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Innere Medizin 20. Februar 2008

Neue Therapieoption bei GERD

Doz. Dr. Michael Gschwantler, Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung, Wilhelminenspital, Wien, berichtet im Ärzte-Woche-Interview über eine neue Modifikation der Fundoplicatio, die nun auch am Wilhelminenspital in Kooperation mit der Chirurgischen Abteilung unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Glaser durchgeführt wird.

Über 20 Prozent der Österreicher leiden an einer Störung des unteren Ösophagussphinkters, der Ursache der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Durch die Exposition der Schleimhaut im unteren Speiseröhrenabschnitt kommt es zum Auftreten von typischen klinischen Symptomen, wie Sodbrennen und saurem Aufstoßen, aber auch zu untypischen Beschwerden, wie chronischem Reizhusten, Asthma, Heiserkeit, Räusperzwang oder Zahnproblemen. Eine neue Methode hilft jenen Patienten, die bisher nicht zufriedenstellend therapiert werden konnten.

Welche Behandlungsstrategien gibt es?
Gschwantler: Die medikamentöse Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPIs) kann bei den meisten Patienten die Symptomatik der GERD zum Abklingen bringen. Das Problem ist aber, dass nach Absetzen der Medikation die Symptome wieder einsetzen, denn das Grundproblem der Funktionsstörung des Schließmuskels wird durch die medikamentöse Therapie nicht beeinflusst.
Ergänzend empfiehlt man den Patienten auch eine Modifikation ihres Lebensstils. Dazu zählen: Gewichtsreduktion, kleine Mahlzeiten mehrfach über den Tag verteilt, nach dem Essen nicht liegen, auf Spätmahlzeiten verzichten, Vermeidung von Nahrungsmitteln, welche die Säureproduktion fördern bzw. den Reflux steigern, und von Medikamenten, welche die Funktion des Schließmuskels beeinträchtigen können.
Mit dieser Basistherapie, bestehend aus Lebensstil-Modifikation plus medikamentöser Therapie, können mehr als 90 Prozent der Patienten mit GERD zufriedenstellend behandelt werden.

Welche Optionen bleiben für die verbleibenden Patienten?
Gschwantler: Für jene Patienten, die mit dieser konservativ-medikamentösen Behandlung nicht zufriedenstellend therapiert werden können, hat es bis jetzt nur die Möglichkeit eines operativen Eingriffs – die laparoskopische Fundoplicatio – gegeben. Dieser Eingriff hat den Nachteil, dass er kleine Narben hinterlässt und wie jede Operation ein gewisses Risiko in sich birgt.
Alternativ zu dieser chirurgischen Möglichkeit bieten wir im Wilhelminenspital ein neues Therapiekonzept an – die endoskopische Fundoplicatio mit zwei applizierten Nähten. Der Eingriff funktioniert im Prinzip wie eine Gastroskopie. Mit Hilfe eines endoskopischen Geräts, das über die Speiseröhre in den Magen eingeführt wird, gelingt es, den Schließmuskel zu raffen und dadurch seine Funktion zu verbessern. Der Eingriff hinterlässt keine Narben und birgt ein deutlich geringeres Risiko als eine chirurgische Intervention. Wissenschaftlichen Studien zufolge hält der gewünschte Effekt – es fließt weniger Säure in die Speiseröhre – auch noch fünf Jahre nach dem Eingriff an.

Was ist das Neue an dieser endoskopischen Methode?
Gschwantler: Die endoskopische Fundoplicatio gibt es bereits seit etwa fünf Jahren. Sie wurde hauptsächlich in den USA durchgeführt und ist bereits gut erprobt. Jedoch konnte man im Rahmen dieses Eingriffs bisher nur eine Naht applizieren. Neu ist die Applikation einer zweiten Naht, die sich für den Outcome der Patienten als noch günstiger erwiesen hat. Diese Modifikation wurde vor zwei Monaten von der FDA in den USA zugelassen. Das Wilhelminenspital ist nach dem Krankenhaus in Zell am See das zweite Spital in Österreich, das die endoskopische Fundoplicatio anbietet. Gastroenterologen weltweit und auch unsere Experten sind der Meinung, dass sich diese Methode in Zukunft durchsetzen wird, da mit dieser endoskopischen Technik erstmals langfristig gute Ergebnisse, bei praktisch keinem Risiko für den Refluxpatienten, erzielt werden konnten.

Emanuel Munkhambwa, Ärzte Woche 8/2008

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