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Angiologie 13. Februar 2008

Hohes Risiko erfordert Prophylaxe

Mehr als die Hälfte aller stationär behandelten Patienten riskieren venöse thromboembolische Komplikationen (VTE), weshalb sichergestellt werden muss, dass dieses Risiko durch angemessene Prophylaxe gemindert wird, folgern die Autoren eines Artikels im aktuellen Lancet (2008; 371: 387). Die VTE ist eine verbreitete Komplikation von stationären Krankenhausaufenthalten. Eine Variante der VTE – die Lungenembolie – verursacht fünf bis zehn Prozent der Todesfälle bei stationären Patienten und ist somit die häufigste vermeidbare Todesursache. VTE verursacht mehr als 20-mal häufiger krankenhausinterne Todesfälle als Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus MRSA. Angemessene Maßnahmen beinhalten gerinnungshemmende Medikamente wie Heparine und Warfarin sowie mechanische Methoden wie apparative intermittierende Kompressionen (AIK) und Thromboseprophylaxestrümpfe.
Dr. Ander Cohen, Angiologe am King’s College London, Prof. Dr. Ajay Kakkar von der London School of Medicine and Dentistry und ihre Kollegen starteten die ENDORSE-Studie, um das VTE-Risiko bei Notaufnahmemaßnahmen zu bewerten und den Anteil der Risikopatienten zu bestimmen, die eine wirksame Prophylaxe erhielten.
Die Studie analysierte die Daten aller stationären Patienten in 358 Krankenhäusern aus 32 Ländern, die im Alter von 40 oder mehr Jahren einer Krankenstation und im Alter von 18 oder mehr Jahren der Chirurgie zugewiesen worden waren, und bewertete das VTE-Risiko der Patienten auf Basis der „Patientenkurve“. Die im Jahr 2004 herausgegebenen wissenschaftlich untermauerten Richtlinien des American College of Chest Physicians (ACCP) dienten der Bewertung des VTE-Risikos und der Feststellung, ob Patienten die empfohlene Prophylaxe erhielten.
Die Forscher stellten fest, dass von den 68.183 erfassten Patienten 30.827 (45 Prozent) der Chirurgie und 37.356 (55 Prozent) einer anderen Station zugewiesen worden waren. Anhand der ACCP-Kriterien hatten 35.329 Patienten (51,8 Prozent) ein VTE-Risiko, darunter 19.842 (64,4 Prozent) Chirurgiepatienten und 15.487 (41,5 Prozent) allgemeine Patienten. Von den risikobelasteten Chirurgiepatienten erhielten 11.613 (58,5 Prozent) eine ACCP-empfohlene VTE-Prophylaxe im Vergleich zu den 6.119 (39,5 Prozent) risikobelasteten allgemeinen Patienten.
Der Anteil der die ACCP-empfohlene VTE-Prophylaxe erhaltenden Patienten variierte zwar erheblich unter den 32 untersuchten Ländern, folgte jedoch nicht zwangsläufig einem fallenden Einkommensgradienten. Beispielsweise waren die Länder mit dem höchsten Anteil der eine Prophylaxe erhaltenden allgemeinen Risikopatienten Deutschland (70 Prozent), Spanien (64 Prozent) und Kolumbien (64 Prozent). Jene mit dem geringsten Anteil waren Bangladesh (drei Prozent), Thailand (vier Prozent) und Rumänien (18 Prozent). In dieser Kategorie lagen die USA bei 48 Prozent und Großbritannien bei nur 37 Prozent. Risikopatienten der Chirurgie wurden am besten wiederum in Deutschland (92 Prozent), Ungarn (87 Prozent) und nochmals Spanien (82 Prozent) versorgt; während wiederum Bangladesh und Thailand (beide 0,2 Prozent) sowie Pakistan (10 Prozent) das Schlusslicht bildeten. Großbritannien erreichte hier 74 Prozent und die USA 71 Prozent.
Die Autoren bemerken: „Die gesammelten Daten zeigen, dass weltweit mehr als die Hälfte aller stationären Patienten das Risiko einer VTE haben. Bei Chirurgiepatienten ist das Risiko höher als bei allgemeinen Patienten.“ Insbesondere betonen sie, dass „nur die Hälfte der Risikopatienten eine ACCP-empfohlene Prophylaxe erhielt.“
Die Autoren folgern: „Krankenhausinterne Strategien zur Bewertung des Patientenrisikos einer VTE sollten zusammen mit jenen Maßnahmen eingeführt werden, die sicherstellen, dass Risikopatienten eine angemessene VTE-Prophylaxe erhalten.“

Quelle: The Lancet

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