zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 1. Juli 2008

Silibinin bei chronischer Hepatitis C

Gastroenterlogen und Klinische Virologen der MedUni Wien haben mehr oder weniger zufällig entdeckt, dass Patienten mit chronischer Hepatitis C, die auf die Standardtherapie anfangs nicht ansprechen, von Infusionen mit Silibinin profitieren.

Silibinin, der wichtigste Inhaltsstoff von Silymarin, dem Pflanzenextrakt der Mariendistel (Silybum marianum), ist in Österreich bislang als Antidot gegen Knollenblätterpilz-Vergiftungen zugelassen (z.B. Silibinin Madaus). Nach einer Studie, die belegt, dass Silibinin, intravenös verabreicht, die Viruslast bei Non-Respondern absenkt, werden nun Pharmakokinetik, Dosierung und Therapiedauer weiter beforscht. Prof. Dr. Peter Ferenci, Gastroenterologe von der MedUni Wien, erläutert die Studie, in der Patienten nach der Silibinintherapie innert zwei Wochen virusnegativ waren.

Was gab denn den Anstoß dazu, Silibinin in Bezug auf die Behandlung von Hepatitis C zu untersuchen?
FERENCI: Der ursprüngliche Gedanke war die Behandlung des oxidativen Stresses mit Silibinin, um die Wirkung von Interferon zu verbessern. Das war die Hypothese. Das hat aber nicht gestimmt, sondern wir sind zufällig darauf gekommen, dass das Virus mit Silibinin absinkt, und daraufhin haben wir es dann systematisch untersucht.

In welchem Stadium der Erkrankung waren die untersuchten Patienten?
FERENCI: Sie haben alle mehr oder minder fortgeschrittene Erkrankungen gehabt, ungefähr die Hälfte hatte eine Zirrhose, aber das waren alles Patienten, die auf eine Interferon-Therapie nicht angesprochen haben, also so genannte Non-Responder.

Was ist der Vorteil der Gabe von Silibinin isoliert intravenös gegenüber Silymarin?
FERENCI: Das ist ganz einfach die Menge. Sie bringen nie so eine Konzentration mit Tabletten oder Kapseln in den Körper wie mit Infusionen. Das ist eine wesentlich höhere Dosis. Daher haben wir gesagt, wenn wir einen Erfolg haben wollen, dann versuchen wir, es einmal intravenös zu geben, in sehr hoher Dosis. Wir haben vier verschiedene Dosen [5, 10, 15, 20 mg pro kg täglich] untersucht, und die höchste Dosis, 20 mg pro Kilogramm pro Tag, war die wirksamste. Daraufhin zeigte sich, dass Patienten, die vorher auf die Therapie nicht angesprochen hatten, nun ansprachen. Sie bekamen dann trotzdem Interferon-Ribavirin. Das ist Standardtherapie. Es ist nicht anstatt, sondern zusätzlich. Das ist ein wichtiger Punkt. Es geht nicht ohne Interferon-Ribavirin, sondern wir geben die Infusionen und dann die Standardtherapie. Weil die Leute glauben, sie ersparen sich das Interferon, und das tun sie nicht. Worauf wir auch hinweisen wollen, ist, dass Silibinin so gut wie keine Nebenwirkungen hat.

Gibt es Patientengruppen, für die diese Therapie von vornherein nicht geeignet ist?
FERENCI: Nein, das kann man nicht sagen. Wer mit Interferon behandelt werden kann, der kann auch mit diesem Therapiekonzept behandelt werden. Wenn Sie eine Kontraindikation gegen Interferon-Ribavirin haben, dann können Sie es nicht verwenden.

Ab wann wird man diese Therapie bei Patienten mit chronischer Hepatitis C einsetzen können?
FERENCI: Wir machen es ja schon laufend in einer Studie. Daran nehmen auch die Uniklinik in Graz teil, ein Zentrum in Linz und noch zwei Spitäler in Wien. Den rechtlichen Ablauf einer Registrierung kann ich nicht kommentieren.

Ist zu erwarten, dass das Silibinin auch bei anderen Erkrankungen positive Effekte haben könnte?
FERENCI: Das wäre die Frage, ob es bei anderen Viruserkrankungen auch wirkt. Das zu erforschen, wäre ein logischer Gedanke. Wir untersuchen derzeit etwa die Therapiedauer, aber dazu können wir heute noch nichts sagen.

Herzberger, Ärzte Woche 27/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben