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Innere Medizin 1. September 2008

Mammographie-Screening

In Wien erkranken jährlich rund 1.000 Personen an Brustkrebs, der häufigsten Tumorerkrankung bei Frauen. Mit dem Pilotprojekt „Ich schau auf mich“ wurde dieser Krankheit der Kampf angesagt. Das Projekt wird von der Stadt Wien und der Wiener
Gebietskrankenkasse (WGKK) durchgeführt und finanziert. Beteiligt sind auch alle anderen Wiener Krankenversicherungsträger und die Bundesgesundheitsagentur. Durch die Einführung eines qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings konnten völlig neue Standards bei der Brustkrebsfrüherkennung gesetzt werden.

Im Rahmen von „Ich schau auf mich“ erhielten zwischen Juni 2007 und Juli 2008 alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in den Wiener
Pilotbezirken 15, 16 und 17, persönliche, mehrsprachige Einladungsschreiben zur Mammographie. „Die rege Beteiligung der Frauen hat gezeigt wie wichtig die persönliche Einladung in der jeweiligen Muttersprache zur Früherkennung war“, betont die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag. Sonja Wehsely und hebt gleichzeitig hervor: „In diesen Bezirken sind der Einkommensindex niedrig und der Anteil von Migrantinnen relativ hoch. Vor diesem Projekt wurde die Möglichkeit, eine Mammographie in Anspruch zu nehmen, wenig genutzt. Das hat sich jetzt geändert.“ Eine Telefonumfrage, die im Zuge des Projektes unter den Teilnehmerinnen durchgeführt wurde, hat ergeben, dass vor allem jene Frauen zur Mammographie gehen, die sich gut über Brustkrebsvorsorge informiert fühlen. Insgesamt sind über 26.000 Frauen zum Screening eingeladen worden. Rund 2.900 Frauen sind der Einladung in die drei Screening-Zentren gefolgt, zahlreiche sind zu anderen Radiologen zur Früherkennung gegangen.

Erhöhtes Problembewusstsein

Franz Bittner, Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, weist darauf hin, dass die Anzahl der in Anspruch genommenen Mammographien bei den 50- bis 69-Jährigen in den Zielbezirken im Jahr 2007 um 10,6 Prozent im Vergleich zu 2006 gestiegen sind, in ganz Wien dagegen um lediglich 3,7 Prozent. „Es sind zwar nicht alle Frauen in die drei Screening-Zentren gegangen. Die Einladekampagne hat aber nachweislich zum Problembewusstsein der Zielgruppe beigetragen.“ Ein weiterer Erfolg ist die Implementierung der Qualitätsvorgaben der EU in den drei Screening-Zentren. Diese reichen von der technischen Qualitätssicherung der eingesetzten Geräte über die zertifizierte Schulung des Fachpersonals bis hin zu verblindeten Doppel- und Dreifachbefundungen der Röntgenbilder. „Je höher die Qualität des Screenings, desto höher die Befundsicherheit und die Chance, ein Karzinom noch in einem frühen, symptomlosen Stadium zu entdecken und Leben zu retten“, so Bittner. Bei frühzeitiger Entdeckung des Tumors liegen die Heilungschancen bei über 90 Prozent.
Im Rahmen von „Ich schau auf mich“ konnte bei 72 Prozent der Teilnehmerinnen unauffällige Befunde diagnostiziert werden. Bei 13 Prozent musste aufgrund des dichten Brustgewebes eine weitere Sonographie durchgeführt werden. Bei weiteren 15 Prozent lagen suspekte Befunde vor, die eine weitere Abklärung notwendig machten.
Das Pilotprojekt „Ich schau auf mich“ ist aus Empfehlungen der Europäischen Union hervorgegangen. In Österreich wurde 2006 mit der Implementierung von Mammographie-Screening-Modellprojekten in einigen Modellregionen begonnen. Wien ist die erste und einzige Modellregion, die zeitgerecht ein Screening-Projekt umgesetzt und alle erforderlichen Qualitätskriterien eingehalten hat. Durch die Einführung qualitätsgesicherter Screening-Programme in 12 von 27 EU-Mitgliedsstaaten konnte das Risiko der Frauen, an Brustkrebs zu sterben, gesenkt werden.

Quelle: Aussendung der WGKK

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