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Angiologie 28. Februar 2014

Antikörper hemmt Hageman-Faktor

Neue Methode der Blutverdünnung ohne erhöhte Blutungsneigung.

Die medikamentöse Blutverdünnung zur Gerinnungshemmung ist eine der wichtigsten medizinischen Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von Durchblutungsstörungen. Ein Forscherteam am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat nun im Labor zusammen mit Wissenschaftlern aus dem Stockholmer Karolinska Institut erstmals eine neue Art der Gerinnungshemmung entwickelt, die im Gegensatz zu den bisher klinisch eingesetzten Substanzen keine Blutungskomplikationen aufweist.

„Bislang verwendete Substanzen wie Heparin, die neuen oralen Antikoagulanzien oder das klassische Marcumar sind mit einem Risiko für die Patienten verbunden. Sie beeinträchtigen im Verletzungsfall die Blutgerinnung, sodass lebensgefährliche Blutverluste die Folge sein können“, erläutert Prof. Dr. Dr. Thomas Renné, Direktor des Instituts für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des UKE. Aus diesem Grund müssen auch häufig Patienten, die Marcumar nehmen und sich einer geplanten Operation unterziehen, zur Vermeidung von Komplikationen mehrere Tage vor dem OP-Termin den Blutverdünner absetzen.

Jetzt konnten die Wissenschaftler mit dem Antikörper mit der Bezeichnung 3F7 erstmals einen Wirkstoff identifizieren und herstellen, der Thrombosen verhindert, ohne dabei die Blutungsneigung zu erhöhen. Renné: „Dieser Antikörper blockiert das Enzym Faktor XII, den so genannten Hageman-Faktor. Dieses Enzym ist mitverantwortlich für die Entstehung von Thrombosen, spielt aber offenbar keine wichtige Rolle bei den Blutgerinnungsprozessen.“ Menschen, denen Faktor XII fehlt, haben eine völlig normale Blutstillung bei Verletzungen.

Das Forscherteam konnte nachweisen, dass der Antikörper direkt an das aktive Zentrum des Enzyms andockt und es sehr spezifisch blockiert. Laboruntersuchungen und Tests zur klinischen Anwendbarkeit, etwa in Herz-Lungen-Maschinen, verliefen erfolgreich.

„Die Gabe von 3F7 verhindert effektiv das Entstehen neuer Thrombosen; gleichzeitig steigt das Risiko von Blutungen nicht an“, erläutert Renné. Sollten die kommenden Forschungen und die sich anschließenden klinischen Prüfungen weiterhin so vielversprechend verlaufen, hofft Renné, dass in fünf bis zehn Jahren entsprechende Medikamente auf den Markt kommen, die zur risikoarmen Vorbeugung von Schlaganfällen und Herzinfarkten eingesetzt werden können.

Originalpublikation: Larsson M et al.: A Factor XIIa Inhibitory Antibody Provides Thromboprotection in Extracorporeal Circulation Without Increasing Bleeding Risk; Sci Transl Med 2014; online 5. Februar

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