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Nicht immer sind es interessante Schaufenster, weswegen Menschen davor stehenbleiben.
 
Angiologie 2. August 2013

Mehr als 200 Millionen Menschen mit Schaufenster-Krankheit

Lancet-Studie - Rasanter Anstieg der Fälle von Atherosklerose der peripheren Arterien.

Gefäßverkalkung (Atherosklerose) ist die Hauptursache für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Doch einer anderen Form der Erkrankung - vor allem die periphere Verschlusskrankheit von Beinarterien ("Schaufenster-Krankheit") - wurde bisher weit weniger Aufmerksamkeit zuteil. Der britische Epidemiologe Gerry Fowkes (Universität Edinburgh) hat jetzt berechnet, dass weltweit bereits 202 Millionen Menschen daran leiden (2010) und die Häufigkeit sehr schnell zunimmt.



"Die Zahl der Menschen mit peripherer Arterienerkrankung (PAD) hat sich in zehn Jahren um 23,5 Prozent dramatisch erhöht. Von 164 Millionen Betroffenen im Jahr 2000 auf 202 Millionen Personen im Jahr 2010", heißt es zur neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift The Lancet. Die Mehrheit der Betroffenen - 70 Prozent oder 140,8 Millionen Personen - lebe bereits in den Ländern mit niedrigem oder mittlerem Bruttonationalprodukt. Auch das spricht für eine immer größere Verbreitung von "Zivilisationskrankheiten" in den ärmeren Weltregionen. In Europa waren demnach im Jahr 2010 rund 40,5 Millionen Personen betroffen, der Anstieg seit dem Jahr 2000 hatte etwa 13 Prozent betragen.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit äußert sich vor allem in Gefäßverengungen in den Beinen. Die Betroffenen können nur schlecht gehen, sind in ihrer Mobilität wegen der auftretenden Schmerzen stark eingeschränkt (sie bleiben auf der Straße stehen - "Schaufenster-Krankheit"). Wie bei allen Atherosklerose-Schäden sind Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und hohes Cholesterin die größten Risikofaktoren. Neben der Gefahr der Amputation von Gliedmaßen steigt für die Betroffenen die Herz-Kreislauf-Gefahr (Infarkt, Schlaganfall) auf das Dreifache.

Der Lancet: "Die größere Lebenserwartung ist gemeinsam mit dem sich ändernden Lebensstil der treibende Faktor für die Häufigkeit der Erkrankung. In der Gruppe der mehr als 80-Jährigen hat sich die Zahl der Patienten um 35 Prozent erhöht, derzeit ist bereits einer von zehn über 70-Jährigen und einer von sechs der über 80-Jährigen betroffen."

Neben der Prävention wäre auch die Früherkennung wichtig. Das könnte zum Beispiel relativ einfach durch die Berechnung eines Index aus der Blutdruckdifferenz zwischen Knöchel und Oberarm erfolgen. Doch das wird noch offenbar noch viel zu selten durchgeführt. Es sei Zeit zum Handeln, stellen Fowkes und seine Co-Autoren fest.

Literatur:

Fowkes et al.: Comparison of global estimates of prevalence and risk factors for peripheral artery disease in 2000 and 2010: a systematic review and analysis,  The Lancet, Early Online Publication, 1 August 2013 doi:10.1016/S0140-6736(13)61249-0


 

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