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Innere Medizin 10. Juli 2008

Entzündung und Atherosklerose

Zum zehnten Mal wurde heuer der Otto-Kraupp-Preis für die drei besten Habilitationen des vergangenen Jahres in einer wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft der Ärzte in Wien vergeben. Neben spannender Grundlagenforschung wurde auch Interessantes aus der Kardiologie berichtet.

Insgesamt wurden für den Otto-Kraupp-Preis 56 Habilitationen eingereicht. Die Auszeichnung wurde zum Gedenken an Otto Kraupp, Ordinarius für Pharmakologie und Toxikologie sowie langjähriger Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, in Zusammenarbeit mit den Medizinischen Universitäten von Innsbruck, Graz und Wien sowie der Pharmafirma sanofi-aventis GmbH etabliert.

Innenohr und Mitochondrien

Den ersten Platz konnte eine Arbeit über die molekulare Genetik von Netzhaut und Innenohrkrankheiten von Doz. Dr. Andreas Janecke, MedUni Innsbruck, erringen. Der zweite Preis ging an eine Arbeit von Doz. Mag. Dr. Roland Malli über die Rolle der Mitochondrien bei der Ca++-Aufnahme im Endoplasmatischen Reticulum. Dritter im Bunde war Doz. Dr. Wolfgang Dichtl, Universitätsklinik für Kardiologie, Innsbruck, der die Bedeutung von Inflammation und Hypofibrinolyse bei Atherosklerose sowie Restenose, Cholestase bei Herzinsuffizienz und valvulärer Kalzifikation bei Aortenstenose beschrieb.
Aufgrund der klinischen Bedeutung und Praxisbezogenheit bringt die Ärzte Woche nachfolgend eine Zusammenfassung der Arbeit von Doz. Andreas Dichtl, die vier Schwerpunkte der Kardiologie behandelt.

Immer wieder dieselben Bösewichte

Die Atherosklerose verursacht die überwiegende Anzahl aller koronaren Herzkrankheiten, ischämischen Schlaganfälle und peripher-arteriellen Verschlusserkrankungen. Neben den klassischen Risikofaktoren – Hypertonie, Nikotinabusus, Diabetes – spielt die Hyperlipidämie eine entscheidende Rolle. Nicht nur das Low Density Lipoprotein (LDL), sondern auch das Very-Low-Density-Lipoprotein (VLDL) führt zu Entzündungen und schädigt die Gefäßwände. „In Tiermodellen und Zellkulturen konnte erstmals nachgewiesen werden, dass VLDL proinflammatorische Signaltransduktionswege in den Endothelzellen aktiviert und so die Bildung von Blutgerinnseln fördert. Weiters zeigte sich, dass bei einem niedrigen HDL-Spiegel die Werte des VLDL hoch sind, insbesondere bei Diabetikern“, legte Dichtl das unheilvolle Zusammenspiel dar.
Die lokale Entzündungsreaktion und Thrombophilie werden durch eine Therapie mit Statinen günstig beeinflusst. Eine antineoplastische Wirkung könnte dabei über die Hemmung von HIF-1/VEGF hervorgerufen werden (der Hypoxie-induzierbare Faktor-1,HIF-1, vermittelt die Transkription des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors, VEGF). Denn als unerwartete Nebenwirkung wurde beobachtet, dass sich das Auftreten bestimmter Krebsformen, etwa des Kolonkarzinoms, verringert.

Restenose nach Ballonangioplastie

Nach einer Ballonangioplastie kann es zu einer unkontrollierten Migration und Proliferation von glatten Gefäßmuskelzellen kommen – mit Bildung einer Neointima und Restenosierung der Läsion. Besonders kritisch sind hier die ersten Wochen und Monate nach dem Eingriff, da das durch den Katheter beschädigte Endothel noch nicht regeneriert ist. Das Risiko kann jedoch durch eine lokale Applikation von Rapamycin gesenkt werden. Die Substanz hemmt die Proliferation und hat zudem einen antientzündlichen Effekt. „Die Euphorie über Drug-eluting-Stents kühlte in letzter Zeit allerdings deutlich ab, da vermehrt Spätthrombosen beobachtet wurden, es ist also ein zweischneidiges Schwert“, gab Dichtl zu bedenken.

Leberschaden bei Herzinsuffizienz

Sowohl eine venöse Stauung als auch eine arterielle Hypoperfusion können bei herzinsuffizienten Patienten zu einer Hepathopatie und in weiterer Folge sogar zu einer Leberzirrhose führen. Allerdings ist diese kardial bedingte Leberschädigung nur unzureichend dokumentiert. „Unsere Studie empfiehlt daher, invasive Untersuchungen, wie etwa die Leberbiopsie, mit großer Zurückhaltung anzugehen. Nach einer Behandlung der Herzinsuffizienz ist der Leberschaden allerdings reversibel“, erklärte Dichtl.

Aortenstenose – nicht auf Symptome warten

Die degenerative Aortenklappenstenose ist der häufigste Herzklappenfehler. Die Erkrankung verläuft allmählich fortschreitend und ist in den meisten Fällen über mehrere Jahre asymptomatisch. Erst wenn sich eine schwere Verengung des Ostiums der Klappe manifestiert, treten auch Symptome auf. Aber dann ist die Prognose bereits schlecht. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass die asymptomatische Aortenstenose einen ungünstigen Verlauf nimmt, erleidet doch innerhalb von 18 bis 24 Monaten ein Drittel der Patienten ein schwerwiegendes, klinisches Ereignis, das bis zum plötzlichen Herztod führen kann. Es wird daher diskutiert, ob Patienten mit hochgradiger Aortenstenose und begleitenden Risikofaktoren auch bei nur geringer klinischer Symptomatik operiert werden sollen“, sagte Dichtl. Die genaue Bestimmung der valvulären Verkalkung durch die Multislice-Computertomographie (MSCT) könnte in Zukunft dabei helfen, die Prognose zu verbessern und die Zeitintervalle zwischen den echokardiographischen Verlaufskontrollen sowie den optimalen Operationszeitpunkt noch genauer zu bestimmen.

 Der erste Platz beim Otto-Kraupp-Platz

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