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Foto: pressefotos.at / Peter Fichtinger
Prof. Dr. Ernst Pilger Klinische Abteilung für Angiologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin, MedUni Graz
 
Angiologie 4. März 2009

PAVK-Symptome werden häufig übersehen

Aktion „Durchblutung ist Leben“ will Ärzte und Patienten aufrütteln.

Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung in westlichen Industrieländern leiden unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Die zunächst harmlos scheinenden Symptome werden vom Großteil der Betroffenen nicht ernst genommen und die Diagnose dadurch verzögert. Die Aktion „Durchblutung ist Leben“ der Österreichischen Gesellschaften für Angiologie, für Internistische Angiologie und für Gefäßmedizin soll das Bewusstsein in der Öffentlichkeit erhöhen. Eine Umfrage unter Patienten und Ärzten, die kürzlich in Wien präsentiert wurde, zeigt: Der Aufklärungsbedarf ist beträchtlich (siehe Kasten).

PAVK schränkt nicht nur die Mobilität der Betroffenen ein, sondern stellt auch ein hohes Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse dar. Unbehandelt steigt die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, um das Dreifache, das Risiko für Schlaganfälle auf das Vierfache. Die Lebenserwartung ist dadurch stark eingeschränkt. „Die Diagnose kann früh erfolgen. Dies ist jedoch in den meisten Fällen nicht der Fall“, betont Prof. Dr. Ernst Pilger von der MedUni Graz. „Nur ein Drittel der Patienten geht wegen der Beschwerden zum Arzt. Die Symptome sind im Anfangsstadium unauffällig, erst in Phase II kommt es zu den typischen Beschwerden: kalte Füße, Schmerzen in den Beinen schon auf kurzen Strecken und muskelkaterähnliche Schmerzen im Gesäß, die zur Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit) führen: Taubheit, Kribbeln, Schwächegefühl, Schmerzen oder Krämpfe in den Beinen zwingen zu Pausen. 99 Prozent der Fälle werden in diesem Stadium diagnostiziert.

Der Blutdruck im Fuß fällt

Zur Diagnose zählt neben der ausführlichen Anamnese die Messung des Ankle Brachial Index (ABI). Er vergleicht den systolischen Blutdruck im Armbereich mit jenem im Beinbereich und gibt so Aufschluss über eine eingeschränkte Durchblutung, verursacht durch atherosklerotische Gefäßveränderungen und Arterienverengungen. Betroffene und Personen mit Risikofaktoren (Rauchen, Diabetes mellitus, Übergewicht, hohes LDL-Cholesterin, hoher Blutdruck, Alter über 65, eine familiär vererbte Neigung) sollten im Rahmen der Gesundheitsvorsorge eine ABI-Messung durchführen lassen. Zwar kommt es auch unter Therapie bei 30 Prozent der Patienten in den ersten fünf Jahren zu einer Verschlechterung. Rechtzeitig diagnostiziert, bestehen jedoch gute Chancen, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Als wichtige Maßnahme bei der Behandlung gilt die Therapie vorhandener Grunderkrankungen und Risikofaktoren. Um der Bildung von Blutgerinnseln entgegenzuwirken und dem Entstehen von Herzinfarkten und Schlaganfällen vorzubeugen, werden unter anderem Thrombozyten-Funktionshemmer eingesetzt.

Kasten:
Arterien-Check zeigt Aufholbedarf
Eine Fragebogenaktion unter Nutzern der von sanofi-aventis und Bristol-Myers Squibb unterstützten Internetseite „Durchblutung ist Leben“ (www.durchblutungistleben.at) von www.netdoktor.at und bei Ärzten und Apothekern erhob anhand von elf Fragen ein eventuell erhöhtes Risiko für PAVK. Die Ergebnisse der mehr als 3.900 Teilnehmer bestätigen den Zusammenhang zwischen den bekannten PAVK-Risikofaktoren und einem gehäuften Auftreten von Beinschmerzen. Auch zeigte sich eine deutliche Assoziation zwischen Alter und dem Auftreten von Beinschmerzen. Eine Befragung bei Ärzten ergab, dass weniger als die Hälfte ihren Patienten die ABI-Messung anbieten, die von den Krankenkassen derzeit nicht honoriert wird. „Unser erklärtes Ziel für die Zukunft ist, Patienten mit PAVK zu identifizieren, bevor es zu schwerwiegenden und irreversiblen Schäden des Gefäßsystems kommt“, so Pilger. Breite Bewusstseinsbildung bei Patienten und Ärzten und die Aufnahme der ABI-Messung in den Honorarkatalog der Krankenkassen sollen dieses Vorhaben unterstützen.
Foto: pressefotos.at / Peter Fichtinger

Prof. Dr. Ernst Pilger Klinische Abteilung für Angiologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin, MedUni Graz

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