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Diabetologie 26. September 2007

Hoher Druck trifft hohen Zucker

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen hohem Blutdruck und Diabetes mellitus Typ 2. Deshalb sollte bei allen Diabetikern regelmäßig der Blutdruck gemessen und bei allen Hypertonikern der Blutzuckerspiegel kontrolliert werden.

„Jeder zweite Typ-2-Diabetiker weist bei der Diagnosestellung auch eine arterielle Hypertonie auf“, so Prof. Dr. Michael Roden, Vorstand der I. Med. Abteilung des Hanusch-Krankenhauses, beim 3. Kardiovaskulären Symposium in Wien. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die erhöhten Spiegel an freien Fettsäuren und proinflam­matorischen Zytokinen zu einer Gefäßentzündung, proliferativen Veränderungen und einer Beeinflussung des Gefäßtonus führen.

Nach Mikroalbuminurie fahnden

Häufig findet sich bei Diabetes mellitus eine isolierte systolische Hypertonie oder Non-Dipping, erläuterte der Roden: „Wichtig ist, bei hypertensiven Diabetikern ein Screening auf Mikroalbuminurie als Indikator einer diabetischen Nephropathie durchzuführen“.
Hypertoniker wiederum haben ein erhöhtes Risiko, Diabetes zu entwickeln, sagte der Experte. Generell sei der enge Zusammenhang zwischen Hypertonie und Diabetes schon seit längerem bekannt: Bereits vor rund 20 Jahren erschien eine Publikation zum Thema „Gestörter Glukosestoffwechsel (Insulinresistenz) bei Hypertonikern“.

Den Lebensstil beeinflussen

Die Basistherapie besteht in Lebensstilmodifikation, die sich etwa in der amerikanischen Diabetes Prevention Program-Studie (Orchard et al. 2005) bei Patienten mit beeinträchtigter Glukosetoleranz als wirksam erwies. In der Literatur finden sich auch Hinweise darauf, dass Antidiabetika den Blutdruck senken können; weiters ergaben verschiedene Studien, dass Hemmer des Renin-Angiotensin-Sys­tems die Diabetes-Inzidenz verringern konnten. „Allerdings war die Diabetes-Definition in diesen Studien sehr uneinheitlich“, relativierte Roden. Ende letzten Jahres erschien die prospektive DREAM-Studie, in der über 5.000 Patienten mit gestörter Glukosetoleranz oder erhöhtem Nüchtern-Blutzuckerspiegel rund drei Jahre lang beobachtet worden waren. Der ACE-Hemmer Ramipril führte dabei zu einer Senkung des Blutdrucks, eine Diabetesprävention konnte jedoch nicht erreicht werden.
Was die medikamentöse Behandlung von Patienten mit Hypertonie und Diabetes betrifft, sollte unter anderem nach den Richtlinien der European Society of Cardiology (ESC) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) die (Kombinations-)Therapie einen RAAS-Hemmer (ACE-Inhibitor oder ARB) enthalten. Auch Kalziumantagonisten spielen in der Behandlung eine Rolle. Dazu Roden: „Primär geht es darum, den Blutdruck intensiv in den Zielbereich zu senken; die Frage, mit welchem Medikament, ist sekundär.“ Der Zielblutdruck liegt dabei unter 130/80, bei Vorliegen einer diabetischen Nephropathie unter 125/75.
Bei rund 30 Prozent der Patienten ist der Blutdruck schlecht eingestellt, hinsichtlich der metabolischen und Lipidkontrolle sieht die Situation noch ungünstiger aus: Rund die Hälfte sei schlecht eingestellt, erklärte Roden. Abschließend empfahl der Experte, bei jedem Diabetiker den Blutdruck zu bestimmen und bei jedem Hypertoniker den Glukosespiegel zu kontrollieren. Liegt der Nüchternblutzucker im venösen Blut dabei über 100 mg/dl, ist die Untersuchung zu wiederholen. Beträgt der Wert dann über 126 mg/dl, muss eine Behandlung erfolgen.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 39/2007

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