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© Oskar Höher / imago
Gemächliches Gehen hat auch eine heilsame Wirkung auf den Lipidstoffwechsel.
 
Angiologie 30. Mai 2012

Pilgerreise für das Cholesterin

Langsames Wandern senkt stärker das LDL als schnelles Gehen.

Heilkräfte einer Wallfahrt sind auch wissenschaftlich bezeugt: Beim Cholesterinspiegel hängt die segensreiche Wirkung davon ab, wie schnell der Pilger seinem Ziel zustrebt.

 

Schnell ausschreitende Pilger dürfen sich einen stärkeren Anstieg ihres HDL-Cholesterins erhoffen als ihre Wegbegleiter, die gemächlicher unterwegs sind. Der Lohn der Langsamkeit ist dafür eine deutlichere Absenkung des LDL-Cholesterin-Spiegels. Das hat eine Studie ergeben, für die 29 gesunde Personen 280 km auf dem Pilgerpfad nach Santiago de Compostela zurücklegten. Die zwischen 40 und 70 Jahre alten Pilger waren alle zwölf Tage auf der Strecke, die schnellere Gruppe (n = 15) mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,6 km/h, die langsamere mit 4,1 km/h. Jeden zweiten Tag waren Blutproben genommen worden.

Alle Studienteilnehmer, das hat eine frühere Auswertung gezeigt, hatten dank der Pilgerfahrt (zumindest vorübergehend) ein günstigeres kardiovaskuläres Risikoprofil. Gewicht, LDL- und Gesamt-Cholesterin, Triglyzeride und Blutdruck waren zurückgegangen, das HDL-Cholesterin hatte zugenommen. Wie eilig es die Pilger hatten, spielte für die meisten dieser Effekte keine Rolle – mit Ausnahme eben des Cholesterinspiegels. Bei den hurtigen Gehern war das HDL-Cholesterin am Ende des Weges um 0,20 mmol/l (7,7 mg/dl) mehr angestiegen, bei den geruhsameren Wanderern war das LDL-Cholesterin um 0,5 mmol/l (19,2 mg/dl) tiefer gesunken. Eine Verbesserung der Cholesterinspiegel war schon nach wenigen Tagen festzustellen gewesen.

Sport mit niedrigerer Intensität besser für das LDL-Cholesterin?

Die Studienautoren warnen vor voreiligen Verallgemeinerungen ihrer Beobachtungen. Zwar habe in ihrer Untersuchung gezeigt, dass langsameres Gehen das LDL-Cholesterin stärker senken kann, das Ergebnis sei jedoch mit einer kleinen Probandenzahl und langen Phasen körperlicher Aktivität erzielt worden. Es könne daher nicht einfach auf kürzere „Trainingseinheiten“ oder andere Formen von körperlicher Aktivität übertragen werden. Dem Risiko, an einer KHK oder einem Diabetes zu erkranken, lässt sich anderen Studien zufolge besser durch ein höheres Gehtempo vorbeugen.

Quelle: springermedizin.de/bs

 

Originalpublikation:

Bemelmans RHH et al.

The relationship between walking speed and changes in cardiovascular risk factors during a 12-day walking tour to Santiago de Compostela: a cohort study. BMJ Open 2012;2:e000875. doi:10.1136/bmjopen-2012-000875

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