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© Piotr Marcinski / shutterstoc
Abdominalschmerz und Gewichtsverlust können Zeichen einer chronischen intestinalen Durchblutungsstörung sein.
 
Angiologie 23. Mai 2012

Blockierte Gefäße im Abdomen vor allem bei Frauen?

Bei Patienten mit viszeralen Durchblutungsstörungen auf atherosklerotische Risikofaktoren achten.

Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes und Übergewicht gehören bekanntlich zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung atherosklerotischer Gefäßkrankheiten. Bei Patienten mit chronischer viszeraler Durchblutungsstörung ist das einer aktuellen kleinen Studie zufolge offenbar etwas anders: Bei ihnen kommen diese Risikofaktoren deutlich seltener vor. Auffallend ist zudem, dass in der Studie der Anteil von Frauen mit chronischen viszeralen Durchblutungsstörungen ungewöhnlich hoch war. Er lag bei 74 Prozent.

Bisher sei das kardiovaskuläre Risikoprofil bei Patienten mit symptomatischer chronischer viszeraler Durchblutungsstörung noch nicht bestimmt worden, so Dr. Renzo P. Veenstra und seine Kollegen von der Universität Groningen. Deshalb analysierten die Gastroenterologen zwischen 2005 und 2007 prospektiv die Daten von fast 380 Patienten mit chronischer gastrointestinaler Ischämie aufgrund einer Atherosklerose (Veenstra RP et al., The Cardiovascular Risk Profile of Atherosclerotic Gastrointestinal Ischemia Is Different from Other Vascular Beds. Am J Med 2012; 125/4: 394–398).

Patienten dieser Gruppe mussten außer den typischen Symptomen wie Abdominalschmerz und Gewichtsverlust hochgradige Stenosen (> 70%) in mindestens einer Abdominalarterie haben sowie pathologische Werte bei der Messung der gastrointestinalen Durchblutungsstörung mit Hilfe der Tonometrie aufweisen.

Der älteste Studienteilnehmer war 83 Jahre alt

Für die Auswertung standen die Daten von 90 Patienten zur Verfügung. Die Studienteilnehmer waren im Mittel 63 Jahre alt (28 bis 86 Jahre), 67 (74 Prozent) von ihnen waren Frauen. 49 Prozent hatten eine Hypercholesterinämie, 58 Prozent eine Hypertonie und 17 Prozent Diabetes. Atherosklerotische Veränderungen in den peripheren (bei 34 Prozent der Patienten) und koronaren (bei 33 Prozent) Gefäßen waren am häufigsten. Nur ein Gefäß war bei 28 Patienten von der hochgradig eingeschränkten Durchblutung betroffen, bei 62 Patienten waren es mehrere Gefäße.

Nach Angaben von Veenstra und seinen Kollegen unterschied sich das atherosklerotische Risikoprofil der Patienten in der Studie von dem Profil sowohl bei Patienten mit arteriellen Thrombosen als auch bei Patienten mit Atherosklerose. Am auffallendsten ist, dass der Anteil der Frauen mit 74 Prozent bei Patienten mit chronischer viszeraler Durchblutungsstörung sehr hoch war im Vergleich zu den 30 bis 40 Prozent in den anderen beiden Gruppen. Allerdings waren die Teilnehmerinnen im Schnitt 16 Jahre älter als die teilnehmenden Männer.

Auffallend wenige Übergewichtige

Schließlich war in der Studie der Anteil der Patienten mit Übergewicht auffallend gering. Er lag bei nur etwa 20 Prozent. In den Vergleichsgruppen lag dieser Anteil dagegen zwischen 70 und 80 Prozent. Die niederländischen Gastroenterologen erklären sich den geringeren Anteil der Übergewichtigen mit der reduzierten Kalorienaufnahme bei Patienten mit chronischer viszeraler Durchblutungsstörung. Denn die meisten Patienten berichteten über postprandiale Schmerzen, die sie dazu verleiteten, weniger zu essen und auf kleinere und leichter verdauliche Mahlzeiten auszuweichen. Dies sei wohl auch der Grund für die niedrigere Prävalenz der Hypercholesterinämie und des Diabetes mellitus bei diesen Patienten.

Auf Risikofaktoren achten

Die niederländischen Gastroenterologen erinnern daran, bei erfolgreich behandelten Patienten mit chronischer viszeraler Durchblutungsstörung auf die bekannten atherosklerotischen Risikofaktoren zu achten. Denn durch die Behandlung würde sich die Kalorienaufnahme wieder normalisieren, was atherosklerotische Veränderungen fördern oder sogar beschleunigen könnte.

springermedizin.de/ple
, Ärzte Woche 21 /2012

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