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Innere Medizin 16. Jänner 2008

Feldkirch forscht international

Beinahe jedes zehnte Kind leidet heute an chronischem Asthma, die Ursachen sind vielschichtig. Eine internationale Gruppe von Kinderärzten hat in einer internationalen Studie die genetischen Ursachen von Asthma näher erforscht und die Resultate im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht. Auch die Kinder- und Jugendabteilung des LKH Feldkirch unter der Leitung von Doz. Dr. Burkhard Simma war beteiligt.

Bei Asthma sind auch genetische Faktoren beteiligt. Durch bestimmte Auslöser wie z.B. Allergene oder Abgase entzündet sich die Schleimhaut der Bronchien, schwillt an und verengt die Bronchien. Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) Deutschland haben in einer internationalen Kooperation jene genetischen Varianten identifiziert, die das Risiko für Asthma-Erkrankungen im Kindesalter stark erhöhen. „Genau dafür wurde das NGFN geknüpft und wir am LKH Feldkirch freuen uns, dass wir an einer so groß angelegten Studie zur Erforschung der genetischen Asthma-Ursachen teilnehmen konnten“, erklärt Doz. Dr. Burkhard Simma, Leiter der Kinder- und Jugendheilkunde am LKH Feldkirch, in einer Pressemitteilung. „Die verschiedenen Gruppen des Forschungsnetzes wollen vor allem klären, welche Rolle unsere Gene bei der Entstehung von Krankheiten spielen.“

Ihr Kinderlein spendet: Blut für die Wissenschaft

In der aktuellen Studie untersuchten Experten aus Europa und den USA die DNA von insgesamt mehr als 2.000 Kindern und verglichen die Genetik von an Asthma erkrankten mit der Genetik von Gesunden. Am LKH Feldkirch hatten sich Eltern mit 163 Kindern zur Teilnahme an der Studie entschlossen. Die Kinder und Jugendlichen stellten fünf Milliliter Blut für die genetische Untersuchung zur Verfügung und füllten mit ihren Eltern einen Fragebogen aus. Die Studie wurde im Vorfeld von der Ethikkommission Vorarlberg genehmigt und von der Abteilung Wissenschaft des Landes Vorarlberg finanziell unterstützt.
Geleitet wurde die Arbeitsgruppe zur Asthmaforschung, an welcher auch das LKH Feldkirch beteiligt war, von Prof. Dr. Michael Kabesch, Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Forschergruppe analysierte SNPs (single nucleotid polymorphism). Bei diesen Mutation ist jeweils nur ein einzelnes Gen an definierter Stelle verändert. Über 317.000 solcher Varianten haben die Forscher charakterisiert. „Dabei konnten wir herausfinden, dass mehrere Mutationen auf Chromosom 17 das Asthmarisiko um 50 Prozent erhöhen“, erläutert dazu Simma. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Genveränderungen auf dem Chromosom 17 die Bildung eines bisher unbekannten Proteins ORMDL3 beeinflussen. Die Blutzellen von Asthmakindern enthalten mehr ORMDL3 als die Zellen gesunder Kinder. Die genaue Funktion dieses Proteins ist allerdings noch ungeklärt. „Das Krankheitsgen, das wir nun gefunden haben, wurde bisher noch überhaupt nicht mit Asthma in Verbindung gebracht. Die Effekte sind erstaunlich. Wir konnten in mehreren unabhängigen Untersuchungen zeigen, dass es sich tatsächlich um ein wichtiges Asthma-Gen handelt“, so Studienleiter Kabesch. „Wir sind gerade dabei herauszufinden, wie ORMDL3 die Entstehung von Asthma beeinflusst. Damit könnte ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem besseren Verständnis von Asthma und zu einer effektiveren, nachhaltigeren Therapie möglich sein.“

Quelle: Mitteilung der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H.

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