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Das Vorliegen einer pAVK ist ein hochsensitiver Indikator für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität.
 
Angiologie 27. April 2015

Keine Symptome - volles Risiko

Die asymptomatische pAVK wird oft unterschätzt: Klassische Risikofaktoren legen aber den Verdacht nahe und ermöglichen Gegenmaßnahmen

Eine alternde Bevölkerung, ein anhaltend hoher Zigarettenkonsum und steigende Raten an Diabeteserkrankungen, Bluthochdruck und Übergewicht lassen vermuten, dass die Verbreitung von peripheren Durchblutungsstörungen bis zu peripher arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) in naher Zukunft weiter zunehmen wird.

Die Gesamtprävalenz der pAVK liegt zwischen drei und zehn Prozent, wobei sie ab einem Alter von 70 Jahren auf 15 bis 20 Prozent ansteigt. Häufig ist die Erkrankung asymptomatisch und sie ist daher weiterhin unterschätzt, sowohl was ihre Häufigkeit aber auch was ihre Gefährlichkeit betrifft. Mehrere Risikofaktoren können als Verdachtsmomente für das Vorliegen einer pAVK herangezogen werden und können gleichzeitig Ansatzpunkt für eine Risikoreduktion sein.

Weltweit werden es immer mehr Patienten, die von pAVK betroffen sind – in den industrialisierten, ebenso wie in den Schwellenländern. Lipidstoffwechselstörungen, Rauchen, Typ 2 Diabetes mellitus und arterielle Hypertonie gelten als Hauptrisikofaktoren für eine pAVK. Erhöhte Serum-Lipidstoffwechselparameter begünstigen die Entwicklung atherosklerotischer Läsionen, die zu einem Umbau der Arterienwand führen. Hohes LDL-Cholesterin und niedriges HDL-Cholesterin begünstigen die Veränderungen ebenso wie erhöhte Serumblutspiegel von Lipoprotein (a) und Trigylceriden, die unabhängige Risikofaktoren für die Entstehung einer pAVK darstellen.

Der gefährliche Risiko-Cocktail

Der negative Einfluss von Rauchen auf das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ist bekannt. „Menschen mit mittlerem und hohem Tabakkonsum sind besonders gefährdet, an einer pAVK zur erkranken“, berichtet Hoke. Starke Raucher haben demnach ein etwa dreifach erhöhtes Risiko, an einer pAVK zu erkranken als Nichtraucher, mittelstarke Raucher ein doppelt erhöhtes Risiko. Das erhöhte Risiko ergibt sich nicht zuletzt durch weitere Risikofaktoren, die bei Rauchern häufig zu beobachten sind, wie höhere systolische Blutdruckwerte, erhöhte LDL-Cholesterin Werte, erhöhte Plasma-Triglycerid-Konzentrationen, erhöhte Fibrinogenspiegel und eine ebenfalls erhöhte Blut-Viskosität. Raucher sind Studien zufolge stärker gefährdet an einer pAVK zu erkranken als an koronarer Herzerkrankung.

Zu den vielfältigen Komplikationen, die mit Diabetes mellitus in Zusammenhang stehen, stellen periphere Makro- und Mikroangiopathien den relevantesten Risikofaktor dar, an einer pAVK zu erkranken. Das Risiko ist bei Diabetikern tatsächlich um das Zwei- bis Vierfache erhöht und Diabetes ist, so Hoke, auch ein wichtiger Prädiktor für das Fortschreiten einer pAVK. Umgekehrt ist das Vorliegen einer pAVK ein hochsensitiver Indikator für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität nicht nur bei Diabetespatienten. Sie wird als Markererkrankung für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität betrachtet.

Die Kombination von Rauchen und Diabetes führt zu einem zusätzlich erhöhten Risiko für einen Extremitätenverlust. Ebenso ist die arterielle Hypertonie ein Risikofaktor für das Auftreten von Gefäßerkrankungen mit einem bis zu vierfach erhöhten Risiko für eine symptomatische pAVK. Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck führt zu einem sukzessiven Umbau des Gefäßsystems. Um das Risiko für pAVK bzw. kardiovaskuläre Ereignisse zu minimieren, sollte daher auch der Blutdruck optimal eingestellt werden.

In den vergangenen Jahren wurde im Rahmen von Forschungen festgestellt, dass Atherosklerose auch als entzündlicher Prozess anzusehen ist. So können chronisch erhöhtes C-reaktives Protein oder Fibrinogen als Entzündungsparameter auf ein erhöhtes Risiko für pAVK hinweisen. Weitere Risikofaktoren sind zunehmendes Alter und das Vorliegen von Nierenleiden bzw. chronischer Niereninsuffizienz.

Da sowohl Patienten mit asymptomatischer als auch mit symptomatischer pAVK eine signifikant erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität aufweisen, wäre eine Erkennung bereits im asymptomatischen Stadium von großer Wichtigkeit, um die Risikofaktoren entsprechend zu reduzieren. Die Society for Vascular Surgery empfiehlt jedenfalls sowohl im asymptomatischen Stadium als auch bei Claudicatio Intermittens die Beeinflussung der Risikofaktoren durch Lebensstilmaßnahmen wie Nikotinabstinenz und Bewegung. Da die Bedeutung der pAVK allerdings von Ärzten und Patienten unterschätzt wird, sind, so Lawall et al., Patienten mit PAVK sind hinsichtlich ihrer Risikofaktoren und Begleiterkrankungen unterbehandelt.

Quellen:

Lawall H. et al.; CARDIOVASC 2014; 14 (6)

Hoke M.: Risikofaktoren für pAVK; Wien. Klin. Wochenschr. Educ 1-4, 2014

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