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Innere Medizin 29. Jänner 2008

Euer Glaube hat euch geholfen

Die Wirkung körperlicher Betätigung auf die Gesundheit könnte teilweise auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen sein. Zu diesem Schluss kam eine Forscherin der Universität Harvard nach einer Studie mit mehr als 80 Zimmermädchen. Waren sich die Probandinnen der kalorienverbrennenden Natur ihrer Arbeit bewusst, so zeigten sie nach wenigen Wochen eine bessere körperliche Konstitution als ihre Kolleginnen, die nicht über den positiven Effekt ihrer Tätigkeit aufgeklärt worden waren.

Obwohl Zimmermädchen in ihrer Arbeitszeit ständig in Bewegung sind, schätzen sie sich nicht als körperlich aktiv ein: 67 Prozent gaben bei einer Befragung an, körperlich nicht aktiv zu sein. Und die Damen schienen auch bei Messwerten wie Blutdruck, Body Mass Index und Gewicht nicht von ihrer bewegungsintensiven Arbeit zu profitieren. Das erstaunte die Harvard-Psychologin Prof. Dr. Ellen Langer. Sie forschte nach und vermutet als Grund einen Placeboeffekt.
Um herauszufinden, ob die positiven Wirkungen von körperlicher Bewegung auf die Gesundheit ganz oder zumindest teilweise auf die persönliche Einstellung und damit einen Placebo-Effekt zurückzuführen sind, untersuchte Langer 84 Zimmermädchen, die in sieben verschiedenen Hotels arbeiteten. Die Wissenschaftlerin erzählten 44 der Probandinnen von den günstigen Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf ihre Gesundheit. Zusätzlich informierte sie die Raumreinigungsfachkräfte, dass sie die Empfehlungen der amerikanischen Gesundheitsbehörden für eine gesunde Lebenshaltung erfüllen oder sogar übertreffen. Den restlichen 40 Versuchspersonen enthielt sie diese Informationen vor.
Obwohl sich das Verhalten der Zimmermädchen nicht veränderte, stellte die Forscherin nach vier Wochen einen Unterschied zwischen den Versuchsgruppen fest.
So reduzierte sich das Gewicht der informierten Zimmermädchen um fast ein Kilogramm, der Blutdruck sank um zehn Prozent und auch die Körperfettwerte, das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang sowie der Körpermasseindex (BMI) waren bei diesen Frauen den empfohlenen Werten näher. Bei ihren Kolleginnen, die nicht über die positiven Effekte ihres Jobs informiert wor-den waren, kam es zu keinerlei signifikanten Veränderungen .
Für die Psychologin Langer weisen diese Resultate darauf hin, dass die Wahrnehmung und Interpretation des eigenen Handelns die Verbindung zwischen körperlicher Betätigung und Gesundheit beeinflussen kann. Daher sei es sinnvoll, nicht nur die Bewegung an sich zu fördern, sondern zusätzlich auch das Gefühl für die positiven Auswirkungen derselben zu stärken.

Quelle: Psychological Science Feb 07; 18 (2), 165–171

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