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Innere Medizin 5. März 2008

Teure Allergie

Rhinitis und Asthma, Darmgrimmen und Ekzeme: Das sind mögliche Symptome einer Allergie. Sie werden überall auf der Welt häufiger, ganz besonders in den Industrieländern. Dass die Behandlung von Allergien sich auch auf das Gesundheitsbudget auswirkt, ist nicht verwunderlich. Das Institut für Sozialmedizin der MedUni Wien hat die Zusammenhänge zwischen Allergien und Volkswirtschaft aufgezeigt.

Das Schniefen und Husten zur Pollensaison nimmt zu. Das kann jeder sehen und hören, der regelmäßig im Bus fährt – oder in einer Arztpraxis sitzt. Dass dieser Eindruck nicht trügt, wurde spätestens durch den ersten Österreichischen Allergiebericht1 klar. Die darin zusammengefassten epidemiologischen Daten besagen, dass die kumulative Prävalenz von Allergien in Wien bei Männern 27,6 Prozent und bei Frauen 32,2 Prozent beträgt. Allergisch sensibilisiert gegenüber mindestens einem Inhalationsallergen sind sogar fast 40 Prozent der beschwerdefreien Personen, was durch einen Prick-Test nachweisbar ist. Jahr für Jahr müssen aufgrund der Schwere der allergischen Symptome rund 12.000 Österreicher stationär aufgenommen werden.
Dass Allergien ein wachsendes Problem sind, zeigt ein Vergleich der Stellungsuntersuchungen. Danach ist die Prävalenz allein des atopischen Ekzems seit 1986 um das 4,6-fache angestiegen.
Die fast schon epidemischen Ausmaße der Krankheit haben naturgemäß Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, wie eine Forschergruppe des Instituts für Sozialmedizin der MedUni Wien in der Wiener Medizinischen Wochenschrift berichtete.2 Danach stieg die Anzahl an verordneten Rhinologica und Antiobstructiva zwischen 1998 und 2005 um 15 bzw. 50 Prozent, die Kosten für diese Medikamente gar um 96 bzw. 70 Prozent. Die Aufwendungen für Antiasthmatika haben in nur zwei Jahren (zwischen 2002 und 2004) um nahezu ein Drittel zugenommen. Dabei handelt es sich bei diesen Ausgaben einzig und allein um jene, für die die Krankenkassen aufkommen. Dazu addieren sich die Summen, die die Betroffenen aus dem eigenen Säckel bezahlen, beispielsweise für Homöopathie, Massagen oder Heilsalben, denn „Personen mit Allergien wenden … häufiger alternativ- und komplementärmedizinische Methoden … an, als Personen ohne Allergien“, wie die Autoren des Berichts konstatieren.
Ebenso hinzugerechnet müssen noch jene indirekten Kosten werden, die durch Krankenstände, verminderte Leistungsfähigkeit oder Pflegeurlaub von Eltern mit allergiekranken Kindern auflaufen. Besonders dramatisch fallen durch Allergien verursachte Arbeitsunfälle ins Gewicht.
Wie sehr die Diagnose und Behandlung von Allergien die österreichische Volkswirtschaft belasten, lässt sich derzeit kaum abschätzen, so die Autoren. Laut der Global-Initiative-for-Asthma-Studie wird geschätzt, dass in den Industrieländern allein für Asthma ein bis zwei Prozent der gesamten Gesundheitsausgabe aufgewendet werden. Umgelegt auf Österreich würde das etwa für das Jahr 2004 eine Summe zwischen 227,7 bis 455,4 Millionen Euro ausmachen.

Prävention macht sich bezahlt

In Australien ist man bereits einen Schritt weiter. Dort hat eine Studie ergeben, dass Investitionen in eine optimale Versorgung und Prävention die durch die Krankheit verursachten Belastungen sowohl für Patienten als auch für das Gesundheitssystem um 69 Prozent verringern können. „Es zahlt sich also aus, in die Prävention und Kontrolle von Allergien zu investieren“, so das Resümee der Autoren. Dazu braucht es aber erst einmal eine fundierte Datenbasis, und die fehlt in Österreich noch.

1 Dorner T et al.: Österreichischer Allergiebericht. Verein Altern mit Zukunft. Wien 2006
2 Stein V et al.: Volkswirtschaftliche Aspekte von Allergien. Ausgangslage und Ausblick für Österreich. Wien Med Wochenschr 2007;157/11-12:248-254.

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 11/2008

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