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Innere Medizin 8. Februar 2008

Das süße Leben und der unbequeme Ausstieg.

Was die Frage der Stentbeschichtung für die Kardiologen oder der Sinn der PSA-Messung bei den Urologen, ist für die Diabetologen die Definition des Metabolischen Syndroms. Welche Kriterien herangezogen, bewertet und gewichtet werden, ist ein heißes Eisen, das sich die Meinungsbilder regelmäßig an den Kopf werfen. Auch in der Ärzte Woche lieferten sich Gelehrte via Leserpost eine spannende Debatte, wo das Maßband angesetzt werden muss, um den Faktor Bauchumfang fachgemäß zu messen. Mittlerweile haben sich die Definitionen des US-amerikanischen National Cholesterol Education Program (NCEP) gemeinsam mit der American Heart Association (AHA) und ein neuer Konsensus der International Diabetes Federation (IDF) von der Konkurrenz absetzen können. Bei der Therapie und Prophylaxe sollte das Metabolische Syndrom nicht als Monolith verstanden, sondern in seine Einzelkomponenten zerlegt und Teil für Teil bekämpft werden. Mehr darüber in unserem DFP über das „Risikomanagement des Metabolischen Syndroms“.
Konsequenterweise ist daher ein weiterer Fokus-Schwerpunkt „Kardiodiabetes“, denn die Brücke zwischen Kardiologie und Diabetologie wurde längst geschlagen, schließlich bestimmt das Herz bei den Diabetikern entscheidend die Lebenszeitprognose. Selbst bei asymptomatischen Patienten können bei einem großen Teil Durchblutungsstörungen, so genannte „stumme Ischämien“ nachgewiesen werden. Besonders fatal ist, dass sich die metabolischen und kardiovaskulären Faktoren – teilweise ident – wechselseitig einen Teufelskreis in Gang setzen, aus dem es kaum einen Ausweg gibt. Freilich ist die Situation der Betroffenen nicht ganz aussichtslos, die Umkehr aber so schwer umzusetzen, wie sie simpel ist: der Bequemlichkeit und den allzu üppigen Nahrungsgewohnheiten zumindest etwas zu entsagen. Doch gerade diese Dinge halten wir für die besonderen Errungenschaften des modernen Lebens.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 41/2002

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