zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 17. April 2008

Hypermobilität: Kunst oder Krankheit?

Hypermobile Menschen werden oft bestaunt und bewundert für die gelenkigen Bewegungen, mit denen sie ihre Körper verrenken können. Die Eleganz von Artisten und Primaballerinen darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hypermobilität eine ernstzunehmende Bindegewebs- und Bänderschwäche ist.

Hypermobile Menschen können ihre Gelenke über das normale Maß hinaus bewegen. Die Knöchel sind durch diese Lockerheit der Bänder weniger geschützt, häufige Verletzungen und eben rheumatische Erkrankungen oder Rückenschmerzen sind die Folge. Die wenigsten schließen sofort auf eine Hypermobilität – weder Erkrankte noch Mediziner. Für Betroffene beginnt eine Odyssee durch Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen, bis sie im besten Fall beim Orthopäden auf der Liege landen.
Brigitte Foerster leidet seit ihrer Jugend am Ehlers-Danlos-Syndrom, einer seltenen Bindegewebserkrankung. Auffälligstes Kennzeichen der Krankheit ist, dass die Haut wie Papier reißt. Dazu kommt die Überbeweglichkeit. Die zierliche, elegante Frau ist stets äußerst vorsichtig aus Angst vor Verletzungen, hat aber immer versucht, ein weitgehend normales Leben zu führen. Sie hat gearbeitet, zunächst als Stenotypistin, später als Ingenieurin, hat die Pflichten in Haushalt und Garten mit ihrem Mann gemeinsam bewältigt. Brigitte Foersters Füße sind stark verformt, die Knöchel dick abgestützt. Auch an den Händen sind die Folgen der Gelenkschäden deutlich zu sehen. Eine Gehhilfe kommt nicht infrage – die Schulter könnte auskugeln.
Ständige Angst vor Verletzungen
Für die Rentnerin wären auch isometrische Übungen, wie sie Physiotherapeuten mit ihren hypermobilen Patienten machen, wenig dienlich. „Herkömmliche“ Überbewegliche hingegen trainieren spezielle koordinative Übungen, die das Bindegewebe stärken sollen.
Hypermobilität wird nach den Erfahrungen des Berliner Orthopäde Olaf Kunhardt nicht vererbt. Betroffen können gleichwohl schon Kinder sein; sie müssen lernen, ihr Leben lang mit der Überbeweglichkeit klarzukommen. Sportarten wie Ballett sind für sie Tabu – und damit genau die Betätigung, in der sie wegen der Beweglichkeit glänzen. „Das kann ein Teufelskreis sein“, sagt Kunhardt. Wer sich der Kunst verschreibt, wird die Krankheit ernten – und wer die Krankheit hat, die Kunst.

Link:
www.hypermobilitaets-syndrom.de/

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben