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Innere Medizin 6. Mai 2008

Neues vom Impftag

Auch das Programm des 17. Österreichischen Impftags für Ärzte und Apotheker musste sich der aktuellen Diskussion um die Masern­epidemie widmen. Es blieb dennoch Zeit für weitere Neuigkeiten rund um das Impfen.

Dem brandaktuellen Thema Masern­epidemie widmete sich Prof. Dr. Heidemarie Holzmann vom Institut für Virologie der MedUni Wien in ihrem Vortrag und kritisierte die Situation in Mitteleuropa, welche vor allem durch unzureichende Durchimpfungsraten und negative Propaganda von Impfverweigerern imponiert (die Ärzte Woche berichtete in der Ausgabe 16).
Der Wiener Virologe Prof. Dr. Franz X. Heinz gab anlässlich des 80. Geburtstages von Prof. Dr. Christian Kunz – dem Entwickler und Promotor dieser Impfung – eine pointierte Darstellung der Erfolgsgeschichte der FSME-Impfung in Österreich. In krassem Gegensatz dazu: Prof. Dr. Ursula Kunze vom Institut für Sozialmedizin der MedUni Wien wies auf die traurige Situation der Influenza-Impfung in Österreich hin. Österreich ist mit einer Durchimpfungsrate von unter 17 Prozent im europäischen Schlussfeld.
Über einen Tetanus-Schnelltest, der sofort zeigt, ob man bei einer Verletzung eine Tetanus-Auffrischung braucht, berichtete Dr. Maria Paulke-Korinek vom Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, MedUni Wien. Dieser Test ist für Ambulanzen, Praxen oder Beratungsinstitutionen sinnvoll, da nach Verletzungen der Impfpass oft nicht verfügbar ist. Der Tetanus Quick Stick (TQS-Test) kann innerhalb von zehn Minuten eine Aussage treffen, ob ausreichend Antikörper zum Schutz vorhanden sind.
Prof. Dr. Elmar A. Joura brachte ein Update zur Impfung gegen das humane Papillomvirus (HPV), das u.a. für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist. Sowohl der Vierfachimpfstoff als auch der Zweifachimpfstoff schützen zu 90 bis 100 Prozent vor Oberflächenkarzinomen des Gebärmutterhalses, die mit den HPV-Typen 16 und 18 assoziiert sind. Für den Vierfachimpfstoff wurden Daten über eine 100-prozentige prophylaktische Wirkung gegen Warzen und Oberflächenkarzinome von Vulva und Scheide veröffentlicht, die durch die relevanten vier HPV-Stämme ausgelöst werden. Neue Daten zeigen aber, dass der Impfstoff nicht nur vor den vier HPV-Typen 6, 11 ,16 und 18 schützt. Auch Erkrankungen, die durch zehn weitere krebserregende HPV-Stämme verursacht werden, können durch eine „Kreuzprotektivität“ zu 38 Prozent verhindert werden. Die Effektivität der HPV-Prophylaxe bei Frauen bis zum 45 Lebensjahr liegt bei 92 Prozent. Zwei Studien an über 2.000 Kindern zeigten, dass die Impfstoffe sehr sicher sind und die Antikörperbildung besser ist als beim Jugendlichen oder Erwachsenen.
Prof. Dr. Rainer Kunstfeld, Universitätshautklinik Wien, schilderte die Bedeutung von Herpes zoster bezüglich der hohen, im Alter zunehmenden Erkrankungsrate und die partielle Vermeidbarkeit durch eine neue Impfung mit besonderer Verminderung (um zwei Drittel) der schmerzhaften postherpetischen Neuralgie.
Außerdem wurde ein in die klinische Studienphase eingetretene therapeutische Impfung von Frauen mit Her2-positivem Brustkrebs (20-30 Prozent der Fälle) aus dem eigenen Arbeitsgebiet von Prof. Dr. Ursula Wiedermann vorgestellt.

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