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Innere Medizin 9. Mai 2007

Liebe geht durch den Magen

Durch Kombination zweier experimentell bewährter Techniken kann in Mäusen die Bildung von Anti-Tumor-IgE erzielt werden.

Jedem Allergiker ist IgE aus leidvoller Erfahrung bekannt. Bei Immun-Überreaktionen ist es das IgE, welches die überschießende Entzündungsreaktion mediiert. Für Onkologen hat IgE eine viel positivere Konnotation: Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Personen mit erhöhten IgE-Werten seltener an bestimmten Tumoren erkranken. Dr. Michelle Turner, Epidemiologin an der Universität Ottawa, untersuchte in einer Metaanalyse Daten von 1966 bis 2005, um die Korrelation zwischen Allergie und Tumorerkrankungen aufzuklären. Laut Turner scheinen Pankreastumore und Gliome bei Allergikern seltener zu sein, während Asthma und Lungenkrebs positiv assoziiert sind (Int J Cancer. 2006 Jun 15; 118).

Allergisch auf Krebs

Bei Patienten, die sowohl Heuschnupfen als auch Asthma aufwiesen, war das Risiko, an einer Tumorerkrankung zu versterben, um zehn Prozent reduziert. Prospektive Studien über Zusammenhänge zwischen Allergien und Asthma sind noch ausständig. „Das IgE, welches im Rahmen einer Allergie gebildet wird, richtet sich primär gegen das Allergen und nicht gegen einen Tumor“, erklärt Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin des Institutes für Pathophysiologie der MedUni Wien, in einer Presseaussendung. „Die Tatsache, dass IgE auch gegen Tumore wirkt, ist eher ein erfreulicher Nebeneffekt dieser Klasse von Antikörpern. Wir wollten nun diese für Allergien typische Klasse von Antikörpern mit einer direkten Wirksamkeit gegen Tumore versehen. Durch aktive Immunisierung sollte der Körper zu einer dauerhaften Produktion von IgE angeregt werden.“

IgE viel bindungsfreudiger

Die Einleitung einer Immunreaktion gegen bestimmte Tumorantigene gelang der Forschergruppe bereits vor einiger Zeit mit Mäusen. Durch Injektion unter die Bauchdecke konnte die Bildung von IgG angeregt werden – diese zeigen allerdings eine geringere Wirkung gegen Tumore. Monoklonale Antikörper wie Trastuzumab sind dem IgG ähnlich. Sie besitzen einen Anti-Tumor-Effekt zum Beispiel bei Brustkrebs, dieser ist allerdings nicht von langer Dauer. Und die Affinität zu Tumorzellen ist bei weitem nicht so hoch wie die von IgE – dieses hat eine bis zu 100.000 mal höhere Bindungskraft an seine Rezeptoren. Im Rahmen eines Projektes über Nahrungsmittelallergien hatte Jensen-Jarolims Gruppe gezeigt, dass Nahrungsmittel-Peptide IgE-abhängige Immunreaktionen induzieren können, wenn sie den sauren Bedingungen im Magen widerstehen. Dieses Wissen nutzten die Forscher, um die erwünschte IgE–Produktion zu induzieren. Mäuse wurde mit einem Peptid, welches starke Ähnlichkeit mit einem Tumor–Pepti hat, gefüttert. Simultan wurde die Ansäuerung des Magens reduziert und dadurch die Verdauung der AS - Sequenz verhindert. In der Folge trat eine allergische Reaktion gegen das tumorähnliche Peptid auf, die Mäuse produzierten entsprechende spezifische IgE–Antikörper. Damit gelang die erste IgE-stimulierende Tumorimpfung. Die Ergebnisse wurden beim international besetzten „AllergoOncologySymposium“ präsentiert.

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