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Innere Medizin 20. Februar 2008

Stille Revolution

Verletzungen der Wirbelsäule gehören zu den schwerwiegendsten Unfallfolgen. Ihre operative Behandlung hat in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte erzielt, wodurch einer großen Zahl von Patienten der Rollstuhl oder lebenslanges Leiden erspart bleibt.

„Die neuen Operationsverfahren haben in den letzten Jahren die Behandlung von Wirbelbrüchen – von der Öffentlichkeit fast unbemerkt – revolutioniert und ihnen vielfach ihren früheren Schrecken genommen“, sagt Prof. Dr. Klaus-Michael Stürmer von der Universitätsklinik Göttingen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).
Das größte Risiko für Verletzungen der Wirbelsäule besteht im Straßenverkehr, jedoch bringen auch der Haushalt und einige riskante Sportarten erhöhte Gefahren mit sich. Besonders schwere Verletzungen der Wirbelsäule werden meist durch Stürze aus größerer Höhe verursacht. „Chronische Schäden werden ausgelöst durch verletzungsbedingte Instabilitäten und Fehlstellungen zwischen den einzelnen Wirbeln“, erklärt Stürmer. „Das kann zu quälenden Nacken- und Rückenbeschwerden bis hin zu lokalen Nervenwurzelausfällen führen.“ Aber auch motorische Lähmungen, Querschnittslähmungen und Störungen der Erektion sowie der Blasen- und Darmentleerung sind mögliche Unfallfolgen.
Ein schwer behandelbares Problem sind die schmerzhaften Knochenbrüche bei Osteoporose. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 40 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren von Osteoporose betroffen sind und in schweren Fällen ein erhöhtes Risiko für osteoporotische Wirbelfrakturen haben. Mit dem neuen minimalinvasiven Verfahren namens „Vertebro- oder Kyphoplastie“ können die durch Bruch höhegeminderten Wirbelkörper durch Einspritzungen von Knochenzement wieder aufgerichtet werden. Hierdurch können in den meisten Fällen offene, sehr belastende Operationen vermieden werden. Patientinnen sind in der Regel sofort schmerzfrei und belastbar.
Nach wie vor kontrovers diskutiert bleibt die Frage, ob man die verletzte Wirbelsäule besser vom Rücken oder durch den Brustkorb oder Bauch stabilisieren sollte. Vom Rücken her können Knochenstücke, die in den Rückenmarkskanal eingedrungen sind, leichter zurückversetzt oder entfernt werden. Geht man von vorne an die Wirbelsäule heran, so können die Bruchstücke und verletzten Bandscheiben direkt durch Knochentransplantate oder moderne „Cages“ ersetzt werden. „Dies sind hochstabile, käfigartige, offenporige Titanimplantate, in denen sich zerkleinerter Knochen oder Wachstumsfaktoren befinden, die neuen Knochen bilden können“, erklärt Stürmer. Durch die Entwicklung einer minimal-invasiven Technik sei heute auch der Zugang von vorne für die Patienten weniger belastend.

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