ein Durchblutungsproblem handelt oder ob die Schmerzursache im orthopädischen bzw. neurologischen Bereich zu suchen ist. In weiterer Folge können bei nun erhärtetem Verdacht auf ein Durchblutungsproblem Folgeuntersuchungen durchgeführt werden, die keinen stationären Aufenthalt erfordern, in erster Linie sind das die Angio-Magnetresonanztomographie und die Angio-Computertomographie. Durch diese beiden Untersuchungen kann dann auch in den meisten Fällen bereits definiert werden, ob sich die Verengung oder der Verschluss durch eine Dehnung mit Stentimplantation beheben lässt oder ob eine durchblutungsfördernde Operation den dauerhafteren Erfolg gewährleisten kann. Eine intraarterielle Angiographie zur Primärdiagnostik ist nur noch in den seltensten Fällen notwendig. In jedem Fall ist es ratsam, ab dem 60. und bei bestehenden Risikofaktoren schon ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich einen Gefäßspezialisten aufzusuchen, um eine Vorsorgeuntersuchung durchzuführen, da viele gesundheitliche Probleme des Lebens, die mit Gefäßerkrankungen verbunden sind, schon im Vorfeld erkannt und damit auch erfolgreich gelöst werden können.

Czerny, Ärzte Woche

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