zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 12. Dezember 2007

Bestechende Information

Österreichische Präventionsmediziner und Vertreter der Pharmaindustrie haben sich unlängst zu einer Interessenvereinigung zusammengeschlossen, die sich für die Stärkung des Impfbewusstseins einsetzen will.

Eine verpflichtende Impffortbildung für Ärzte fordert das neu gegründete Forum Impfschutz. „Eine Umfrage hat gezeigt, dass sich 60 Prozent der Menschen beim Hausarzt über Impfungen informieren und sich auch in der Hausarzt-Praxis impfen lassen“, sagte dazu Prof. Dr. Ingomar Mutz, Präsident des Österreichischen Grünen Kreuzes für Gesundheit, anlässlich der Pressekonferenz. Die Fortbildung sei für Ärzte in Fragen Schutzimpfungen nicht ausreichend, findet Mutz, immerhin ändere sich der Impfplan jährlich. Es sei wichtig, „dass vor allem Haus­ärzte ihren Patienten ausführliche Information über Vorteile, Schutzdauer und Auffrischungsintervalle der einzelnen Impfungen geben und Vorurteilen entgegentreten können“.

Leistbar oder nicht?

Freilich liegt zwischen der Empfehlung für eine Impfung inklusive ausreichender Information und tatsächlicher Inanspruchnahme der Bevölkerung mitunter ein weiter Weg, auf dem auch die Hürde der Leistbarkeit für den Einzelnen bzw. der Kostenübernahme durch das Gesundheitswesen überwunden werden muss. „Bei den Preisen mancher Impfstoffe kommt auf Konsumentenseite die Frage auf, ob Impfungen heute überhaupt noch erschwinglich sind“, sagte Prof. Dr. Michael Kunze vom Institut für Sozialmedizin der Uni Wien und Mitglied des Sprechergremiums des Forums Impfschutz.
„Die Finanzierung von Impfungen ist grundsätzlich auch eine Verteilungsfrage“, so Kunze, „wie viel ist uns die Prävention von Krankheiten wert im Vergleich zu Straßenbau oder Landwirtschaft? Können wir uns leisten zu sagen ‚Diese Impfung können wir uns nicht leisten’?“ Laut dem Sozialmediziner zeige sich, dass Länder mit niedrigen finanziellen Zuschüssen auch die niedrigsten Durchimpfungsraten haben.

Verunsicherte Eltern – niedrige Durchimpfungsraten

Liegen die Durchimpfungsraten unter einem bestimmten Wert, so können Epidemien immer wieder auftreten. Dass die zurückhaltende Impfbereitschaft nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun haben muss, zeigte sich beispielsweise in den letzten Jahren in Europa. Sowohl in Deutschland wie auch in Italien und England kam es zu regelrechten Masernausbrüchen, bei denen mehrere Tausend Menschen erkrankten und auch einige verstarben. Auch in Österreich ließen sich die Folgen einer ungenügenden Durchimpfungsrate erkennen, berichtete Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt vom Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der MedUni Wien. So „haben wir seit dem Jahr 1997 16 Fälle von subakut-sklerosierender Panenzephalopathie als Spätfolge von durchgemachten Masern verzeichnet“.
Die Antwort auf die Frage, wieso selbst bei kostenfrei angebotenen Impfungen die Compliance ganz und gar nicht den Erwartungen entspreche, ergebe sich z.B. aus britischen Studien: In Gegenden, in denen die Bevölkerung durch Medienberichte über potenzielle Nebenwirkungen der Masern­impfung verunsichert war, liegt die Masern-Durchimpfungsrate unter 77 Prozent.

Quelle: Presseinfo Forum Impfschutz

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben