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Innere Medizin 8. Februar 2008

Schwangerschaft und Diabetes II

Prof. Dr. Kinga Howorka, Zentrum für Biomedizinische Technik und Physik sowie Zentrum für Public Health der MedUni Wien, sprach bei der 35. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft Ende November in Innsbruck über die Betreuung schwangerer Diabetikerinnen.

Was wirkt bei schwangeren Patientinnen mit Basis-Bolus-Therapie besser: Insulinaspart oder Humaninsulin? Das war die Fragestellung einer großen multizentrischen Studie, an der 322 schwangere Typ-1-Diabetikerinnen teilnahmen (Mathiesen et al., Diab Care 2007; 30:771–776). Die Ergebnisse in Kürze: Unter Insulinaspart waren Hypoglykämien seltener. Das Risiko einer schweren hypoglykämischen Episode konnte um 28 Prozent, das Risiko nächtlicher Hypoglykämien sogar um 50 Prozent gesenkt werden. Weiters zeigte sich auch die postprandiale Blutzuckererhöhung im ersten und dritten Trimenon unter Insulinaspart deutlich niedriger als unter Humaninsulin.

Vorteile für den Nachwuchs

Auch Kinder profitierten von der Therapie mit Insulinaspart (Hod et al., Am J Obst Gynecol 2007). In der Gruppe der schwangeren Frauen mit dieser Behandlung gab es 14 Fehlgeburten gegenüber 21 in der Gruppe jener mit Humaninsulin. Auch die Zahl der Frühgeburten war mit 28 gegenüber 41 in der Insulinaspart-Gruppe deutlich niedriger. Die Unterschiede waren bei den meisten Parametern nicht groß genug für statistische Signifikanz, doch scheint dieser Untersuchung zufolge das schnellwirksame Insulinanalogon Insulinaspart einen Vorteil gegenüber Humaninsulin zu haben.

Medikamente sind nicht alles

Diabetesexpertin Howorka, klinische Prüferin des österreichischen Teils dieser Studie, ging noch auf einen weiteren wichtigen Faktor in der Behandlung schwangerer Diabetikerinnen ein: „Nicht nur die Medikamente sind in der Therapie wichtig, sondern auch die richtige, das heißt strukturierte, modulare Gruppenschulung.“ Denn die HbA1c-Werte der österreichischen Patientinnen, die solchen Schulungen beiwohnten, lagen im Mittel noch um 0,5 Prozent unter dem Mittelwert der Gesamtpopulation. Bei der letzten präpartalen Untersuchung betrug der Unterschied sogar 0,8 Prozent. „Die relevanten Unterschiede im letzten Trimenon gehen auf einen speziellen Vorbereitungskurs zurück, in dem detailliert auf die glykämischen Ziele nach Beginn der kindlichen Insulinproduktion eingegangen wird“, erklärte Howorka.
Schon in einer früheren Arbeit (Howorka et al., Diab. Med 2001;18:965-972) erfasste sie die Auswirkungen des von ihr seit rund 25 Jahren ent- und ständig weiterentwickelten FIT (Funktionelle Insulin-Therapie)-Programms auf schwangere Diabetikerinnen. Das modulare Trainingssystem enthält Einzelbesprechungen ebenso wie Gruppenlehrgänge und zielt auf einen möglichst selbständigen Umgang der Diabetikerinnen mit der Krankheit in den verschiedenen Lebenslagen ab. Die Therapie orientiert sich dabei am Patienten, statt dass –wie sonst üblich – der Patient sein Leben an die Krankheit anpassen muss. Dank der kurzfristig wirkenden Insulinanaloga kann der Insulinspiegel durch gute Schulung, auch bei nicht ganz regelmäßigen Lebensweisen, noch leichter angepasst werden.

Nähere Information zu FIT:
http://www.diabetesfit.org

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 41/2002

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