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Gutes und böses Cholesterin?
 
Angiologie 3. Juli 2013

Ruf als Schutzengel in Gefahr

HDL-Cholesterin ist offenbar doch nicht so „gut“ wie allseits vermutet. Hohe HDL-Spiegel erwiesen sich in einer neuen Studie alles andere als vorbeugend.

Bis vor Kurzem galt für die Lipidtherapie die einfache Formel: Das „böse“ LDL-Cholesterin muss runter, das „gute“ HDL-Cholesterin muss rauf. Die Wertschätzung des HDL-Cholesterins beruht auf der Beobachtung, dass es für gesunde Menschen gut ist, einen hohen HDL-Cholesterinspiegel zu haben. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, im späteren Leben eine kardiovaskuläre Erkrankung zu entwickeln. In experimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass HDL vasoprotektive Eigenschaften besitzen und atherosklerotischen Ablagerungen entgegenwirken.

Von dieser positiven Seite zeigen sich HDL aber anscheinend nur bei Gesunden. Bei Patienten mit Diabetes oder Koronarerkrankung zeichnet die neueste Forschung dagegen ein ganz anderes Bild. Auch eine aktuelle retrospektive Studie an 1.548 konsekutiven KHK-Patienten liefert dafür neue Anhaltspunkte: In der Gruppe mit hohen HDL-Werten wurden am Ende des Nachbeobachtungszeitraums von 32 Monaten 44 Todesfälle (8,8 Prozent) verzeichnet, im Vergleich zu 36 Todesfällen (7,2 Prozent) bei Patienten mit niedrigen HDL-Werten – numerisch also sogar ein Vorteil zugunsten der niedrigen HDL-Spiegel.

Der Unterschied erreichte Signifikanz, als alle schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse bei der Analyse berücksichtigt wurden. Die Ereignisrate lag in diesem Fall bei 32,9 Prozent bei hohem HDL und 23,9 Prozent mit niedrigem HDL.

Höhere HDL-Spiegel wirken sich bei Patienten nach Bypass-Operation also keineswegs protektiv aus. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die normale Funktion des HDL-Cholesterins in dieser klinischen Situation eingeschränkt ist.

Angeloni E et al.: Eur Heart J 2013; online May 22

springermedizin.de/ob, Ärzte Woche 27/2013

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