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Innere Medizin 14. Februar 2008

In der Pipeline:

Malaria ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Jahr für Jahr sterben mehr als eine Million Menschen am Wechselfieber, besonders in tropischen Regionen in Afrika und Südost-Asien. Eine neue Impfung soll bald Abhilfe schaffen. Für 80 Prozent der Malariainfektionen und 90 Prozent der Todesfälle ist ein einzelner Erregerstamm verantwortlich – Plasmodium falciparum. Bis heute gibt es keine Impfung gegen diesen Stamm. Und zwar deswegen, weil der Erreger einen Großteil seines Lebenszyklus für Antikörper unzugänglich intrazellulär verbringt.
„Wir brauchen dringend eine Impfung, die uns im Kampf gegen Malaria hilft“, erläutert dazu Prof. Dr. Adrian Hill von der Universität Oxford, „denn Malariaerreger können das Immunsystem überlisten, indem sie sich in den Körperzellen verstecken.“
Die Impfung greift auf ein genetisch modifiziertes Schimpansen-Adenovirus zurück, um das Malaria-Antigen zu produzieren und die körpereigene Immunreaktion anzuregen. Adenoviren sind in hohem Maße geeignet, Immunreaktionen gegen Malaria zu verstärken. Allerdings reagieren die meisten Menschen gegen Adenoviren – deshalb, weil weit verbreitete Erkrankungen wie Darmgrippe und Erkältung häufig von Adenoviren hervorgerufen werden. Die Verwendung eines Schimpansen-Adenovirus gewährleistet demgegenüber eine gesteigerte Immunreaktion gegen Malaria und vermeidet eine Immunreaktion des Patienten gegen die virale Impfstoffkomponente.
„Schimpansen haben ihre eigenen Adenovirenstämme, die nur sehr selten Menschen befallen – weswegen kaum Immunität gegen diese Erreger besteht“, erklärt dazu die Virologin Sarah Gilbert vom Jenner Institut der Universität Oxford. „Und deswegen haben wir uns entschlossen, als Rückgrat unserer neuen Impfung Schimpansenviren zu verwenden.“ Hill et al hoffen, die Bildung von CD8-positiven T-Zellen (auch bekannt als T-Killerzellen) stimulieren zu können. Die CD8-Zellen sollten die Plasmodien abtöten, sobald die Erreger die Leber erreichen (wo sie sich sonst immunologisch unbemerkt und ungestört weitervermehren). Gelingt die Elimination der Erreger durch die T-Zellen nicht, so befallen die Plasmodien nach Vermehrung die Erythrozyten. Aber auch für dieses Krankheitsstadium planen Hill und seine Mitarbeiter eine Impfung – langfristiges Ziel ist ein Kombinationspräparat, welches die Plasmodien sowohl im Leber- als auch im Erythrozytenstadium angreifbar macht.

Quelle: Universität Oxford

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