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So sinnvoll sie in der Prophylaxe tiefer Beinvenenthrombosen sind: Ein postthrombotisches Syndrom lässt sich mit Kompressionsstrümpfen nicht verhindern.
 
Angiologie 16. Dezember 2013

Kompressionsstrümpfe

Kein Schutz vor postthrombotischem Syndrom.

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind in der Prophylaxe eines postthrombotischen Syndroms möglicherweise nutzlos. In einer großen randomisierten Studie aus Kanada ergab sich keinerlei Vorteil gegenüber Placebo.

Ein postthrombotisches Syndrom (PTS) nach einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) ist ein relativ häufiges Phänomen: Zwischen 20 und 50 Prozent der TVT-Patienten entwickeln die charakteristischen Symptome, die von Schwellungen und Schmerzen bis hin zu Beinulzera reichen können. Zur Vermeidung wird häufig das langfristige Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen propagiert. Diese sollen den venösen Hochdruck und den Reflux in den Beinvenen mindern – beide gelten als wichtige Faktoren für die PTS-Entstehung.

Minimaler Unterschied zur Placebo-Gruppe

Eine Studie aus Kanada sorgt nun für Ernüchterung. Die Autoren hatten 410 Patienten innerhalb von zwei Wochen nach einer TVT-Diagnose mit „echten“ Kompressionsstrümpfen (30 bis 40 mmHg) versorgt und den Effekt mit einer Gruppe aus 396 entsprechenden Patienten verglichen, die ein Placebo-Produkt ohne komprimierende Wirkung (< 5 mmHg) erhalten hatten. Der Unterschied war minimal: Nach zwei Jahren hatten 14,2 Prozent in der aktiven Gruppe und 12,7 Prozent in der Placebo-Gruppe ein PTS, definiert nach den Ginsberg-Kriterien, entwickelt. Gemäß Ginsberg liegt bei folgenden Symptomen ein PTS vor: Schwellungen und Schmerzen, die mindestens einen Monat anhalten und sich typischerweise abends oder nach längerem Sitzen verschlimmern bzw. nach längerem Liegen mit hochgelagerten Beinen bessern.

Auch beim sekundären Endpunkt, der PTS-Inzidenz und Schwere nach Villalta, zeigte sich kein Vorteil. Bewertet werden dabei klinische Zeichen wie Ödeme, Hyperpigmentierungen, Rötungen sowie Schmerzen, Krämpfe, schwere Beine und Jucken. Einen Gesamtscore von 5 bis 9, also eine leichte PTS, zeigten 33 Prozent in der aktiven und 32 Prozent in der Placebo-Gruppe. Zu schweren Formen, also einem Villalta-Score von mindestens 14, war es in der aktiven Gruppe sogar häufiger gekommen (7,5% gegenüber 5,8%).

Auch kein Schutz vor Rezidiven?

Die Strümpfe hatten auch nichts für die Lebensqualität der Patienten gebracht, berichten die Autoren um Dr. Susan R. Kahn von der McGill University in Montreal weiter. Vor allem konnten weder TVT-Rezidive noch Beingeschwüre damit verhindert werden, und auch der Anteil der im Beobachtungszeitraum verstorbenen Patienten unterschied sich nur geringfügig (8,8% gegenüber 9,1%).

Dabei hatten die Patienten die Maßnahme relativ gut mitgemacht: Insgesamt hatten über 96 Prozent die Strümpfe regelmäßig getragen, zumindest im ersten Monat. Die Compliance war innerhalb eines Jahres zwar deutlich zurückgegangen; dies war aber in beiden Gruppen gleichermaßen der Fall.

Kahn und Kollegen raten davon ab, Patienten nach einer Thrombose routinemäßig Kompressionsstrümpfe zu verschreiben. Auch wenn frühere kleinere Studien ohne Vergleichsgruppen das Gegenteil gezeigt hätten: Die jetzige multizentrische und placebokontrollierte Studie lege nahe, dass diese Maßnahme zur Prophylaxe eines postthrombotischen Syndroms ungeeignet sei.

Literatur:

Kahn SR et al. Compression stockings to prevent post-thrombotic syndrome: a randomised placebo-controlled trial. Lancet 2013, online 6. Dezember

springermedizin.de/eo, springermedizin.at

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