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Innere Medizin 1. Juli 2008

Impfung gegen Gürtelrose ab 50

30.000 Menschern erkranken in Österreich jährlich an Herpes zoster, und das Risiko dafür steigt im Alter über 85 Jahren auf 50 Prozent. Der schmerzhafte Ausschlag klingt erst nach Wochen wieder ab. Einem Viertel der Betroffenen machen Komplikationen wie die postherpetische Neuralgie noch lange das Leben schwer.

Die Gürtelrose ist zwar behandelbar, die Folgen der Erkrankung werden dadurch jedoch kaum beeinflusst. Nicht nur schwere Schmerzen schränken die Lebensqualität – manchmal für Jahre – ein, sondern auch Sensibilitätsstörungen, bakterielle Superinfektionen oder segmentale motorische Lähmungen, warnt Prof. Kollaritsch vom Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien.
Als 2006 die Gürtelrose-Impfung von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) zugelassen wurde, stand erstmals eine einfache Vorbeugungsmaßnahme zur Verfügung: Die Impfung entspricht der Varizellen-Impfung für Kinder, ist aber 14-mal so hoch dosiert. Es handelt sich um eine Lebendimpfung, die einmal gegeben wird und deren Schutz mindestens fünf Jahre vorhält, vielleicht sogar länger. Damit ist man nun in der Lage, bei Menschen mit einem geringen Schutz gegen den Virus neuerlich eine vollständige Immunantwort zu erreichen.

Neue Empfehlung seit April

Seit 2007 legten die Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates Menschen ab 60 Jahren nahe, sich impfen zu lassen. Da man inzwischen davon ausgeht, dass eine Impfung zu einem früheren Zeitpunkt günstiger ist, wird sie seit dem Impfplan vom April 2008 in Österreich schon früher empfohlen. „Die Empfehlung ab 50 Jahren beruht auf der Zulassung des Impfstoffes ab diesem Alter; außerdem weiß man aus den Studien, dass die Immunogenität bei jüngeren Erwachsenen besser ist und nach 70 Jahren zunehmend geringer wird“, erklärt Prof. Dr. Ingomar Mutz, Vorsitzender des Impfausschusses, und Prof. Dr. Herwig Kollaritsch erklärt, dass „die Epidemiologie des Zoster klar belegt, dass die Inzidenz bereits ab 50 sprunghaft steigt und nicht erst ab 60.“

Was die Impfung bringt

Allerdings kann die Impfung keinen absoluten Schutz bieten: „Die Wirksamkeit gegen jedwede Herpes-Zoster-Erkrankung liegt nur bei etwas 51 Prozent“, erklärt Prof. Kollaritsch. Schwere Verläufe, die das Komplikationsrisiko erhöhen, können aber um drei Viertel reduziert werden, außerdem die damit verbundenen Schmerzen um 57 Prozent. Damit ‚kann’ die Impfung doch einiges.“ Die Impfung wird gut vertragen. Lokale Reaktionen an der Einstichstelle gehen nach ein paar Tagen wieder zurück.
Da es sich um einen Lebenimpfstoff handelt, darf die Impfung nicht an Menschen verabreicht werden, die unter einer immunsuppressiven Therapie stehen, wie Mag. Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, klarstellt. Prof. Kollaritsch vermutet zudem, dass jene, die schon mehrfach Zoster gehabt haben, wohl auch nur wenig profitieren. Prof. Kollaritsch beklagt jedoch, dass die Gürtelrose-Impfung in der Bevölkerung „gar nicht, weil sehr teuer“ angenommen ist. Tatsächlich kostet der Impfstoff in der Apotheke über 200 Euro.
Prof. Mutz vermutet, dass aufgrund der weltweit beschränkten Verfügbarkeit der Impfstoff kaum beworben wird. Auch Mag. Dr. Körner räumt ein, dass die Impfung noch nicht sehr bekannt ist, aber „dennoch verzeichnen wir in den Apotheken ein vermehrtes Interesse der älteren Bevölkerung“.

Herzberger, Ärzte Woche 27/2008

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