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Innere Medizin 1. Oktober 2006

Impfungen gegen Reisedurchfallerreger und Rotaviren

Durchfallserkrankungen stellen ein weltweit großes Gesundheitsproblem dar. In Entwicklungsländern erkranken geschätzte 5 Milliarden Menschen und die Mortalität beträgt ca. 4 Millionen/Jahr. Besonders betroffen, sowohl in der Häufigkeit wie auch in der Schwere der Erkrankung, sind Kinder bis zu 5 Jahren. Bei Reisenden in diese Gebiete spielen Durchfallserkrankungen eine große Rolle; etwa 20–50% der Reisenden entwickeln Reisediarrhoe, vorwiegend hervorgerufen durch Bakterien, Viren oder Protozoen. Bei den bakteriellen Durchfallserkrankungen werden in Abhängigkeit des betreffenden Landes (Mexiko, Lateinamerika, Afrika, Philippinen) 30–70% der Fälle durch enterotoxigene E.coli (ETEC) hervorgerufen. Die Pathogenität dieser nicht invasiven Bakterien wird primär durch Hitze-stabile (ST) und Hitze-labile (LT) Toxine bedingt, wobei etwa 20% aller Reisedurchfallserkrankungen durch LT-sezernierende ETEC hervorgerufen werden. Dieses hitzelabile Toxin hat eine strukturelle Identität und 80% Sequenzhomologie mit Choleratoxin. Der derzeit am Markt befindliche orale Choleraimpfstoff (Dukoral®) enthält nebst abgetöteter Choleravibrionen auch die nicht toxische, aber immunogene B-subunit des Cholera Toxins in rekombinanter Form. Daher ist dieser orale Impfstoff auch für ETEC-Reisediarrhoe von Nutzen. Effizienzberechnungen der Impfung ergaben, dass bis zu 25% der Reisenden dadurch gegen Diarrhoe geschützt werden können. Rotaviren (RV) gehören besonders bei Kindern zu den wichtigsten Durchfallserregern in Industrie- und Entwicklungsländern. Aufgrund der weltweit hohen Inzidenz dieser Durchfallserkrankung wurden 2 orale Lebendimpfstoffe gegen Rotaviren entwickelt, die seit 2006 in Europa registriert sind. Aufgrund der Bedeutung dieser Erkrankung auch in Österreich wurde im österreichischen Impfplan eine allgemeine Impfempfehlung von Säuglingen zwischen 6 und 24 Wochen ausgegeben. Es handelt sich bei den oralen Impfstoffen einerseits um einen attenuierten, humanen, monovalenten RV-Lebendimpfstoff, der eine breite Kreuzimmunität gegen die gängigsten Serotypen aufweist (Rotarix®), und andererseits um einen attenuierten pentavalenten Lebendimpfstoff, der 5 human-bovine Reassortanten enthält (RotaTeq®). Verträglichkeit und Wirksamkeit der beiden Impfstoffe sind in etwa vergleichbar: die Wirksamkeit gegen schwere RV-Gastroenteritiden liegt zwischen 85–98%, bezüglich Verträglichkeit bestand kein Unterscheid zur Placebokontrolle und keine Assoziationen mit Invaginationen konnten festgestellt werden. Aufgrund der zunehmenden Reisetätigkeit mit kleinen Kindern wird der Rotavirusimpfung auch im internationalen Reiseverkehr eine wichtige Bedeutung zukommen.

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