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Innere Medizin 15. Mai 2008

Gesunde Fettpölster

Könnte der Speck um die Hüften – selbst wenn man große Mengen davon mit sich schleppt – der Gesundheit zuträglich sein? Eine kürzlich in Cell Metabolism publizierte Studie an Mäusen weist genau darauf hin. Unterhautfettgewebe, das in den Bauchraum von Spendertieren transplantiert wurde, hat demnach – zumindest bei Mäusen – einen günstigen Effekt. Dass es einen Unterschied macht, wo sich das Körperfett ansammelt, ist seit längerem bekannt. Als besonders schädlich für das Herz-Kreislauf-System und als Risikofaktor für ein Metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes gilt das viszerale Fett („Apfeltyp“), während die an Schenkeln und Po angehäuften Fettreserven („Birnentyp“) als weniger gesundheitsschädlich gelten. Einer der Autoren der Studie, C. Ronald Kahn vom Joslin Diabetes Center und Harvard Medical School in Boston: „Wir hatten erwartet, dass jede Art von Fett im Bauchraum schädlich ist. Aber entgegen unseren Erwartungen scheint es, dass viszerales Fett weniger „böse“ ist, als subkutanes „gut“.“ Kahn und seine Kollegen transplantierten für ihr Experiment subkutanes und viszerales Fett von gesunden Spendermäusen sowohl in subkutane Bereiche an den Mäuse-Flanken (entspricht der Hüfte von Menschen) als auch in den Bauchraum von 42 gesunden Empfängermäusen und überprüften die Wirkung auf ihren Körper und den Metabolismus. 13 andere Nager wurden als Kontrollgruppe herangezogen – sie wurden zwar operiert, erhielten aber kein Fett. Das Ergebnis: Die Mäuse, die Unterhautfettgewebe in den Bauchraum transplantiert bekamen, reagierten nach wenigen Wochen mit einer Verringerung von Körpergewicht, Fettansammlung und Größe der Fettzellen, obwohl sie die gleiche Futtermenge erhielten und auch körperlich nicht mehr aktiv waren. Außerdem verbesserten sich ihre Blutzucker- und Insulinwerte. Kahn: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es auch gutes Fett gibt.“ Zu den aktuellen Ergebnissen passt auch eine schon ältere Erkenntnis: Das Absaugen von subkutanem Fett verringert nicht die Risiken für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße.

Tran et al.: „Beneficial Effects of Subcutaneous Fat Transplantation on Metabolism.“ in Cell Metabolism 7, 410-420, May 2008.

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