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Innere Medizin 14. Februar 2008

"Die Menschen haben dort alles, was man nicht braucht"

Ein Pressefotograf lernte im Jahr 2005 im Rahmen eines Vortrags die Leprahilfe Senegal kennen und bat darauf dessen österreichischen Leiter Günter Hainzl ihn ins senegalesische Lepradorf MBalling mitzunehmen. Ein Aufenthalt, der den Mann derart beeindruckte, dass er sich fortan intensiv dem Hilfsprojekt verschrieb.

Wenn man sich mit Franz Xaver Lahmer unterhält, hat man bald das Gefühl, dass der Fotograf und ehemalige Journalist zu jenen glücklichen Menschen gehört, die von einem inneren Glühen beseelt sind, das nur jene haben, die von der Sache, die sie tun, wirklich überzeugt sind.
Just während einer Autofahrt kam Lahmer die Idee, im Rahmen eines gewaltigen Marsches auf die Leprahilfe aufmerksam zu machen. Der Weg, so planen Lahmer und sein Begleiter, der pensionierte Lokführer Wilhelm Triml, soll sie von ihrem Heim in Groß-Rust bis ins 7.000 Kilometer entfernte MBalling führen. Der einzige Teil der Strecke, den sie nicht mit ihren Füßen bewältigen, wird die Überfahrt auf der Straße von Gibraltar sein. Die Ärzte Woche sprach mit Projektinitiator Lahmer, der den ersten Schritt zu seinem großen Marsch am 14. April. 2008 um 14 Uhr setzen will.

Wenn Sie an den bevorstehenden Weg denken, welche Befürchtungen beschäftigen Sie und worauf freuen Sie sich besonders?
LAHMER: Natürlich haben wir alles geplant, was sich planen lässt. Aber uns ist bewusst, dass es ein schwer einschätzbares Wagnis ist und sicher einige Situationen auf uns zukommen, die wir intuitiv lösen müssen, denn schließlich lässt sich nicht alles erkundschaften. Willi Triml und ich hoffen aber, dass uns Teilzeit-Begleiter so manches Hindernis und Tief überwinden helfen. Darauf freuen wir uns auch am meisten – die Gespräche und der Kontakt mit anderen, die uns ein Stück begleiten und begegnen. Ich bin auch gespannt, wie mich diese physische und psychische Herausforderung prägen wird. Ich denke, dass auf diesem Weg Dinge bedeutungslos werden, die zuvor noch enorm wichtig waren, und stattdessen Gedanken auftauchen, die man vorab nicht sehen wollte oder konnte.

Eine zentrale Rolle für das Projekt wird ja auch die Internetseite www.world7000.com spielen?
LAHMER: Ja, denn mit der Seite bleiben wir mit all jenen Leuten in Kontakt, die an unserer Idee teilhaben. Während unseres Weges nach Senegal werden wir mithilfe eines Tagebuchs in Form von Fotos und Texten unseren Weg aufzeichnen und so hoffentlich ein emotionsreiches Stimmungsbild kreieren. Aber auch Podcasts möchten wir unterwegs erstellen, denn wir Europäer können uns kaum vorstellen, wie fröhlich und herzlich die Menschen Afrikas sind und trotz unvorstellbaren Elends singen und feiern können. Dies kann nicht mit Worten und kaum mit Fotos beschrieben werden, dazu braucht es schon Tonaufnahmen, um es wirklich zu transportieren.

Wie kann man das Projekt unterstützen?
LAHMER: Es gibt so viele Wege, wie man uns helfen kann, sei es jetzt durch Spenden, Mitarbeit an unserem Projekt oder auch dadurch, uns ein Stück des Weges zu begleiten. Falls Ärztinnen und Ärzte uns Sachspenden zukommen lassen wollen, so sind wir in erster Linie für Schmerzmittel, Durchfallmedikamente und fiebersenkende Mittel sowie Aufbaupräparate für unser Lepradorf dankbar. Für unseren Weg wären auch Kalzium- und Magnesiumpräparate hilfreich.

Die Geldspenden werden nach Abzug der Kosten zu gleichen Teilen zwischen der Leprahilfe Senegal und dem Kinderhilfsprojekt DIMBALE.com aufgeteilt?
LAHMER: Ja, die Leprahilfe ist schon ein bewährtes Projekt, das bereits seit 30 Jahren läuft und vor allem Menschen in MBalling hilft. In dieses Dorf wurden ursprünglich die Kranken zum Sterben hingebracht, doch mittlerweile leben dort sowohl „Aussätzige“ wie auch Gesunde. Dies hat den Vorteil, dass die Betroffenen in einem sozialen Netz hängen und von den Gesunden gepflegt und bekocht werden – etwas, das die Leprahilfe finanziell trägt. Solange wir die Menschen ernähren können und für bessere Hygienestandards sorgen, ist auch die Gefahr von Neuinfektionen geringer. Aber die Lepra ist ja nicht die einzige Geißel, die dort wütet: Malaria, Cholera und Hunger, die Menschen haben dort alles, was man nicht brauchen kann. Hinzu kommt, dass man den Einwohnern ihre Lebensgrundlage nahm, da unter anderem eine europäische Fischfanglotte die dortigen Gewässer im vergangenen Jahrzehnt fast leer fischte.
Neu ist die Idee des Kinderhilfsprojektes DIMBALE.com, mit dem man all jenen Kindern helfen will, die beim Lepraprojekt durch den Rost fallen. Es ist die Investition in Zukunft und in Bildung, also die berühmte Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Ärzte Woche wird den Marsch verfolgen und regelmäßig von diesem Projekt berichten.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 7/2008

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