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Innere Medizin 8. Februar 2008

Herzalarm - im Labor

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind Todesursache Nummer eins, und Diabetiker haben eine deutlich erhöhte Prävalenz für kardiovaskuläre Erkrankungen. Auch bei stabiler KHK ist das Risiko, binnen eines gewissen Zeitraumes ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, individuell sehr unterschiedlich. Neue Biomarker zur Risikoeinschätzung sind daher stets willkommen. So auch die natriuretischen Peptide, die sich in Diagnostik und Therapiemonitoring koronarer Erkrankungen bewährt haben – auch bei Diabetikern.

„Bei zahlreichen kardiologischen Erkrankungen ist NT-proBNP als guter Marker evaluiert“, erklärte Dr. Stephanie Neuhold von der Universitätsklinik für Innere Medizin II, AKH Wien, im Rahmen der 35. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) im November 2007 in Innsbruck. Das natriuretische Peptid NT-proBNP ist für eine Risikoabschätzung nicht nur bei Herzinsuffizienz und akutem Koronarsyndrom, sondern auch bei stabiler KHK von Nutzen.
Aber funktioniert die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung mittels NT-proBNP auch bei Diabetikern? „Wir wollten überprüfen, ob mit diesem Parameter eine sichere Abschätzung des kurzfristigen kardiovaskulären Risikos von Diabetikern möglich ist, und welchen Stellenwert dieser Marker im Vergleich zu anderen Markern einnimmt.“

Wiener Untersuchung

Mittel dazu war eine prospektive Beobachtungsstudie an 628 konsekutiven Patienten und Patientinnen mit Diabetes mellitus Typ II mit den Endpunkten ungeplante Hospitalisierungen aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse und Tod. 144 dieser PatientInnen (23 Prozent) hatten bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung zum Zeitpunkt des Studieneintritts. Bei 43 Prozent (n=270) lag der NT-proBNP-Wert über der Grenze von 125 pg/ml. Der Beobachtungszeitraum betrug 9,1 ± 4,7 Monate. Erfasst und in der statistischen Analyse berücksichtigt wurden auch Alter, Geschlecht, BMI, systolischer RR, NYHA-Klasse, Dyspnoe Score, Minnesota Score, HbA1c, Kreatinin, GFR, Mikroalbuminurie, Nikotinkonsum sowie Diabetes- und Hypertoniedauer.

Signifikanter Unterschied

Insgesamt erfolgten im Beobachtungszeitraum 15 Todesfälle und 41 ungeplante Hospitalisierungen. Von 358 Patienten mit einem normalen NT-proBNP Wert (unter 125pg/ml) mussten lediglich sieben Patienten hospitalisert werden, zwei Patienten verstarben – Werte, die in etwa einem Gesundenkollektiv entsprechen. Hingegen erlitten 13 der 270 Patienten mit einem erhöhten NT-proBNP Wert einen kardiovaskulär bedingten Tod und 34 eine Hospitalisierung.

Ein signifikanter Marker für kardiovaskuläre Ereignisse

Neuhold: „NT-proBNP erwies sich als der stärkste unabhängige Marker für den kombinierten Endpunkt und als deutlich aussagekräftiger bezüglich kardiovaskulärer Kurzzeitereignisse als traditionelle Marker. Besonders wertvoll ist die hohe negative prädiktive Aussagekraft. In unserem Kollektiv könnten etwa 60 Prozent der PatientInnen mithilfe von NT-proBNP als kurzfristig nicht gefährdet eingestuft werden.“
Die Studie wurde von Mitarbeitern der Universitätskliniken für Innere Medizin II und III am AKH Wien gemeinschaftlich durchgeführt.

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 41/2002

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