zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 28. Juni 2007

Was man sich beim Baden so alles holen kann

Schwimmen gilt als eine der gesündesten Sportarten. Bei allen Vorzügen kann die menschliche Gesundheit jedoch auch durch diverse Mikroorganismen und chemische Schadstoffe leiden. Bei den Infektionen sind dabei hauptsächlich Erkrankungen von Haut, Ohr, Auge, Atemwegen und Gastrointestinaltrakt von Bedeutung.

Was Hauterkrankungen betrifft, erhielt (im Zusammenhang mit dem Baden in Oberflächengewässern) die Zerkariendermatitis (juckender Hautauschlag durch Larven von Saugwürmern) in den letzten Jahren viel mediale Aufmerksamkeit. „Über einzelne Fälle von Zerka­riendermatitis – am Neusiedlersee und in Niederösterreich – hat Graefe freilich schon in den frühen 70er-Jahren berichtet“, weiß Prof. Dr. Franz F. Reinthaler, Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Medizinischen Universität Graz. „Ein Risiko für eine stärkeren Zerkarienbefall ist vor allem dann gegeben, wenn es sich um künstliche, artenarme Biotope mit fehlendem Fischbesatz und abgemähtem Uferbewuchs, der im Teich liegen gelassen wird (was als Zwischenwirte fungierende Schnecken anlockt), handelt. Weiters wenn Stockenten (Die Endwirte der Zerkarien) gefüttert werden und die Wassertemperaturen auf Grund lang andauernder Hitzeperioden permanent auf über 24°C liegen.“

Fische fürs Gartenbiotop

Wie der Experte erläutert, können Amurkarpfen die Pflanzen und Schleien die Schnecken reduzieren. Keinesfalls sollte eine Bekämpfung mit Molluskiziden durchgeführt werden. Nach dem Verlassen des Wassers sollte man den Körper mit einem Handtuch kräftig abtrocknen, um nicht vollständig in die Haut eingedrungene Zerkarien zu entfernen. Auch bei der Bilharziose fungieren Schnecken als Zwischenwirte. Die Erkrankung spielt in vielen tropischen Ländern eine wichtige Rolle, ist bei Touristen aber selten. So konnten Reinthaler, Feierl et al. im Rahmen ihrer Reiserückkehrer-Studien bei über 500 untersuchten Personen keine Bilharziose nachweisen (J Travel Med 1998, J Travel Med 2004). „Ohrenentzündungen (Otitis externa und media) werden vor allem durch Pseudomonas aeruginosa hervorgerufen“, erklärt Prof. Dr. Regina Sommer, Leiterin der Abt. für Wasserhygiene am Klin. Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Med. Universität Wien. P. aeruginosa ist ein wassereigenes Bakterium, das sich bei schlecht gewarteten Badewasser-Aufbereitungsanlagen oder in schlecht durchströmten Beckenbädern so massiv vermehren kann, dass es zu Infektionen des Menschen kommt. Kinder sind hierfür besonders anfällig.

Otitis durch Vibrio Cholerae

Zuletzt wurde auch über Fälle von Otitis externa und media – sowie einen Fall von letaler Septikämie bei einem abwehrgeschwächten Fischer – durch Cholerabakterien (non-O1/non-O139) aus dem Neusiedlersee berichtet (Wien Klin Wochenschr 7-8/2007). Konjunktividen wiederum werden vor allem durch Chlamydien verursacht (Infektion hauptsächlich über Handtücher), Atemwegsinfektionen durch verschiedene Viren (z.B. Adenoviren), so Sommer. Darüber hinaus können in Whirlpools Legionellen über Aerosole übertragen werden. Da beim Schwimmen in der Regel Wasser geschluckt wird, sind auch gastrointestinale Infektionen – hervorgerufen von verschiedenen Bakterien und Viren – möglich. „Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis, Trichomonaden oder Gonokokken ist bei guter Badewasseraufbereitung nicht zu befürchten“, betont Sommer. Generell seien die von Beckenwässern ausgehenden Infektionsrisiken gering. Sommer: „Allerdings werden Infektionen nicht selten über zum Badebetrieb gehörende Einrichtungen und Gegenstände übertragen: Umkleidegelegenheiten, Dusch- und WC-Anlagen, Liegeflächen, Sitzgelegenheiten, Fußböden, Hand- und Badetücher, Badewäsche usw. Als Krankheitserreger sind dabei vor allem Fußpilze, Fußwarzen-Viren (daher immer Badeschuhe tragen), Sprosspilze und Dermatophyten sowie Erreger von Genitalinfektionen zu nennen.“ Harnblasenentzündungen werden vor allem durch das Anbehalten von nassem Badegewand verursacht. Auch das Risiko für eine Vaginalmykose wird dadurch erhöht.

Achtung badende Hunde

Auch Spirochäten – verwandt mit Borellien und Treponemen - können in heimischen Gewässern lauern. Zu den Spirochäten gehören die Leptospiren, welche über Hautverletzungen und intakte Schleimhäute in den Körper eindringen und sich dann hämatogen verbreiten. „Diese können in Oberflächengewässern aufgenommen werden, wenn das Wasser durch den Harn etwa von Hunden und Ratten verunreinigt ist“, so Sommer. Beispielsweise erkrankten im letzten Jahr 16 Triathleten an Leptospirose, nachdem sie im Neckar geschwommen waren. Baden an Stränden, wo auch Hunde zugegen sind, erhöht zudem das Risiko für entsprechende Wurmerkrankungen. Amöbeninfektionen durch Badewasser (mit Naegleria-Arten kontaminierte Schwimmbäder) sind bei uns selten. Reinthaler: „Die Amöben gelangen mit dem Wasser in die Nase, dringen in die Riechnerven ein und führen schließlich zu einer Amöben-Meningoenzephalitis. Diese verläuft immer akut faudroyant tödlich.“ Die ersten Fälle wurden 1962 bis 1965 in der CSSR beschrieben. Betroffen waren 16 Jugendliche, die ein- und dasselbe Schwimmbad (mit adäquater Chlorierung) besucht hatten. „Rund drei Viertel der bekannt gewordenen Fälle traten übrigens in Australien, der CSSR und den USA auf“, fasst Reinthaler zusammen. Harmlosere mit dem Baden assoziierte Erkrankungen und Beschwerden sind weiters Quallendermatitis, Hautausschläge durch diverse toxische Algen und Blut­egel sowie Schleimhautreizungen durch Algen. Cyanobakterien („Blaualgen“) in Oberflächengewässern waren in Österreich – im Unterschied zu Deutschland – bisher kaum ein Thema. Da Cyanobakterien-Toxine u.a. zu Leberschädigungen führen können, hat das deutsche Umweltbundesamt im Jahr 2003 eine „Empfehlung zum Schutz von Badenden vor Cyanobakterien-Toxinen“ publiziert. Bei der Nutzung von Freibeckenbädern und Hallenbädern kommt es nicht selten zu Augenreizungen bis hin zu Konjunktividen durch Chloramine. „Diese entstehen bei der Chlordesinfektion, wenn die chemisch-physikalische Wasserbehandlung nicht imstande ist, die organischen Substanzen (Schmutz) in ausreichendem Maße aus dem Badewasser zu entfernen“, erläutert Sommer. Die „Hauptverunreinigungsquelle“ in Beckenbädern ist dabei der Mensch. Schließlich benutzen viele Badegäste, wie Bademeister beklagen, nicht die Duschen, sondern das Beckenwasser für ihre Körperreinigung. Auch die Empfehlung, vor dem Baden die Blase zu entleeren, wird nur selten berücksichtigt. Sommer: „In der Öffentlichkeit ist kaum bekannt, dass es durch den Kältereiz des Wassers zu einer Kontraktion der Blasenmuskulatur kommt. Dadurch werden pro Badegast ungefähr 50 Milliliter Urin in das Badewasser abgegeben. Im Fall einer Harnwegs­infektion werden auf diesem Weg vermehrt Bakterien in das Wasser eingebracht.“
Aus Wasserinhaltsstoffen und Desinfektionsmitteln können auch Trihalomethane wie z.B. Chloroform gebildet werden. „Bei unzureichender Frischluftzufuhr bzw. mangelnder Lüftungstechnik kann es durch diese chemischen Stoffe zu Schädigungen der Atmungsorgane kommen“, erklärt Prof. Dr. Franz Mascher, Med. Universität Graz. Das gesundheitliche Risiko steige dabei mit der Aufenthaltszeit im Hallenbad, so Mascher.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 26/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben