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Innere Medizin 10. Mai 2007

Statine: Jungbrunnen für die Herzkranzgefäße

Der Begriff Anti-Aging ist in aller Munde. Für Herzkranzgefäße würde Anti-Aging Rückbildung der Atherosklerose bedeuten. Verschiedene Studien zeigen nicht nur den Nutzen von Statinen für alte Menschen, sondern auch die Möglichkeit, mittels aggressiver Cholesterinsenkung atherosklerotische Plaques zu verkleinern.

„Die Medizin behandelt keine hohen Cholesterinspiegel, sondern Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko“, betont Prof. Dr. Thomas Stulnig vom AKH Wien, Interne Abteilung III, in seinem Vortrag anläßlich des ersten Wiener Anti-Aging-Symposiums. „Wodurch zeichnet sich so ein Risikopatient aus? Durch das Alter (Männer >45, Frauen >55 Lj.), hohes Gesamtcholesterin und HDL<40mg/dl, Bluthochdruck, Rauchen, manifeste KHK und sogenannte Risikoäquivalente einer KHK.“ Das sind Kombinationen von Faktoren, die zu einem Risiko von über 20 Prozent führen, in den nächsten zehn Jahren eine KHK zu entwickeln. Diabetes mellitus Typ 2 (DM 2) ist so ein Risikoäquivalent, auch klinisch manifeste Atherosklerose. Stulnig: „Patienten mit KHK-Risikoäquivalent müssen wie KHK–Patienten behandelt werden. Für Hochrisikopatienten mit KHK oder Äquivalent liegt der Grenzwert unter 100mg/dl LDL.“ Patienten mit geringem, mittlerem und hohem Risiko haben unterschiedliche Zielwerte – siehe Kasten.

Einen Risikofaktor teilen die meisten Patienten: das Alter

Und Statine bieten dem alten Patienten klinisch Vorteile, wie Stulnig erläutert: „Die Heart Protection Study wurde in Groß­britannien an über 20.000 Patienten der verschiedener Altersgruppen durchgeführt. Teilnehmer waren Hochrisikopatienten mit KHK, Diabetes oder hohem Blutdruck. Die Patienten hatten durchaus verschiedene LDL–Werte und wurden mit 40mg Simvastatin oder Placebo behandelt. Nach fünf Jahren zeigt sich folgendes: 24 Prozent weniger „Major Vascular Events“ wie Herzinfarkt und Insult sowie eine um 13 Prozent reduzierte Gesamtmortalität.“ Das zeigt, dass Patienten mit kardialem Risiko deutlich von einer LDL–Senkung profitieren. Eine weitere Studie, die den Benefit speziell für alte Menschen weiter aufklären sollte, ist das „PROSPER–Trial. Stulnig dazu: „Fast 6.000 Männer und Frauen im Alter von 70 bis 82 Jahren mit Gefäßerkrankung oder hohem kardialem Risiko wurden über drei Jahre mit 40mg Pravastatin oder Placebo behandelt. Fast 20 Prozent Risikoreduktion bei Myocardinfarkt und Herztod waren das Ergebnis. Auch der alte Mensch profitiert von Statintherapie und LDL-Senkung.“ In diesem Zusammenhang stellt sich für Stulnig die Frage, ob zwischen LDL-Wert und kardialem Risiko ein linearer Zusammenhang besteht: „In der TNT–Studie wurden 10.000 Patienten mit Tagesdosen von 10mg oder 80mg Atorvastatin behandelt Nach einer Vorlaufphase mit 10mg täglich wiesen die Teilnehmer bereits Werte von 100–130mg/dl Cholesterin auf. Die 80mg-Gruppe erreichte dann im Schnitt 77mg/dl LDL, die 10mg–Gruppe 98mg/dl.“ Als Ergebnis kam es durch die forcierte LDL–Senkung zu einer relativen Risikoreduktion vaskulärer Ereignisse von zusätzlich 20 bis 25 Prozent, selbst wenn der Ausgangscholesterinspiegel im Normbereich lag. Stulnig: „Senkung des LDL-Spiegels bedeutet Reduktion des relativen kardiovaskulären Risikos unabhängig vom LDL-Ausgangswert. Bei einem Patienten mit sehr hohem Risiko sollten wir demnach einen möglichst niedrigen LDL-Wert anstreben.“ Zielgruppe für LDL-Werte um 70mg/dl sind alle Patienten, die bereits unter einer KHK oder einer Kombination äquivalenter Risikofaktoren wie DM 2, metabolischem Syndrom und manifester progredienter Atherosklerose leiden. Mittels Gefäßultraschall können atherosklerotische Läsionen sichtbar gemacht werden, die im konventionellen Koronarangiogramm nicht darstellbar sind.

Je niedriger, desto besser

Stulnig: „In der Reversal Trial-Studie wurden 80mg/d Atorvastatin mit 40mg/d Pravastatin ver­glichen. Gemessen wurde dann die Volumsveränderung der Atherome. Die 80mg-Gruppe erreichte Werte von 70mg/dl Cholesterin, die 40 mg-Gruppe solche bei 110mg/dl. In beiden Gruppen wurde das Atheromwachstum gebremst, in der Atorvastatingruppe sogar angehalten.“ Die Regression vorhandener Atherome betreffend verweist Stulnig auf die Asteroid–Studie: „Hier betrug die Tagesdosis 40mg Rosuvastatin. Diese Therapie führte zu einer LDL-Reduktion von über 50 Prozent und zu einer HDL-Zunahme von über zehn Prozent sowie zu Reduktion des Gesamtatheromvolumens und des Atheromvolumens in den stark betroffenen Segmenten. Mit entsprechend aggressiver LDL-Reduktion kann eine Atheromregression bewirkt werden.“ Daher können Statine vielleicht tatsächlich als Anti-Aging–Medikamente gelten.

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