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Innere Medizin 14. Juni 2007

Venentherapie neu

Neue diagnostische und therapeutische Verfahren vereinfachen die Behandlung der Stammvarikose. Die Diagnose mittels Phlebographie ist nicht mehr zeitgemäß. Desgleichen wird das Venenstripping immer häufiger von der endoluminalen Obliteration mittels Laser abgelöst. Das neue Verfahren scheint schonender und weniger schmerzhaft zu sein. Allerdings fehlen noch die Langzeitergebnisse.

 Venen
Neue Therapiemöglichkeiten für Varizen (hier im Bereich der V. saphena magna).

Foto: www.gavein.com

Zum ersten Mal fand heuer im Stift Melk das Wachauer Venensymposium statt. Nach dem Motto „Phlebologie im Umbruch“ wurden die Duplexsonographie, endoluminale Verfahren mittels Laser, die Schaum-Sklerosierung und die Thromboseprophylaxe einer Prüfung auf klinische Evidenz unterzogen. Konsens der teilnehmenden Experten:

• Die Duplexsonographie hat die Phlebographie weitgehend abgelöst und ist der neue Goldstandard in der Diagnose von Venenerkrankungen.
• Das invaginierende Stripping und endoluminale Verfahren mittels Laser und Radiowelle ersetzen das invasive Babcock-Stripping.
• Jeder Venenpatient benötigt eine individuell angepasste Therapielösung.

Laserablation wesentlich schonender

„Die endoluminale Obliteration mittels Laser ist eine neue, minimal invasive Behandlungsmethode für variköse Venen und wird als alternatives Verfahren zum klassischen Venenstripping gesehen“, erklärte Doz. Dr. Andreas Shamiyeh vom Ludwig Boltzmann Institut für operative Laparoskopie im AKH Linz. Im Gegensatz zum Stripping entstehen beim Lasern keine Hämatome, es treten weniger Schmerzen auf und nur kleinere oder gar keine Schnitte sind notwendig. Letztendlich werden Kompressions- und Rekonvaleszenzdauer verkürzt. Nachteilig wirken sich neue Komplikationen aus. Dazu zählen etwa Hautinduration und -pigmentierung, postoperative Phlebitis und das Phänomen der „Non-Responder“. Als Letztere werden jene Venen bezeichnet, die nach erfolgter Behandlung nicht okkludiert sind und weiterhin einen Reflux aufweisen.

Weitere Studien und Langzeitergebnisse dringend erwartet

Laserablationsverfahren sind erst seit kurzem im Einsatz, daher gibt es nur wenige valide Studien und keine Langzeitergebnisse. Auch die Indikationen sind nicht leitliniengestützt und die Wahl der Energiestärke noch im Experimentierstadium. „Bis prospektiv randomisierte Studien zu ‚Stripping versus endoluminale Ablation‘ vorliegen, ist die klassische Operation mittels Crossektomie und Stripping bei der Stammvarikose als Standardtherapie anzusehen, wenngleich der Laser bereits eine sehr hohe Patientenakzeptanz genießt“, schloss Shamiyeh ab.

Schaumsklerosierung

„Die Schaum-Sklerotherapie hat zu einer Renaissance der Sklerotherapie geführt und sich weltweit als effektive, einfache und sichere Methode zur Behandlung der Varikose etabliert“, berichtete der deutsche Facharzt für und Phlebologie Dr. Franz Xaver Breu aus Rottach-Egern am Tegernsee. Es gibt kaum postinterventionelle Beschwerden, keine oder nur kurze Arbeitsunfähigkeitszeiten und bei Rezidiven ist die Schaum-Sklerotherapie jederzeit wiederhol- oder ergänzbar. „Unerwünschte Wirkungen werden weniger durch das Verödungsmittel als durch eine falsche Technik verursacht. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte das injizierte Schaumvolumen auf maximal zehn Milliliter pro Sitzung und Injektion begrenzt werden“, empfahl Breu.
„Die Frage einer medikamentösen Thromboseprophylaxe bei venenchirurgischen Eingriffen wird aufgrund der aus Studiendaten nicht ableitbaren Evidenz kontrovers diskutiert“, schilderte Prof. Dr. Sylvia Haas, Institut für Experimentelle Onkologie und Therapieforschung in München. Es habe sich dagegen bewährt, eine individuelle Risikoabschätzung vorzunehmen und perioperativ eine für das mittlere beziehungsweise hohe Risiko erprobte medikamentöse Prophylaxe durchzuführen. Am häufigsten werden niedermolekulare Heparine zur peri- und postoperativen Vorsorge eingesetzt. „Voraussetzungen sind detaillierte Kenntnisse im Umgang mit Heparin und seiner wichtigsten Komplikation, der heparininduzierten Thrombozytopenie Typ II. Natürlich muss immer eine rückhaltlose Aufklärung der Patienten zu diesem speziellen Behandlungsrisiko sowie eine lückenlose Dokumentation zur rechtlichen Absicherung vorgenommen werden“, appellierte Haas.

Quelle:
1. Wachauer Venensymposium – „Phlebologie im Umbruch“;
1.-3.06.2007, Melk.

Emanuel Munkhambwa

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