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Innere Medizin 8. Februar 2008

Insulinpumpen: Gewinn für Patienten

In der Behandlung des Typ-1-Diabetes hat sich in den letzten Jahren viel getan. Die Zeiten sind endgültig vorbei, in denen zu kleine, zu blasse und zu dünne Kinder mit Diabetes schon von weitem als krank zu erkennen waren und in denen ihnen von klein auf ein striktes Regime mit festgesetzten Mahl- und Spritzzeiten eingeimpft werden musste.

Insulinpumpen (CSII, continous subcutan insulin infusion) und vor allem die neueren Systeme unter ihnen, die auch kontinuierlich Blutzuckerwerte erfassen, sind die großen Therapie-Neuerungen der letzten Jahre. Prof. Dr. Rudolf Prager, Leiter der 3. Medizinischen Abteilung, Krankenhaus Hietzing, Wien, benannte, anlässlich der Jahrestagung der ÖDG, die Vorteile im Überblick: bessere Diabeteseinstellung, weniger Hypoglykämien, geringerer Insulinbedarf. Erreicht wird das nicht zuletzt damit, dass die Pumpen neben der Basisinsulinversorgung auch Bolusoptionen bieten, die Insulinzufuhr also auf Knopfdruck gesteigert werden kann, wenn Bedarf besteht.
Prager: „Die CSII ist besonders für Kinder und Jugendliche sowie Schwangere geeignet.“ Störend ist für viele Patienten das Gerät selbst, das getragen werden muss. Es ist zwar nicht groß, aber „ein Trumm mehr“. Zudem spätestens im Sportunterricht auch für die Mitschüler sichtbar, und nicht alle Diabetiker wollen, dass ihre Krankheit bekannt wird. Außerdem ist die Therapie teurer als die herkömmliche Spritzentherapie. Damit endet aber auch schon die Liste der Nachteile. Es ist wohl kein Zufall, dass die Zahl der Insulinpumpenträger in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich ansteigt. 1990 trugen in den USA etwa 5.500 Patienten eine Insulinpumpe, 2003 waren es schon rund 230.000.

Häufigste Indikation: Dawn-Phänomen

Die häufigste Indikation ist das Dawn-Phänomen. Der nächtliche Blutzuckeranstieg lässt sich mit einer programmierbaren Pumpe leicht und zuverlässig in den Griff bekommen. Andere Indikationen sind starke Schwankungen im Blutzuckerspiegel, etwa häufige Hypo- oder Hyperglykämien sowie Lebensweisen, die eine regelmäßige Insulingabe und Einnahme von Mahlzeiten nicht zulässt.
Mit der Optimierung der Insulintherapie beschäftigen sich zahlreiche Arbeiten. Ein sehr wichtiger Punkt dabei ist die Beherrschung der postprandialen Glykämie, die ja nicht zuletzt von der Art der Nahrung abhängt. Prager zitierte eine Arbeit von Lee1, in der die Vorteile des Kombinationsbolus gegenüber dem „normalen“ Bolus klar hervortreten. Beim Kombinationsbolus werden 40 Prozent der benötigten Dosis sofort gegeben, der Rest verzögert über die nächsten etwa fünf Stunden. Lee konnte nachweisen, dass der Kombinationsbolus vor allem bei einer fettreichen Mahlzeit den Blutzuckerspiegel wesentlich niedriger hält als der „Normalbolus“.

Neue Insulin-Pumpen-Systeme

Eine andere Methode zur Optimierung des Blutzuckerspiegels sind die neuen Insulinpumpen mit Closed-Loop-Systemen. Sensoren messen den Blutzuckerspiegel und regulieren vollautomatisch die benötigte Insulinmenge. Diese Technik steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Dennoch konnten erste Studien nachweisen, dass die Zahl hypoglykämischer Episoden durch Pumpen mit Closed-Loop-Systemen reduziert werden können2.
Prager zitierte in seinem Vortrag auch eine Arbeit von Battelino3, die anhand der Daten von 377 Typ-1-Diabetikern im Alter zwischen ein und 18 Jahren zeigt, „dass bei Kindern und Jugendlichen die Anzahl der Boli mit einer Verbesserung des HbA1c-Wertes korreliert, nicht jedoch dessen Größe“. Eine nicht immer erwünschte Nebenwirkung ist, dass der BMI bei diesen Patienten stärker steigt als bei Patienten mit herkömmlicher Therapie.
Pragers Fazit: „Insgesamt profitieren die meisten jugendlichen Diabetespatienten von der CSII. Unter anderem wird die Rate an schweren Hypoglykämien signifikant verringert. Allerdings muss auf die Gewichtskontrolle geachtet werden.“

1 Lee M S et al., 63th ADA Scientific Session 2003 New Orleans, 1897-PO, in Diabetes 52 Suppl.1 (2003), A138.
2 Bolinder J et al. EASD Oral Presentation & Abstract, 2005.
Bode B et al. Diabetes Technol Ther. 2004; 6(2):105-113.
3 Battellino T et al. 64th ADA Scientific Session 2004 Orlando , 1760-P, in Diabetes 53 Suppl.2 (2004), A419.

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 41/2002

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