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Innere Medizin 28. September 2007

Editorial

Darmkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Erkrankungen, und trotzdem läuft die Vorsorge in Europa im Vergleich zum Herz-Kreislauf-Check nur schleppend an. Für die Patienten ist es halt keine große Sache, sich eine Manschette um den Arm zu legen und kurz den Blutdruck zu prüfen. Selbst das aufwendigere EKG flößt weit weniger Furcht ein als die Darmspiegelung, wie schmerzlos sie auch sein mag. Aber was man in der Öffentlichkeit tabuisiert, findet auch im Zwiegespräch mit sich selbst kaum Erwähnung. Daher dominiert die Sorge um das Herz weiterhin das Vorsorgeverhalten der Österreicher, während der Darm hintan gehalten wird. Kein Wunder, dass median 3,1 Jahre vergehen, bis eine chronisch entzündliche Darmerkrankung diagnostiziert wird. Lange Patientenkarrieren weisen auch Zöliakie-Kranke auf, vor allem jene mit atypischen Symptomen.
Es genügt aber längst nicht, nur die Bevölkerung aufzuklären, die aus genannten Gründen Darmbeschwerden beharrlich bagatellisiert, es müssen auch die niedergelassenen Mediziner für diese Krankheiten sensibilisiert werden.
Im Netzwerk der Gastroenterologen klafft aber noch ein Loch: Es gibt zu wenig Spezialisten und teilweise uneinheitliche Richtlinien. So wird die Koloskopie, die in Österreich fast auf den Tag genau vor zwei Jahren in die Vorsorgeuntersuchung eingebettet wurde, nach unterschiedlichen Qualitätskriterien angewendet. Eine Zertifizierungsstelle der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie will zumindest diesen Wildwuchs beenden.
Die Recherchen zu diesem Fokus lehrten uns auch, dass es nicht unbedingt komplizierte Apparaturen braucht, um Indizien für gastroenterologische Erkrankungen zu sammeln. Dazu bedarf es (wie so oft) nur eines Gesprächs mit dem Patienten. Allerdings ist es nicht nur wichtig, dem Inhalt zu lauschen, sondern auch dem Klang der Stimme. Denn der kann auch etwas über die Verhältnisse im Magen verraten.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 39/2001

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