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Innere Medizin 21. Mai 2008

Empfehlungen für Onkologen

In den letzten Jahren wurden etliche nationale und internationale Leitlinien und Empfehlungen zur Behandlung der Chemotherapie-induzierten Anämie publiziert. Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie hat jetzt in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe einen eigenen Konsensus formuliert.

Chemotherapie-induzierte Anämie bedeutet nicht nur verschiedene Symptome, sondern schränkt auch die Lebensqualität der Patienten dramatisch ein. Bei den Therapiezielen einer Behandlung der Chemotherapie-induzierten Anämie mit Erythropoese-stimulierenden Proteinen (ESP) wird deshalb im Konsensus-Papier der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie und der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe an erster Stelle die Verbesserung der Lebensqualität angegeben.
Als zweites Therapieziel gilt die Prävention von Bluttransfusionen und deren Risiken wie erhöhtes Infektionsrisiko oder die Gefahr immunologischer Früh- und Spätreaktionen. Allerdings, so betonen die Autoren um Prof. Dr. Edgar Petru von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Universität Graz, sei bei schwer symptomatischen Patientinnen mit einer Hämoglobinkonzentration <8g/dl eine rasche Anhebung der Hämoglobinspiegel mittels Bluttransfusionen nötig. Bei diesen Patientinnen sei wegen der längeren Dauer bis zum Ansprechen eine alleinige Behandlung mit ESP nicht indiziert. Grundsätzlich wird die Indikation zur Behandlung einer klinisch relevanten, symptomatischen, Chemotherapie-induzierten Anämie bei einem Hämoglobinwert < 10g/dl angegeben.
Kontraindikationen für die ESP-Therapie sind unter anderem Myokardinfarkt, ischämischer Insult, Becken- oder Beinvenenthrombose und schwere unkontrollierbare arterielle Hypertonie. Der Therapiezielbereich von Hb >11,0 und <12,0g/dl sollte nicht überschritten werden. Einerseits sind Hämoglobinwerte über 14g/dl mit einem signifikant höheren Thromboserisiko verknüpft. Andererseits wurden auf vielen Tumoren Erythropoetinrezeptoren nachgewiesen. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Bindung von ESP an diese Rezeptoren und einem möglichen Tumorwachstum kann aufgrund unsicherer Datenlage weder bestätigt noch ausgeschlossen werden. Deshalb können auch konklusive Aussagen zu Tumorwachstum und Überleben im Zuammenhang mit der ESP-Therapie derzeit nicht gemacht werden.

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 21/2008

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