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Innere Medizin 8. Februar 2008

Diabetes und Schwangerschaft I: Alles unverändert

In der Diabetesbehandlung und -betreuung hat sich in den letzten Jahren viel getan. Doch wie haben sich diese Verbesserungen auf das Outcome von Schwangerschaften bei Diabetikerinnen ausgewirkt? Weniger als erwartet, sagt eine Studie aus dem AKH Wien. Dr. Ammon Handisurya, Forschungsstipendiat an der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Wien, berichtete bei der Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft über die Ergebnisse einer Studie zu Komplikationsraten bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikerinnen.

Insgesamt 199 Frauen nahmen an der Studie teil. 60 davon waren Typ-1-Diabetikerinnen, die in den Jahren 1995 bis 2000 am AKH in Betreuung waren, 75 Typ-1-Diabetikerinnen, die zwischen 2001 und 2006 ihr Kind austrugen. Die dritte Gruppe waren 64 Frauen mit Typ-2-Diabetes, der schon vor Beginn der Schwangerschaft bestand.

Immer mehr Typ-2-Diabetes

Entsprechend der zunehmenden Zahl an Typ-2-Diabetikerinnen und dem stetig sinkenden durchschnittlichen Alter der Erstmanifestation dieses Diabetestyps steigt auch die Zahl der Schwangeren mit Typ-2-Diabetes kontinuierlich an.
Wenig überraschend, dass die Schwangeren mit Typ-2-Diabetes im Durchschnitt signifikant älter als Typ-1-Diabetikerinnen waren und deutlich häufiger übergewichtig und auch einen niedrigeren HbA1c-Wert hatten. Sie waren allerdings auch doppelt so häufig Immigrantinnen der ersten Generation und kamen in einem fortgeschritteneren Schwangerschaftsstadium zur Erstuntersuchung. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Oberärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe: „Dies unterstreicht die genetische Prädisposition und die unterschiedliche ethnische Häufigkeit des Typ-2-Diabetes, sowie den Einfluss soziokultureller Faktoren. Typ-2-Diabetes wird oft bagatellisiert und die Frauen nicht aufgeklärt, dass bei Kinderwunsch eine präkonzeptionelle Stoffwechseloptimierung sowie eine Schwangerschaftsplanung notwendig sind.“

Geplante Schwangerschaften

Die Schwangerschaft war bei den Typ-1-Diabetikerinnen häufiger geplant und entsprechend häufiger nahmen diese Frauen auch Folsäure ein (80 vs. 50 Prozent, p<0,003). Entsprechend dem höheren HbA1c zu Schwangerschaftsbeginn fanden sich in dieser Gruppe mehr Früh-Aborte.
Hypertonie war bei Typ-2-Diabetikerinnen geringfügig häufiger als bei Typ-1-Diabetikerinnen, während kongenitale Malformationen und Eklampsien etwas seltener auftraten, wobei alle diese Unterschiede nicht signifikant waren. Ebenfalls keine signifikanten Unterschiede fanden sich bezüglich Nephro-, Neuro- und Retinopathien, allerdings war – auch das leicht erklärlich – die Zahl der schweren Hypoglykämien bei Typ-1-Diabetikerinnen signifikant häufiger.

Perinatale Sterblichkeit gering

Erfreulich ist, dass die perinatale Mortalitätsrate in allen drei Gruppen sehr niedrig war. Im direkten Vergleich der Typ-1-Diabetikerinnen der beiden Untersuchungszeiträume (1995-2000 vs. 2001-2006) nahm weiters die Rate an Makrosomie (20 vs. 10 Prozent, p<0,05) sowie an Retinopathie post-partum (30 vs. 15 Prozent, p<0,05) signifikant ab. Allerdings konnte weder bezüglich der Inzidenz von Präeklampsie, Hypertonie noch bezüglich der (insgesamt eher seltenen) Plazenta-assoziierten Komplikationen signifikante Verbesserungen erzielt werden. Zugenommen haben die Zahlen der Patientinnen, die Folsäure einnahmen, aber auch derer, die während der Schwangerschaft Alkohol konsumierten. Entsprechend dem allgemeinen Trend in der Bevölkerung stieg auch der präkonzeptionelle Body Mass Index (BMI) signifikant an.

Outcome nur wenig besser

Handisurya zusammenfassend: „Trotz strukturierter Schulungsprogramme und verbesserter Betreuung in der Gravidität konnte das Outcome nur wenig verbessert werden.“ Kautzky-Willer anschließend: „Diese Daten entsprechen dem internationalen Trend in spezialisierten Zentren und Großstädten. Im Rahmen der Qualitätssicherung bzw. -steigerung haben wir zu diesem Zweck – in Kooperation mit der Kinderklinik sowie der Univ. Klinik für Frauenheilkunde – eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe zum Risikomanagement etabliert und ein Register für Diabetes und Schwangerschaft erstellt. Ein zentraler Punkt der Schwangerenbetreuung ist, durch Fortbildung und verbesserte Zusammenarbeit mit Allgemeinmedizinern und niedergelassenen Fachärzten mehr Frauen mit Diabetes vor Beginn einer Schwangerschaft zu identifizieren und adäquat zu behandeln. Diese Frauen sollten über potenzielle Komplikationen einer Schwangerschaft aufgeklärt und bei bestehendem Kinderwunsch zur Schwangerschaftsvorbereitung in ein spezialisiertes Zentrum überwiesen werden. Eine weitere wichtige Verbesserungsmaßnahme betrifft Migrantinnen. Unsere Daten ebenso wie Daten aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass die Prävalenz von Typ-2-Diabetes gerade bei diesen erhöht ist und dass daher zur Risikoreduktion im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen vermehrt auf Stoffwechselstörungen geachtet werden und auch mit Hilfe mehrsprachiger Broschüren des KAV auf das Risiko hingewiesen werden sollte. Bei Typ 1 hingegen liegt das größte Verbesserungspotenzial weiterhin in einer Verbesserung des HbA1c zu Schwangerschaftsbeginn, was einerseits durch Verminderung nicht-geplanter Graviditäten durch bessere Verhütungsmaßnahmen und andererseits durch eine generelle Optimierung der Einstellung im gebärfähigen Alter erzielt werden muss.“

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 41/2002

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