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Innere Medizin 3. April 2008

Jugendliche Kondommuffel

Einer von der Österreichischen Aidsgesellschaft und der Firma Pfizer in Auftrag gegebenen webbasierten Umfrage von 557 Schülern zwischen 10 und 19 Jahren zufolge ist der Informationsstand von Jugendlichen und das Interesse an der Thematik HIV/Aids erstaunlich hoch. Doch das Risikobewusstsein ist mangelhaft und die Stigmatisierung HIV-Infizierter drastisch.

„Nahezu allen Schülern in Österreich sind die Begriffe HIV bzw. Aids bekannt“, berichtet Prof. Dr. Rudolf Bretschneider, Geschäftsführer der GfK Austria. Mehr als die Hälfte der 15- bis 19-Jährigen hatte bereits Geschlechtsverkehr, jedoch haben vier von zehn mangelndes Detailwissen – 33 Prozent kennen den Unterschied zwischen HIV und Aids nicht. Die Kenntnisse und Angaben der Befragten zum Kondomgebrauch stehen im Widerspruch zum konkreten Handeln: 93 Prozent wissen, dass Kondome die einzige Möglichkeit sind, sich vor HIV/Aids zu schützen, aber nur 45 Prozent benutzen sie. Nur die Hälfte der Schüler macht sich während dem Sex darüber Gedanken, ob der Partner HIV/Aids haben könnte, nur 19 Prozent fragen davor nach einer HIV-Testung. „In diesem Zusammenhang müssen wir das Wissen um die ersten Symptome insbesondere bei jungen Menschen verbessern“, fordert Prof. Dr. Armin Rieger, Leiter der HIV-Ambulanz, Klinik für Dermatologie, MedUni Wien.
„Dem sorglosen Verhalten steht eine übertriebene Angst vor sozialer Nähe mit HIV-Positiven gegenüber“, erklärt Bretschneider. Viele Schüler meinen, man könne sich durch Küssen oder Händeschütteln anstecken. 61 Prozent würden infizierte Freunde nicht auf die Wange küssen, 42 Prozent nicht mit ihnen essen gehen und gar 36 Prozent nicht mit ihnen Computer spielen.

Awareness schaffen

Die meistgenutzte erste Informationsquelle ist die Schule, jedoch werde HIV/Aids nur eine halbe Stunde pro Schuljahr im Frontalvortrag besprochen, kritisiert Bretschneider. Immerhin ein Viertel der Schüler wird nicht von ihren Eltern über Sexualität aufgeklärt. Die Informationsquelle Internet hingegen spielt eine immer größere Rolle. Daher wurde von Pfizer die Internet-Awareness-Kampagne safe4fun gestartet, die auf die Bedürfnisse von Jugendlichen abgestimmt wurde (www.safe4fun.at).

In der Gesundenuntersuchung?

„Jeder Mensch sollte seinen HIV-Serostatus kennen und ständig updaten“, sagt Dr. Brigitte Schmied, Leiterin der HIV-Ambulanz, Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe, Otto Wagner Spital, Wien. Sie sieht aber keinen Bedarf, den HIV-Test in die Gesundenuntersuchung aufzunehmen, er solle aber auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden. „Das Angebot muss jedenfalls verbessert werden und der Zugang besonders niederschwellig sein“, fordert Schmied.

Quelle: Pressekonferenz „Jugendliche und HIV/Aids – Handeln wider besseres Wissen“, 12. 3. 2008, Wien.

Emanuel Munkhambwa, Ärzte Woche 14/2008

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