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Innere Medizin 26. Juni 2008

Impfstoff gegen Vogelgrippe getestet

Das Vogelgrippevirus H5N1 kann Menschen infizieren und schwere Erkrankungen hervorrufen. Bisher ist die Anzahl der Betroffenen zwar noch begrenzt. Ihre Sterblichkeitsrate ist jedoch hoch.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichte im Mai 2008 folgende Zahlen: Insgesamt sind bisher 383 Personen an einer Infektion mit dem Vogelgrippevirus erkrankt, davon sind 241 verstorben. Die meisten Fälle wurden aus Indonesien gemeldet (133 Erkrankte, davon 108 verstorben). Am effizientesten ließe sich eine mögliche Pandemie mit einer Impfung dagegen in den Griff bekommen. An der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien wurde nun eine Phase I/II-Studie zu einem zellbasierten Impfstoff gegen Influenza A - H5N1 abgeschlossen.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Müller wurde einerseits erforscht, wie sicher die Impfung ist, und andererseits, in welchem Ausmaß sie fähig ist, eine Immunantwort auf verschiedene H5N1-Stämme hervorzurufen – eine Vorraussetzung für einen Impfstoff, der in der Lage sein soll, nicht nur einen bestimmten Stamm von Viren zu neutralisieren (Kreuzprotektion). Daher wurde auch getestet, ob der Impfstoff gegen funktionelle Antikörper gegen Virenstämme A/Hong Kong/156/1997 und A/Indonesia/05/2005 induzieren konnte.

Niedrige Dosierung

An 275 Freiwilligen wurde der Impfstoff getestet. Die Probanden erhielten zwei Impfungen und wurden jeweils drei Wochen danach untersucht. Die Dosis betrug zwischen 3,75 µg und 30 µg. Eingesetzt wurde der vollständig inaktivierte Wildtyp-H5N1-Stamm A/Vietnam/1203/2004.
Es traten keine gravierenden, auf den Impfstoff zurückzuführenden Nebenwirkungen auf, insbesondere kaum Fieber. Zwischen neun und 27 Prozent verspürten leichte Schmerzen an der Einstichstelle und sechs bis 31 Prozent litten vorübergehend unter Kopfschmerzen.
Es zeigte sich, dass bereits eine Dosis von 7,5 µg immunogen war, auch in Bezug der beiden anderen Stämme. Da im Falle einer Pandemie große Mengen zum Schutz der Bevölkerung zur Verfügung stehen sollen, sind Präparate gefragt, von denen eine geringe Dosierung bereits reicht, um die Bildung von Antikörpern hervorzurufen.

Rasch hergestellt

Außerdem sollen die Präparate rasch zur Verfügung stehen, was bei herkömmlicher Herstellung mit befruchteten Hühnereiern schwer zu erfüllen ist. Mit Vero-Zell-Kulturen hingegen ist es möglich, innert zwölf Wochen Impfstoffe bereitzustellen.
Die Studie wurde an der Med­Uni Wien in Kooperation mit einem Team der Baxter AG durchgeführt. Die Resultate wurden im New England Journal of Medicine publiziert (2008; 358: 2573-84).

Herzberger, Ärzte Woche 26/2008

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